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Kunst verstehen: Die Avantgardisten Hans Arp & Sophie Taeuber-Arp

Kunst verstehen: Die Avantgardisten Hans Arp & Sophie Taeuber-Arp

Volker Barth
15.09.2018, 20:00 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Mitten in den Wirren des ersten Weltkriegs 1916 entstand Dada – in Zürich im Obergeschoss der Spiegelgasse 1 - im „Cabaret Voltaire“. Damals sammelten sich in Zürich zahlreiche Exilanten, die aus ihren Krieg führenden Ländern fliehen mussten und wollten. Das Cabaret Voltaire wurde von Hugo Ball (deutscher Autor und Biograf) und Emmy Hennings (deutsche Schriftstellerin und Kabarettistin) am 5. Februar 1916 eröffnet. Wichtige Gäste waren Hans Arp, Sophie Taeuber, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco, Tristan Tzara, Suzanne Perrottet und weitere. Allabendlich fanden Veranstaltungen statt, bei denen Musik, Lautgedichte, Tanz und dramatische Szenen gezeigt wurden - aber auch Manifeste verfasst und vorgetragen. Bei der Bevölkerung und in der Presse stießen diese Veranstaltungen auf heftige Kritik. Hugo Ball meinte später: „Seine Idee bei der Gründung sei gewesen, dass dort zahlreiche junge Menschen ihre Freiheit und Unabhängigkeit nicht nur leben, sondern laut proklamieren konnten.“ Übrigens: Ganz in der Nähe, in der Spiegelgasse 14, wohnte damals auch Wladimir Iljitsch Lenin. Und an den Wänden hingen so einfach „revolutionäre“ Bilder von Picasso, Arp, Macke, Marinetti und Modigliani.

Zu diesem die Wikipedia Erklärung: „Dadaismus oder Dada war eine künstlerische und literarische Bewegung, die 1916 von Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und Hans Arp in Zürich begründet wurde und sich durch Ablehnung „konventioneller“ Kunst und Kunstformen – die oft parodiert wurden – und bürgerlicher Ideale auszeichnete. Vom Dada gingen erhebliche Impulse auf die Kunst der Moderne aus bis zur heutigen zeitgenössischen Kunst. Im Wesentlichen war es eine Revolte gegen die Kunst von Seiten der Künstler selbst, die die Gesellschaft ihrer Zeit und deren Wertesysteme ablehnten.

Biografisches über Hans Arp

Der deutsch-französischer Maler, Graphiker, Bildhauer und Lyriker Hans (Jean in Frankreich) Arp wurde am 16. September 1886 im damaligen deutschen Straßburg als „Hans Peter Wilhelm Arp“ geboren. Er wurde mehrsprachig erzogen und zeigte schon früh zeichnerisches und dichterisches Talent.

Hans Arp studierte von 1904 bis 1908 Bildende Kunst an der Kunstschule Weimar und an der Academie Julian in Paris. Er bewegte sich in den künstlerischen Kreisen der Konstruktivisten, den Pariser Surrealisten und knüpfte hier Kontakte zu Pablo Picasso, Theo van Doesburg und Wassily Kandinsky. Durch letzteren kam er auch in Kontakt mit der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ in München und beteiligte (1912) sich sogar an ihrer zweiten Ausstellung.

Es begann das "Abenteuer Dada"

Im Jahre 1915 begab sich Hans Arp in die Schweiz, erst nach Ascona, dann nach Zürich - hier begann das „Abenteuer Dada“. Jetzt tauchte auch das „Oval“, eine beherrschende Optik in Arps Werk auf - organische und geometrische Formen bestanden einfach nebeneinander.

