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Brittas Geheimnis

Brittas Geheimnis

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 12.01.2016 - 19:11 Uhr

Brittas Geheimnis

Das Wetter war frühlingshaft schön. Ein Himmel wie aus Seide spannte sich blau über die teilweise noch schneebedeckten Berge, die von der Sonne in gleissendes Licht getaucht wurden. Britta fühlte sich beschwingt.
Sie hatte sich gerade “hübsch” gemacht, ihre schönste Sexy-Unterwäsche angezogen und
den kleinen Trolly in ihr Auto gepackt. Sie war nervös und versuchte, so cool als nur irgend möglich zu wirken. Ihre Vorfreude musste sie unter allen Umständen verbergen.
“Tschüß, mein Schatz” flötete sie ihrem Mann zu, umarmte ihn flüchtig und stieg in ihren kleinen, roten Flitzer, um zu einem Seminar nach Augsburg zu fahren.

Schon immer fuhr sie mehrmals im Jahr zu Seminaren. Als selbständige Kosmetikerin wollte sie ständig auf dem Laufenden sein, Bescheid wissen über neue Wirkstoffe, über Konkurenzfirmen und aktuelle Behandlungsmethoden. Nicht zu vergessen die Make-up-Trends! Doch seit etwa einem Jahr besuchte sie mehr Seminare denn je.

Gregor, ihr Mann, den sie “Greg” nannte, war anfänglich ziemlich ungehalten über ihre Fortbildungswut, wie er es betitelte. “Du hast doch so viele Jahre Berufserfahrung, bist routiniert und gut ausgebildet. Was sollen da die ständigen Seminare?” Hatte er sie gefragt. “Einmal im Monat bist du von Freitag bis Sonntag nicht da, weil du glaubst, immer noch mehr lernen zu müssen. Das halte ich für ausgemachten Schwachsinn”.

Auf ihre Argumente, dass die Forschung weiter geht, die Entwicklung in der Dermatologie immer schneller voran schreitet, konterte er nur mit: “dein Geschäft läuft wunderbar. Noch mehr Kundinnen könntest du doch gar nicht annehmen”. Er wollte nicht einsehen, dass Stillstand Rückschritt bedeutet, gerade in dieser Branche.
Britta blieb hart. Sie hatte sich nun mal in den Kopf gesetzt, immer auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein und ließ sich nicht davon abbringen, Schulungen und Seminare zu besuchen. Was dieses Thema betraf, war sie richtig verbissen.

Mit der Zeit schien Greg sich abgefunden zu haben. Er meckerte nicht mehr, wenn Britta ihm die anstehenden Fortbildungstermine nannte. Er hatte seine alte Leidenschaft wieder entdeckt: Das Bergsteigen. Da Britta diese Leidenschaft nicht teilte, nutzte er ihre Abwesenheit, um zum Klettern zu gehen. So waren beide zufrieden und es gab keinen Streit mehr um Schulungstermine. Sie hatten sich arrangiert.
Greg und Britta waren seit zehn Jahren verheiratet. Sie hatten keine Kinder und jeder von den Beiden stemmte sich in seinen Job. Greg als Computerfachmann und Britta in ihren Kosmetiksalon. Sie hatte ihn eröffnet, kurz bevor Greg und sie sich kennen gelernt hatten.

