Buchpreis 2018: Diese 6 Bücher stehen auf der Shortlist
Buchpreis 2018: Diese 6 Bücher stehen auf der ShortlistFoto-Quelle: Christina Weiß

Shortlist Buchpreis: Das sind die 6 wichtigsten Bücher in Deutschland 2018

News Team
Beitrag von News Team

Die sechs "Finalisten" zum Deutschen Buchpreis 2018 stehen fest. Die Jury des Deutschen Buchpreises gab am Dienstag in Frankfurt ihre Shortlist bekannt.

Einer dieser Autoren wird den Buchpreis erhalten:

María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten (S. Fischer, August 2018)

Kommentar der Jury
Eine Lichtgestalt geht um in der argentinischen Vorstadt: die fluoreszierende und Segen spendende Maria, welche von der naseweisen Klosterschülerin Teresa von Haus zu Haus getragen wird. Die Stadt bevölkern außerdem ein hysterisches Hündchen, ein dichtender Automechaniker, die putzwütige Besitzerin eines Waschsalons und zwei dummdreiste Polizisten. Dieser Roman sprüht vor Ideen, er ist ein Vulkan voller verschachtelter Sätze, die uns atemlos Seite um Seite umblättern lassen. Das fröhliche Setting spielt sich vor einer immer düsterer werdenden Kulisse ab: es ist 1974, Juan Domingo Perón ist tot und die Militärjunta bereitet die Machtübernahme vor.

Maxim Biller: Sechs Koffer (Kiepenheuer & Witsch, September 2018)

Kommentar der Jury
Es ist große Erzählkunst, wie es Maxim Biller gelingt, seine verzweigte Familiengeschichte zu entfalten: äußerst ökonomisch auf schmalem Raum, elegant, lakonisch, mit feinem Humor und großer Zärtlichkeit für die Figuren. Ausgangspunkt ist die berühmte Schuldfrage – hier: Wer hat den Großvater und dessen Schmuggelaktionen verraten und damit seinen gewaltsamen Tod auf dem Gewissen? Aus sechs verschiedenen Perspektiven beleuchtet der Erzähler das dunkle Geheimnis einer jüdisch-russischen Familie. Es geht um Verrat und Verletzung, um Eros und Eifersucht, aber auch um Familienzusammenhalt und Geschwisterliebe – und um die Unmöglichkeit einer einzigen Wahrheit.

Nino Haratischwili: Die Katze und der General (Frankfurter Verlagsanstalt, August 2018)

Kommentar der Jury
Die Lust am Erzählen steckt hier in jeder Zeile. Von der ersten Seite an ist die Leserin, der Leser mittendrin in diesem Schuld und Sühne-Roman, verfolgt fiebrig den Racheplan des Generals. Der will ein Verbrechen sühnen, an dem er während des Tschetschenienkrieges selbst beteiligt war. Unter der Thriller-Ebene verlaufen Erzählspuren voller Fragen: Wie wirkt die „toxische Vergangenheit“ in die Gegenwart? Sind Kriege nie vorbei? Warum sehnt sich die in Deutschland lebende georgische Familie nach ihrer Heimat, obwohl diese doch die Hölle war? Die Figuren – allesamt „zwischen Zeiten und Welten Steckengebliebene“ – sind voller Vitalität und alles ist bildstark und sinnlich erzählt: Großes Kino!

Inger-Maria Mahlke: Archipel (Rowohlt, August 2018)

Kommentar der Jury
Inger-Maria Mahlkes Roman „Archipel“ ist eine große Reise durch die Zeit und bis ans Ende Europas. Die Städte Teneriffas atmen ihren ewigen Sommer, aber zwischen all den Gerüchen und Geräuschen des Südens spürt man den Luftzug eines ganzen Jahrhunderts. Während in einem Altenheim die Menschen ihre letzten Wege gehen, versuchen es die Jungen mit neuer Hoffnung. Es ist der Zyklus des Privaten, den Inger-Maria Mahlke auf grandiose Weise mit dem Politischen verknüpft. Und so blättert man durch hundert Jahre wie durch ein Album voll schmerzhaft schöner und genauer Bilder. Sieht Abkömmlinge der spanischen Konquistadoren und majestätische Putzfrauen, Aufstieg und Abstieg, Liebe und Korruption.

Susanne Röckel: Der Vogelgott (Jung und Jung, Februar 2018)

Kommentar der Jury
„Der Vogelgott“ ist ein verstörendes Buch: ein zeitgenössischer Schauerroman, ein später Nachfahr der schwarzen Romantik. Ein höheres Wesen im Federkleid, mehr Mythos als reale Gegenwart, verbreitet in ihm Furcht und Schrecken, vor allem bei denen, die ihm nahe kommen wollen. Drei neugierige Geschwister aus einer vogelkundlich interessierten Familie treibt es auf verschiedenen Kontinenten geradewegs in den Wahnsinn. Was steckt dahinter? Susanne Röckel denkt nicht daran, Geheimnisse preiszugeben. Umso stärker wirkt die beklemmende Atmosphäre nach.

Stephan Thome: Gott der Barbaren (Suhrkamp, September 2018)

Kommentar der Jury
China, um das Jahr 1860. Das riesige Reich ist stark angeschlagen: Ein sich rasch ausbreitender Aufstand religiöser Fanatiker droht die gesellschaftlichen Strukturen hinwegzufegen, während gleichzeitig europäische Mächte mit militärischer Gewalt einen Handelszugang erzwingen. Stephan Thome gelingt die beeindruckende Schilderung einer Zeit, in der alles aus den Fugen zu geraten scheint. Das Erzähltempo des breit angelegten Werkes bleibt gemächlich, wirkt aber nie ermüdend - ein Umstand, der zum einen der eleganten Sprache zu verdanken ist. Zum anderen aber auch dem beunruhigenden Gefühl, unsere Welt in einem Spiegel zu sehen, der über 150 Jahre in die Geschichte zurückreicht.