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Farben meines Lebens
Farben meines LebensFoto-Quelle: eigenes Ursula M. K.

Farben meines Lebens

Von wize.life-Nutzer - Donnerstag, 17.05.2018 - 21:34 Uhr

In meiner Kindheit wurde ich geprägt von Eltern, die nicht einengten - von Hörspielen im Radio, Büchern u. Musik von Schallplatten die auf einem billigen Plattenspieler abgespielt wurden. Dazu kamen die Groschenhefte mit Sience Fiction Geschichten, die mich faszinierten und meine Phantasie anregten. Heimlich holte ich sie mir aus dem verstaubten Karton, auf dem in dunkelblauer Schrift die Vorzüge von Rama Margarine angepriesen wurden.
Mein älterer Bruder versteckte diese Heiligtümer unter seinem Bett, damit unser Vater sie nicht zu Gesicht bekam. Trotz aller Großzügigkeit, hatte er für diese Phantastereien kein Verständnis. Das Geld, das immer knapp war, für solchen Schund, wie er meinte, hinaus zu werfen hielt er für Verschwendung. Später räumte er ein, dass doch vieles, was in den Geschichten beschrieben wurde, tatsächlich Wirklichkeit geworden war.

Taschengeld war damals nicht bekannt, jedenfalls nicht für mich, also konnte ich mir auch kein Geld zusammen sparen, um mir kleine Wünsche zu erfüllen. Wenn meine Freundinnen stolz ihre Petticoats in der Schule präsentierten und die Röcke darüber schwingen ließen, erfasste mich doch manchmal ein unangenehmes Gefühl von Neid – aber meine Eltern zu überreden mir so einen weißen Traum zu kaufen, dazu war ich zu stolz, betteln wollte ich nicht.
Dann kamen die Hula-Hopp-Reifen. Die Straße in unserer Siedlung war voller Kinder die mehr oder weniger talentiert die bunten Reifen auf den Hüften tanzen ließen. Ich sah zu und wenn ich Glück hatte bekam ich von einem der Nachbarskinder einen Reifen geliehen, um es auch einmal zu probieren. Natürlich fragte ich meine Eltern ob ich so einen Hula-Hopp-Reifen bekommen könnte. Die Antwort darauf war nicht befriedigend, sie ließen es offen.
Dann kam der Tag, an den ich mich noch heute gut erinnere. Mein Vater kam abends, nach der Dienstzeit, wie immer mit dem Zug aus Augsburg. Ich erwartete ihn, in der Hoffnung auf eine Tüte Süßigkeiten aus der Stadt. Heiß begehrt waren bei mir die bunten Weingummis aus England. Kein Gummibärchen dieser Welt kommt jemals an diesen Geschmack heran, oder spielt mir da vielleicht die Erinnerung einen Streich? Unter den bunten Köstlichkeiten waren mir die roten die liebsten. Sollte ich allerdings beschreiben nach was sie schmeckten, würde mir das nicht gelingen.
An diesem Abend blieb aber das erhoffte Mitbringsel aus. Mein Vater hielt stattdessen einen traumhaft schönen, quittegelben Hula-Hopp-Reifen in der Hand. Die Überraschung war ihm gelungen. Meine Freude war riesengroß, meine Dankbarkeit überschwänglich.
Gelb wurde dann für eine lange Zeit meine Lieblingsfarbe.
Aber diese Phase ging vorüber. Wie so vieles änderte sich auch mein Geschmack bei den Farben. Gelb war passe und wurde durch ein helles Blau ersetzt. Blau wie ein zartblauer, sonniger Himmel im Mai. Warum himmelblau? Vielleicht weil der weite Himmel, der einen bis zum Horizont blicken ließ, Freiheit versprach. Freiheit von der ich ahnte, dass sie für mich sehr wichtig werden würde. Frei und offen für Neues. Für Entscheidungen, die ich ohne meine Eltern treffen würde.
Wenn ich an die Farben meines Lebens denke, dann wird mir bewusst, dass es immer helle Farben waren. Farben die eine Stimmung von Neuanfang, von Entwicklung und Wachstum übermittelten, wie die Farben des Frühlings.

