Jim Dine
Jim DineFoto-Quelle: Jim Dine

HERZENSANGELEGENHEIT - Dichtung und Wahrheit

Beitrag von wize.life-Nutzer

"Wo schlägt ein Herz
das bleibend fühlt?"
(Clemens v. Bretano)

Das Herz, unser treuester, unaufdringlicher und lebenslanger Begleiter - wenig beachtet, manchmal vernachlässigt, überanstrengt, doch es funktioniert, passt sich dem Lebensrythmus an. Auch hinsichtlich schöner, erregender Ereignisse nicht abgeneigt, ein wildes Klopfen zu akzeptieren.

Dann eines Tages Atem- und Schlaflosigkeit, ein hektischer Puls, Schwindel und Ratlosigkeit - was passiert da mit mir ? Mein Herz scheint zu rebellieren und erzwingt plötzliche Aufmerksamkeit.

"Meine Ruh ist hin
Mein Herz ist schwer
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr".
(J.W. v. Goethe)

Der Kardiologe soll Klarheit schaffen, soll mich aufklären, mich beruhigen. Da werden EKG Pads geklebt, das Gerät schreibt kurviges Auf und Ab. Hörbar werden Schallgeräusche des Blutflusses beim Ultraschall, feucht tastet der Ultragerät Fühler meine Herzgegend ab.....
Ja und dann kommt das ärztliche Urteil und die Herzlichkeit des Arztes weicht einer ernsten Miene und ich vernehme Worte wie Mitralklappen- Insuffizienz, Aortenklappen-Insuffizienz, Vorhofflimmern....Da setzt die Angst ein, meinem Bewusstsein wird klar, das kleine Ding in meiner Brust, das über Leben und Tod bestimmt, macht Probleme...

"Herz, mein Herz was soll das geben
Was bedränget dich so sehr?"
(J.W.v.Goethe)

Der Medizin-Mechaniker sagt: die Klappe muss ausgetauscht werden!
Wie - wann? Bin ich ein Auto? Der Arzt vereinbart den Termin im Herzzentrum, empfiehlt den besten Chirurgen, erklärt, dass es für das kranke Herz keine Alternative gibt.

"Willst du dein Herz mir schenken"?
(Vertonte J.S. Bach)

Jetzt lauert die Angst, es heisst sie mit Gelassenheit zu verdrängen, Vertrauen in den medizinischen Fortschritt zu haben und meinem Schicksal gut zuzureden. Dieser Weg wird meine ganze Kraft in Anspruch nehmen und mit viel Glück das Ziel haben, wieder herzlich lachen zu können.

"Herz mein Herz, warum so froelich,
So voll Unruh und zerstreut.
Als käm über Berge selig
Schon die schöne Frühlingszeit.
(Joseph von Eichendorff)