Im Winter 1915 in der Züricher Galerie Tanner lernten sich Hans Arp und die Schweizerin Sophie Henriette Gertrud Taeuber kennen, aber auch lieben - später heirateten sie (1922). Am 19. Januar 1889 wurde sie in Davos geboren und wurde Malerin, Bildhauerin, Textil-Gestalterin, Architektin und Tänzerin (Sie trat mehrfach als Ausdruckstänzerin im Rahmen von Dada Zürich auf). Nach ihrem Kennenlernen arbeiteten beide Künstler sehr eng zusammen (viele Collagen entstanden). Aber auch Kontakte zu den Künstlern El Lissitzky, Max Ernst und Kurt Schwitters wurden gepflegt. Nach Abschluß Sophie Taeubers Studien (St. Gallen, Hamburg und München) siedelte sie 1916 nach Zürich. Hier wurde sie Schülerin in der Tanzschule(!) von Rudolf von Laban und Lehrerin (bis 1929) für textiles Entwerfen an der Kunstgewerbeschule. Ihre Tätigkeit hier bildete etwa für 12 Jahre die finanzielle Grundlage für ihren und Hans Arps Lebensunterhalt.

Dann, am 5. Februar 1916 in Zürich erfolgte die Eröffnung vom „Cabaret Voltaire“ und die Gründung der Kunstrichtung Dada geschah.

Im Jahre 1921 begannen Hans Arps Reliefs zu durchlöchern und sein „Geometrisches“ verschwand. Ende August/September verbrachten einige Dadaisten und zukünftige Surrealisten ihre Ferien in Tarrenz und Imst in Tirol/Österreich (Bekanntschaft mit Andre Breton).

Die Heirat

In dem Tessiner Dorf Pura, am 22. August 1922, heirateten Hans Arp und Sophie Taeuber - das Paar lebte weiterhin in Zürich. Und im November 1925 nahm Hans Arp dann an einer Gruppenausstellung der Surrealisten in Paris teil. Beide Arps erhielten 1926 die französische Staatsangehörigkeit. Drei Jahre später bezogen sie dann das von Sophie Taeuber entworfene Haus in Meudon (heute Clamart) bei Paris. Und im Oktober 1942 erhielten die Arps ein Einreisevisum für die Schweiz.

Ein schreckliches Unglück geschah

Hans und Sophie Arp besuchten ihren guten Bekannten Max Bill und übernachteten in seinem Haus. In der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 1943 geschah es dann, durch den falsch bedienten Ofen im Gästezimmer, starb Sophie Arp an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Von der Wucht dieses Ereignisses war Hans Arp erschüttert und völlig verstört, er formulierte „Ich fühle mich grauenhaft verstümmelt, wenn ich nicht meine Freunde hätte so wäre ich sicher schon Sophie nachgereist. Bitte entschuldigt meine versteinert verlorene Art der letzten Zeit. Ich weiß dass ich nicht mehr der Gleiche wie früher bin und auch nie mehr sein werde“. Zusammen mit Georg Schmidt arbeitete er dann an einer Monografie über Sophie Arps Werk und widmete ihr viele „seiner“ Werke.

In den folgenden Monaten irrte Hans Arp in verschiedenen Teilen der Schweiz umher. Unmittelbar nach dem Tode seiner Frau hielt er sich bis Februar 1944 bei der guten Bekannten Marguerite Hagenbach auf. Nach Kriegsende kehrte Hans Arp zurück nach Meudon und setzte sich durch Publikation von Gedichten und Aufsätzen ein für die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Frau.

Dazu diese Hans Arp Bemerkung: „Es war Sophie Taeuber, die mir durch das Beispiel ihrer klaren Arbeiten und ihres klaren Lebens den rechten Weg, den Weg zur Schönheit, zeigte. In dieser Welt bestehen Oben und Unten, Helligkeit und Dunkelheit, Ewigkeit und Vergänglichkeit in vollendetem Gleichgewicht. So schloss sich der Kreis.“

Im Jahre 1949 reiste Hans Arp dann in die USA, wo seine Kunst dank der Hilfe des Galeristen Curt Valentin zunehmend Erfolg hatte. Ab 1950 entwarf Arp mehrere Großplastiken für die Universitäten von Harvard und Caracas und das UNESCO-Gebäude in Paris. Bei der Biennale von Venedig 1954 erhielt er den Internationalen Preis für Skulptur.