Das macht mich nachdenklich. Warum liebt meine Tochter, wie so viele junge Menschen die Farbe schwarz? Ist es wirklich nur eine vorüber gehende Modeerscheinung, oder hängt es mit einer gewissen Perspektivlosigkeit zusammen, die sich aus den reduzierten Zukunftschancen ergibt? Bei den vielen Möglichkeiten die Freizeit auszufüllen und wenigstens auf diesem Gebiet sein Leben bunt zu gestalten, sollte es doch gelingen etwas Farbe in den grauen Alltag zu bringen.

copyright Ursula M. K.

23 Kommentare

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Eine fröhliche Geschichte zum Pfingst-Sonntag, danke dafür Ursula...☀️

Farben spielen, so glaube ich - eine ganz Besondere Rolle in unserem Leben. Ich mochte z.B. mal einige Jahre kein Gelb, warum - weil die Engländer dieses Crazy-Yellow, bei mir verinnerlicht hatten.

Heute liebe ich diese Farbe, weil sie die Sonne ist, weil sie die hellste Farbe in unserem Farbspektrum ist. Weiss ist keine Farbe - auch kein Schwarz. Es ist einfach so, warum tragen Bräute Weiss & die Trauernden Schwarz...?!? Das ist jetzt nix Negatives...😘

Was die reduzierten Zukunftschancen angeht, gebe ich Dir Recht - als mein Jüngster seine Sturm- und Drangzeit auslebte, konnte/durfte ich auch nur "Schwarz" sehen, damit meine ich nicht nur seine Klamotten. Das Thema Endzeit war auch bei uns...ein Thema...😭

Er ist auch Heavy Metal - Fan, was solls - jedem das Seine. Solange es sich nicht auf`s Gemüt Desjenigen selben schlägt, ist Alles im Grünen Bereich. Es wird den Jugendlichen ja vor gezeigt - in Bands, in der Mucke usw. & ja, vllt. steckt da doch ein kleines bisschen Frust oder Rebellion, dahinter & möchte gelebt werden. Gemeinsam...sind wir stark...🤘