“Ich ruf́ dich an, wenn ich angekommen bin” rief sie ihm noch aus dem geöffneten Wagenfenster zu. Greg stand an der Haustüre und winkte ihr nach.
Britta legte eine CD von Sting ein und drehte die Lautstärke ziemlich hoch. Diese Musik passte zu ihrer Stimmung.
Freitag früh war viel Verkehr auf der Autobahn, sie musste sich sehr konzentrieren. Was ihr ziemlich schwer fiel. Nach einer Stunde Fahrt klingelte ihr Mobiltelefon. Tom war dran. “Wo steckst du, mein Schatz? Bist du schon unterwegs? Ich bin gerade angekommen und habe deinen Lieblingssekt kalt gestellt.” Britta konnte es kaum erwarten, Tom endlich wieder zu sehen. Ein verlängertes, erotisches Wochenende im Monat, öfter konnten sie sich nicht sehen. Britta war das eigentlich ganz recht so. Eigentlich. Doch manchmal hatte sie das Gefühl, ihre Sehnsucht zu Tom würde sie auffressen. Ihre Ehe mit Greg wollte sie jedoch nicht aufgeben. Greg war der ruhende Pol in ihrem Leben, zuverlässig und immer für sie da. Ihre Ehe verlief in ruhigen Bahnen, ohne besondere Höhen oder Tiefen. Jeder wusste, wie der andere tickt und sie verstanden sich auch ohne Worte.
Tom hingegen verkörperte für Britta wilde Leidenschaft, pure Männlichkeit und gleichzeitig die Leichtigkeit des Seins. Von ihm fühlte sie sich begehrt und das gefiel ihr.
Sie wollte Greg UND Tom. Und: bloß nicht nachdenken!

Vor etwa einem Jahr hatten sie sich kennen gelernt. Tom war, wie ihr Mann Greg, Computerfachmann. Er arbeitete für eine Firma die Spezialprogramme für Kosmetikstudios herstellte. Kundendatei, Warenerfassung, automatische Abrechnung, Buchführung und vieles mehr konnte es. Tom hatte es auf einem Seminar vorgestellt und Britta wollte augenblicklich beide: Das Computer-Programm und Tom. Sie bekam beide...

Kurz bevor Britta ihr Ziel erreicht hatte, rief sie ihren Mann an. “Ich bin gut angekommen. Pass du ja auf beim Klettern und sei bitte nicht leichtsinnig”, mahnte sie ihn. “Wir sehen uns dann Sonntag Abend. Mach́s gut”.

Als Britta auf den Parkplatz des Hotels in Augsburg einbog, sah sie Tom schon am Eingang warten. Gut sah er aus, wie immer. Groß und schlank, braun gebrannt, die blonden Haare sehr kurz. Bei seinem Anblick spürte sie, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann und ihre Hände feucht wurden.
Tom öffnete ihr formvollendet die Türe, zog sie in seine Arme und überreichte ihr zur Begrüßung eine wundervolle rote Rose. Im Gegensatz zu ihrem Mann Greg verstand Tom die Kunst der kleinen und großen Gesten perfekt und setzte sie ein, wann immer er etwas erreichen wollte. Tom war Meister von Inszenierungen.

Beide hatten es sehr eilig, in ihr Zimmer zu kommen.
Geplant war wie immer von Freitag bis Sonntag Nachmittag zusammen zu bleiben.
Doch Tom musste bereits am Samstag schon wieder nach hause. “Eine Familienfeier, tödlich langweilig aber unumgänglich” erklärte er der enttäuschten Britta.
Wie sollte sie Greg erklären, dass sie früher als geplant nach hause kommen würde?
Das ging nicht! Was sollte sie mit der freien Zeit anfangen? Überhaupt, sie hatte sich so sehr auf die Zeit mit Tom gefreut und nun sollte es nur eine Nacht sein? Sie ärgerte sich über Tom. Hätte sie das früher gewusst, hätte sie anders planen können. Aber so?
Sie hatte große Mühe, ihren Unmut vor Tom zu verbergen.

