Sein Lieblingsthema
Sein Lieblingsthema

Sein Lieblingsthema

Beitrag von wize.life-Nutzer

Sein Lieblingsthema.

In der Kleinstadt im Norden Deutschlands steht ein großes Ereignis bevor. Die Freiwillige Feuerwehr feiert am nächsten Wochenende ihr 80jähriges Jubiläum.
Wilhelm Braun, der Feuerwehrhauptmann sitzt an seinem Schreibtisch und grübelt. In der nächsten Woche wird das neue Feuerwehrauto angeliefert. Im vergangenen Jahr wurden sie zu 30 Einsätzen gerufen. Seine Ehrenamtlichen erschienen immer pünktlich ohne zu murren. Ein Haus war nicht mehr zu retten. Aber sie konnten oft größeren Schaden verhindern. Bei einem Einsatz im Dezember rettete der 20jährige Jürgen Block ein kleines Kind aus der zweiten Etage eines Wohnhauses. Alle Zeitungen berichteten über die mutige Tat des jungen Mannes.Vom Landrat bekam er sogar eine Ehrenurkunde überreicht. Diese Belobigungen stiegen dem Jürgen zu Kopf. Er stolziert seitdem herum wie ein eitler Gockel. Bei jeder Zusammenkunft und auch bei jedem Umtrunk erzählt er immer wieder wie er in das brennende Haus rannte und in allen Zimmern das Kind suchte. Der kleine junge hatte Kerzen angesteckt. Als die Tischdecke Feuer fing flüchtete er ins Badezimmer.
Wilhelm Braun überlegt: Was mache ich jetzt mit diesem Größenwahnsinnigen. Er ist zu Recht geehrt worden, aber nun muss er sich wieder bei seinen Kameraden einreihen. Bei allen Einsätzen der letzten Monate erschien Jürgen immer als erster. Er ist wie besessen und will sich mehr und mehr profilieren und die Organisation der Einsätze an sich reißen. Irgendwie kommt es mir verdächtig vor, dass stets Jürgen die letzten Feuer gemeldet hat. Wir stellten Brandstiftung bei einigen Mülleimer Bränden fest. Dann loderte das Stroh in einer Scheune und vor zwei Wochen wurden wir zu einem brennenden Reifenlager gerufen. Überall fanden wir Brandbeschleuniger.

Kurz entschlossen ruft Wilhelm seinen Sohn Ulrich in Berlin an. Als dieser sich meldet werden einige Sätze zur Einleitung gesprochen. Es entsteht eine kurze Pause. Ulrich fragt: „Vater warum rufst du an? Diese Gespräche führen wir doch Sonntags Abends.“ Wilhelm räuspert sich: „Möchtest du uns nicht an dem kommenden Wochenende besuchen? Ich brauche dich hier für eine diplomatische Recherche.“ „Das klingt ja spannend. Da ist doch euer großes Feuerwehrfest. Darf ich meine Freundin Elke mitbringen? Ihr kennt sie noch gar nicht?“ antwortet Ulrich. „Gerne wir freuen uns auf euch“. Mit gegenseitigen Grüßen an Freundin und Mutter endet das Gespräch.

