Ohne Titel
Ohne TitelFoto-Quelle: Coll. Of Henry Miller

Liebschaften: HENRY C. MILLER, Schriftsteller (1891-1980), fünf Frauen und ein wunderbarer Maler

Beitrag von wize.life-Nutzer

Nein - Künstler hatte er sich nie genannt. Henry Miller war ein großer "LIEBENDER". Die Liebe zur Malerei war (neben der Liebe zu den Frauen) nicht nur ein infantiler Flirt, die Nebenbeschäftigung eines Schriftstellers, nein sie ging tiefer. Seine Leidenschaft galt der Spontanität, dem Experimentellen, dem Farbenreichtum ohne ein bestimmtes Ziel nach Anerkennung, Stil oder Erfolg.

Doch zuerst führte sein Lebensweg zur Schriftstellerei:
In die Wiege gelegt war es dem jungen New Yorker Henry Miller, Sohn deutscher Einwanderer, nicht, den Weltruhm eines anerkannten und berüchtigten Schriftsteller zu erlangen. Da waren Interesselosigkeit für ein Studium nach Schulabbruch, viele Brot-Jobs, etliche Jahre in der Schneiderei seines Vaters, desillusionierte Rückkehr in die Großstadt New York nach einem Ausflug in den Westen, um Cowboy zu werden. Doch im Kopf hatte er den Wunsch Schriftsteller zu werden. Von seiner ersten Ehefrau Beatrice, die er mit 26 Jahren heiratete, konnte er allerdings nur Spott und Unverständnis für diesen 'Spleen' ernten.
Doch der nächste Job bei der Telegraph Company brachte ihn seinem hartnäckigen Wunsch Schriftsteller zu werden auf den gedanklichen Weg. Die beobachteten Dramen und Schicksalsschläge, die sich in der Firma abspielten, lieferten ihm den Stoff für seinen ersten Roman: 'Der Wendekreis des Steinbocks'.

Miller bejahte das Leben mit all seinen Facetten, das Hohe und das Niedrige, das Grausame und das Zärtliche, die ganze Mannigfaltigkeit und Intensität und darüber wollte er auch in seinen Büchern ohne Einschränkung und falsche Scham schreiben. Er benutzte eine rohe Sprache und machte auch vor provozierend-realistischen Schilderungen der Sexualität keinen Halt.

Zu seinem Glück lernte er June, eine Tänzerin seine 2. Ehefrau kennen, die ihn bewunderte, ihn förderte, aufmunterte und ihn finanziell unterstützte, so daß er ohne lästigen Job weiter an seiner Schriftstellerei arbeiten konnte. Kleine Subskriptionen im Selbstdruck vertrieben sie gemeinsam. 1928 und 1929 lockte sie Paris und sie genossen das Leben der Bohème. Ein Werk nach dem anderen - mehr als 36 - verfasste Henry Miller nach 1930. Inmitten der unkonventionellen Künstler fühlten sie sich zuhause und dort lernte er auch seine größte Muse und Förderin, die bereits bekannte Schriftstellerin Anais Nin kennen, die ihm die entscheidenden Impulse zu seiner schriftstellerischen Selbstfindung gab. Da sich auch eine intensive sexuelle "Dreierbeziehung" mit seiner Frau June ergab schrieb Anais darüber eine Art Tagebuchaufzeichnungen: 'Henry, June und ich'. Bis 1939 entstanden während des Europaaufenthaltes viele von Henry Miller's Hauptwerken.

Zurück in den USA - durch Kriegseinbruch - nach einem Griechenlandaufenthalt. Mit dem Maler Abraham Rattner, eine Bekanntschaft aus Paris, unternahm er eine große Reise in den Süden der USA. Seine Reisebeschreibung (Der klimatisierte Alptraum) und Rattner's Illustrationen wurden 1945 veröffentlicht. Ab 1944 ließ er sich in Big Sur, in der kalifornischen Küstenregion nieder und setzte seine schriftstellerische Tätigkeit fort. Auch Werke, die von der amerikanischen Justiz erst als pornografisch eingestuft wurden (der Wendekreis des Krebses) entstanden und konnten Henry Miller nicht am schreiben hindern.
In den späten Jahren wurde er besonders durch seine Rolle als Denker und Kritiker gegen den leeren Materialismus bewundert und wünschte sich eine neue Religion des Körpers und Geistes.
Und da war ja auch noch seine Liebe zur Malerei.

Diese Liebe und Vielseitigkeit zum Aquarell des Schriftstellers Henry Miller entdeckte ich persönlich durch das wunderbare Buch "HENRY MILLER - malen ist lieben" aus dem Verlag Limes. Es enthält eine große Auswahl von Henry Miller- Bildern der Dreißiger- bis zu den Sechziger Jahren.

Die bevorzugte Aquarell-Technik, frische Farben, fließend, spontan, vielseitig kam Henry Miller's Temperament entgegen und er fand darin sicher auch Ruhe und Entspannung und nicht zuletzt
begeisterte Käufer in seinen Ausstellungen.

Obwohl er die letzten Jahre allein mit seiner Malerei lebte, möchte ich auch seine Frauen, die ihn
durch ein langes kreatives Leben begleitet haben, nicht unerwähnt lassen. b

Beatrice (1917-1928), June (1928-1934), Janina (1944-1952), Eve (1953-1960), Hiroko (1967-1977 und seine berühmte Geliebte aus Paris Anais Nin.

Henry Miller starb im Juni 1980 in Pacific Palisades im Alter von 89 Jahren.