Liebe Grüsse aus Kölle & einen gemütlichen Abend für Dich...💛👌👈
Vielen Dank Monika für deinen ausführlichen Kommentar. Meine Tochter ist noch immer Metal-Fan, auch ihr Freundeskreis bewegt sich in dieser Scene, alle keine Jugendlichen mehr - aber wie heißt es so schön -einmal Metal, immer Metal Dazu gehören natürlich auch die Konzertbesuche mit Zelt u. allem was dazu gehört! Am Anfang war es sicher eine Art von Rebellion, auch die Kleidung. Inzwischen ist es Passion, aber was wichtig ist, die meisten symathische, freundliche Zeitgenossen
Liebe Grüße aus dem Odenwald u. eine gute Zeit für dich
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Liebe Ursula, ein schöner Bericht. Ich hatte auch einen gelben Hula-Hoop-Reifen. Ich konnte auch damit gut umgehen. Ich hatte auch ein gelbes Kleid, aber ich trage Gelb überhaupt nicht. Es steht mir nicht. So wie Du trage sehr viel Blau in allen Schattierungen. Aber Du hast Recht, der Geschmack ändert sich. Ich trage aber auch vorwiegend helle Farben. Meine Töchter tragen oft dunkle Farben. Ihnen gefällt es so.
Liebe Grüße an Dich.
Danke Christine, mein Geschmack hat sich noch mehrmals geändert jetzt muss ich sehen, was passt u. da bin ich farblich nicht fest gelegt - nur rot geht garnicht. Meine Tochter ist bei schwarz geblieben.
Lieben Gruß von mir
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Der ewige Kreis erschließt sich immer wieder auf ein Neues...danke für deine Vielfalt dazu liebe Ursula.
Tina, ich freu mich über deinen freundlichen Kommentar - danke schön
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.... auf jeden Fall läuft bei mir das Heimkino und die Weingummis schoben kräftig an Gefällt mir gut, so eine Strecke weit mit in die deine KIndheit "schauen" zu dürfen, ist dir wirklich gelungen! Herzliche Grüsse
Das ist ja lustig, Susanne du bist schon die zweite Leserin, die Weingummis mochte Ich freue mich, dass du meine Erinnerungen gerne gelesen hast - danke u. freundlichen Gruß
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Liebe Ursula, danke dass wir dich etwas näher kennen lernen durften. Sehr schön wie du den Bogen hin bekommen hast, von den Lieblingsfarben deiner Jugend zu denen deiner Tochter.
Liebe Marga, die Geschichte gibt es schon länger. Ich hatte immer bedenken so viel Privates hier preiszugeben. Aber meine Kindheit liegt nun schon so weit zurück u. in meinem Leben hat sich so vieles verändert, dass es mir selbst schon wie ein Märchen vorkommt, was ich da geschrieben habe. Interesse scheint es ja gefunden zu haben u. das freut mich.
Ich wünsche dir ein schönes Pfingstwochenende
Danke Ursula, ich dir auch
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Liebe Ursula, das ist eine gute Geschichte, die mich zum Nachdenken bringt, warum ich meistens einfarbig farbig rumlaufe. Klein und rund, da geht nicht auch noch bunt. Als ich mal was vornehm Schwarzes angezogen habe, sagte mein viel jüngerer Freund: "Jetzt siehst Du so alt aus, wie Du bist!" Vielleicht will die Schwarzjugend einfach älter und erwachsener ausschauen? Oder kompensieren das Äußere einfach mit innerer Vielfalt?
Liebe Lou Isa, na klar, jedem das Seine! Ein kleiner Albtraum von mir ist, dass ich mal so farbenblind werde, dass ich die passenden Farben einfach nicht mehr sehe. Und aus Versehen eben mixe......
Liebe Do, dann habe ich ja etwas erreicht mit meiner Geschichte. Die schwarze Kleidung hängt oft auch mit dem Musikgeschmack der Träger zusammen. Metal-Fans gehen schwarz gekleidet u. werden deshalb auch oft verkannt. Vorurteile sind da schnell an der Tagesordnung. Ein "Musik"-Beispiel spar ich mir hier lieber, will ja niemanden erschrecken
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Liebe Ursula,
dein Beitrag gefällt mir weil er biografische Inhalte vermittelt. Ein gutes gemeinsames Thema wäre: erzähle von deiner Kindheit. Und plötzlich entdecken wir so viele Gemeinsamkeiten, die dem anderen zeigen, dass sein "Elend" nicht ein Einzelfall war, noch immer ist, auch im Vergleich mit Ost und West.
Die Farben des Lebens ist ein kreativer Impuls für die eigenen Farben im Leben, auch ein schönes Thema, finde ich.
Margarethe, dann erzähl doch mal!
Heidi, was willst du wissen?
Margarethe, ich habe obigen Beitrag auch mit Interesse gelesen - und du hast ja Kindheitsgeschichten vorgeschlagen, also meinte ich, du könntest den Anfang machen.
ok
mache ich aber wenns nicht gut ist
ich suche mal
Danke Margarethe, zu deinem Vorschlag habe ich mich bei deiner Geschichte ja schon geäußert, die dir sehr gut gelungen ist!
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Sehr kurzweilig und interessant geschrieben, Ursula!
Hat viele Erinnerungn bei mir geweckt und ich habe einige Parallelen zu meinem Leben gefunden.
Früher hatte ich mal ein Tachenbuch mit allen möglichen Farbkombinationen, die dann "psychologisch" ausgewertet waren. Auch die Bedeutungen oder Assoziationen der einzelnen Farben und ihre jeweiligen Geschichten fand man da erläutert. Leider hab ich das Buch nicht mehr, aber ich erinnere mich daran, dass die Liebe zur Farbe schwarz ganz typisch für junge Menschen sei, allerdings ging es da eher um Jugendliche in der Zeit des Erwachsenwerdens. Es ist aber so lange her, dass ich mich nicht mehr an die Erklärungen dafür erinnere, sonst hätte ich vielleicht Deine Frage zu beantworten versucht. LG!
Freut mich Renate, ich habe lange gezögert, war mir nicht sicher, ob ich so viel Privates veröffentlichen soll. Sicher gibt es gute Erklärungen zu den Farben. Warum meine Tochter schon seit dem Gymi schwarz trägt habe ich im Kommentar vorher erklärt. Rot ist für mich eine Farbe die ich garnicht mag, zu viel Signalwirkung, das kann ich bei meiner Figur nicht brauchen
Schöne Grüße aus dem Odenwald
Liebe Grüße zurück, Ursula!
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