Die jungen Leute beziehen am Freitag Abend das Gästezimmer in dem Ulrich seine Kindheit verbrachte. Gut dass sich die Frauen sofort sympathisch finden, denn Ulrich hält sich während der Festtage viele Stunden bei der Clique auf, die sich um Jürgen scharrt. Er hört aufmerksam zu und erneuert eingeschlafene Freundschaften. Nicht nur einmal hört er den Satz: „Der Jürgen kennt kein anderes Thema mehr als die Feuerwehr und seinen SUPERMAN Einsatz. Er wartet direkt darauf, dass andere Menschen in Gefahr geraten, aus der er sie selbstverständlich retten wird.“ Am Sonntag Abend bespricht Ulrich das Problem ausführlich mit seinem Vater. Sie sind sich einig, dass sie ihren Feuerwehr Star vor sich selbst beschützen müssen. Am nächsten Morgen fahren Elke und Ulrich zurück nach Berlin. Dort arbeitet Jürgen als Personenschützer bei der Regierung. Er bittet seinen Chef um eine Woche Urlaub und fährt anschließend sofort zurück nach Hause.
Wie besprochen erwarten ihn dort in Vaters Büro acht junge Feuerwehrleute. Ulrich setzt zu einem kleinen Vortrag an: „Ich denke, wenn Jürgen wirklich der Brandstifter im Ort ist müssen wir ihn, unbemerkt von der Öffentlichkeit, bei der Tat erwischen. Er wird nicht lange zögern, weil er das neue Fahrzeug in Aktion erleben will. Wir tauschen jetzt alle unsere Handy- Nummern und einer von euch ist stets in seiner Nähe. Auffälligkeiten werden sofort an mich weiter geleitet. Am nächsten Tag ruft Rudi, der Tankwart an: „Jürgen hat seinen 5 Liter Kanister mit Benzin gefüllt.“ Max und Toni melden am Nachmittag: „Sein Auto steht seit zwei Stunden im Erika Weg.“ Dort befindet sich ein altes Fachwerkhaus. Es steht unter Denkmalschutz und wird von einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern bewohnt. Ulrich schreibt über App: „Lasst ihn nicht aus den Augen, er wird bis zur Dämmerung warten. Sobald er den Kanister aus dem Kofferraum holt schreibt SOS und dann - alle in den Erika Weg. Ich komme auch und werde ihn befragen. Um 22 Uhr schreibt Max SOS kommt schnell. Wenig später trifft Ulrich ein. Jürgen sitzt einige Meter entfernt vom Haus auf einem Findling, umringt von 6 seiner Feuerwehrkollegen. Es stinkt nach Benzin. Als er Ulrich bemerkt schreit er wütend: „Das hätte ich mir ja denken können – Scheiß Bulle.“ Mit dem Kopf zeigt Ulrich auf das Haus und fragt: „Hat dort einer etwas bemerkt?“ „Nein die Kinder schlafen und die Eltern sitzen vorm Fernseher und schauen einen Tatort.“ „Gut nichts wie weg hier. Wir treffen uns im Feuerwehrhaus. Du Jürgen steigst bei mir ins Auto, aber dalli!
Bis Mitternacht wird noch debattiert. Inzwischen, weiß Jürgen, dass er besser den reuigen Sünder spielen soll, wenn er in der Stadt bleiben will. Sein Ansehen in der Feuerwehr hat er für immer verloren. Wilhelm Braun, der natürlich auch zugegen ist, gibt am Ende dieser Versammlung bekannt: „Wir wollen nicht unseren guten Ruf im Landkreis verlieren, darum bleibt Jürgen Block weiter Mitglied unserer Feuerwehr.“ Er wendet sich diesem zu: „Ich versichere dir, wir werden dich alle beobachten. Bei dem geringsten Verdacht, gehe ich mit dem Video von heute Abend zur Polizei. Dein Supermann Image hast du heute verspielt. Ich will zu diesem Thema nichts mehr von dir hören.“

Einige Tage später, Ulrich ist wieder in Berlin, betritt Wilhelm den Krug. Am Ecktisch sitzt, wie immer um diese Zeit, der Bürgermeister und liest in der Tageszeitung. Wilhelm bestellt an der Theke ein Bier und setzt sich zu ihm. „Hallo Wilhelm ich lese hier den Bericht über unser Feuerwehrfest. Das neue Fahrzeug wird genau beschrieben und auch eure anderen Aktivitäten. Warum wird Jürgen Block unser Vorzeige Feuerwehrmann hier gar nicht erwähnt?“ „Ach Hermann, das Thema ist jetzt Vergangenheit. Wir müssen den Jürgen von seinem Sockel herunter holen. Ich möchte dich bitten uns dabei zu helfen, einfach dadurch, dass du ihn nicht mehr erwähnst.
Hermann blinzelt ihm zu: „In Ordnung, ich konnte es auch schon nicht mehr hören“, sagt er laut lachend.

copyright: M.K.