Als sie am Samstag nach dem Frühstück in ihr Auto stieg, hatte sie eine Idee:
Sie würde ganz spontan ihre Freundin Mara besuchen! Mara war auch Kosmetikerin und die beiden hatten sich ebenfalls auf einem Seminar kennen gelernt und sofort angefreundet.
Offiziell -für Greg- war Mara auch auf dem selben “Seminar”, das Britta dieses Wochenede besuchte... Mara war Brittas einzige Mitwisserin.
Da Mara und Britta sechzig Kilometer von einander entfernt lebten, waren sie keine Konkurentinnen, konnten sich aber auch nicht so oft sehen, wie sie es gerne gehabt hätten. Da war so ein spontanes, aussertourliches Treffen sicher auch bei Mara ein Grund zur Freude. Britta versuchte vergeblich, Mara telefonisch zu erreichen.
“Sie wird noch schlafen, weil sie letzte Nacht wieder einen drauf gemacht hat”, dachte Britta grinsend und lenkte ihr Auto in die viel befahrene Leopoldstraße. Von da war es nicht mehr weit bis zu Maras Wohnung und deshalb begann sie schon damit, nach einem Parkplatz Ausschau zu halten. Natürlich vergeblich! “Typisch München”, dachte sie, als sie erst in der dritten Parkgarage einen Platz fand. Mit inzwischen deutlich besserer Laune als noch vor einer Stunde lief Britta beschwingt durch Schwabing zu dem Haus, in dem Mara im dritten Stock wohnte und im Erdgeschoß ihr Geschäft hatte. Mara war überzeugter Single und genoß ihr Leben in vollen Zügen.
Als Britta ankam, verließ gerade eine Frau das Haus und hielt ihr freundlich die Türe auf. Britta lief leichtfüßig die Treppe hoch, in dem alten Haus gab es keinen Lift. Sie erreichte die zweite Etage und erstarrte: Mara kam ihr Arm in Arm mit Greg entgegen. Eindeutiger hätte die Situation nicht sein können. Sie wirkten so vertraut miteinander, dass es Britta fast körperlich weh tat. Mara hatte ihren Kopf an Gregs Schulter geschmiegt und sah sehr glücklich aus. Die beiden strahlten sich an und bemerkten Britta erst in dem Moment, als sie unmittelbar vor ihnen stand, zur Salzsäule erstarrt...

(C) Copyright Inga Scheer-Ruhland

7 Kommentare

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Zum Glück ein Roman, sonst müßte ich mir was überlegen.
Inga, dieses Brett vor den Kopf möchte ich nie bekommen. Du hast recht, hier aufzuhören, denn hier würde etwas beginen, was nicht mehr so gut zu lesen wäre.
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Hallo,liebe Inga.
Ich grüße dich ganz herzlich und finde das deine schöne und spannende Geschichte wie im richtigen Leben so gespielt wird. Du hast sie fast so wie in einem Roman, aber trotzdem sehr menschlich und mit vielen Emotionen und Gefühlen beschrieben. Sehr spannend und wirklich.
Ich mag solche wahre Begebenheiten sehr und so kommt es mir auch irgendwie bekannt vor-wie es im wirklichen Leben auch so funktioniert.
Man bricht aus seiner eigenen Ehe oder Zweisamkeit aus um eventuell auch einmal etwas Aufregenderes und Erfrischenderes zu erleben,glaubt man wäre dann letztendlich am Ziel und wird dann plötzlich durch das eigene Leben(wie das Leben so spielt ) zurückgeworfen. Und da erlebt man dann etwas so furchtbar schlimmes was man erst einmal selber verdauen muss ...in das wahre Leben eben.
Es ist schließlich nicht alles Gold was glänzt. Ich finde das du diese Geschichte, Brittas Geheimnis sehr gut, spannend und menschlich mit allen Höhen und Tiefen im Leben beschrieben hast, liebe Inga.
Alles Liebe. LISA!
Liebe Lisa,
ich danke Dir ganz herzlich für Deinen positiven Kommentar!
Manchmal schlägt das Leben tatsächlich ähnliche Kapriolen, auch wenn meine Geschichte frei erfunden ist. Trotzdem, Du hast Recht, man hört immer wieder, dass sich solche und ähnliche Geschichten zutragen.
Ich hoffe, Dir geht es gut und Deine liebe Mama ist auch wieder wohlauf.
Herzliche Grüße
Inga
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Wie du mir, so ich dir
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Guten Abend Inga,
ich hab es geahnt In so einer Situation kann wohl keiner dem anderen einen Vorwurf machen. Wie heißt es so schön "Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort"
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Liebe Leserinnen und Leser,
ich freue mich auf viele Kommentare und Kritiken von Euch!
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