Hans Arp wurde 1957 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 1958 veranstaltete das Museum of Modern Art in New York eine umfassende Retrospektive. Hans Arp war Teilnehmer der documenta I (1955), II (1959) und III (1964).

Und dann heiratete 1959 Hans Arp seine langjährige Freundin Marguerite Hagenbach.

Auszeichnungen von Hans Arp

Ritter der Ehrenlegion (1960) - Stephan-Lochner-Medaille der Stadt Köln (1961) - Grand Prix National des Arts, Paris (1963) - Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1964) - Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern (1966)

Am 7. Juni 1966 starb Hans Arp in Basel an einem Herzinfakt und wurde auf dem Friedhof in Locarno beerdigt. Heute ist es eine Gemeinschaftsgrabstätte von Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Marguerite Arp-Hagenbach.

Über das Werk von Hans Arp ...

Als Mitbegründer des Dadaismus, als Wegbereiter des Surrealismus und als radikale Künstlerfigur war er maßgeblich an der Entwicklung der modernen abstrakten Kunst beteiligt.

Im „Abbild“ des Nabels fand Hans Arp schon früh das programmatische Symbol seiner künstlerischen Arbeit. Er erscheint gezeichnet, gedruckt, in Stein gehauen, in Gips geformt und in Bronze gegossen. Hans Arps künstlerisches Interesse zielte stets auf einen Wesenskern, den er in der Form des Nabels als Elementarzeichen symbolisiert sah. Gleichzeitig versinnbildlichte dieser die Bindung des Menschen an den Kreislauf der Natur. Hans Arps spezifische Formensprache des Fließend-Organischen hat die Entwicklung der Kunst revolutioniert.

... und das von Sophie Arp

Die Bilder und Plastiken Sophie Taeuber-Arps und ihre angewandten Werke (Bauskulptur, Teppiche und Ausstattung) brachten ihr erst später Ruhm ein. Sie gehörten zur konkreten, auch konstruktiv genannten Kunst. Vertikal-horizontale Kompositionen aus Dreiecken, Rechtecken, Kreisen, wellenförmigen Elementen, geraden und geschwungenen Linien waren ihre Formen, ihre bewusst einfachen Gestaltungsmittel erschaffte ein schwebendes, oft tänzerisch-bewegt anmutendes Gleichgewicht von Farben und Formen.

Bekannt sind ihre Dada-Köpfe, gedrechselte Plastiken mit geometrisch gehaltenen aufgemalten Gesichtern. Viele Museen weltweit haben in ihren Sammlungen einzelne Bilder, Zeichnungen, Gouachen oder Holz-Reliefs von Sophie Taeuber-Arp.

Sophie Taeuber-Arp wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg berühmt - einige ihrer Werke waren auf der documenta I (1955). Im Zuge der Renaissance der „Klassischen Moderne“ ist ihre Arbeit allgemein anerkannt und wird in Museen und umfassenden Ausstellungen gezeigt. Sophie Taeuber-Arp war als einzige Frau auf einer Schweizer 50-Franken-Banknote von 1995 bis 2016 abgebildet.

Jetzt noch ein ausführlicher Text zu Bild 7 (DUO-Gemälde) in der Bildergalerie: Als Vorlage dazu diente Hans Arp eine Zeichnung aus einer Reihe von zwanzig gemeinsamen Arbeiten aus dem Jahre 1939. Bei den meisten dieser Zeichnungen handelt es sich um klare und einfache Liniengebilde in denen sich Hans Arp organische Formen mit den geometrischen Konstruktionen Sophie Taeuber-Arps zu einer gemeinsamen Bildsprache verbinden. Im Unterschied dazu sind im vorliegenden Bild die beiden gegensätzlichen Handschriften deutlich lesbar. Die hell leuchtende und in sich geschlossene Form verweist auf Hans Arp. Die sechs vom oberen und unterem Bildrand ins Zentrum ragenden transparenten Vierecke hingegen verweisen auf Sophie Taeuber-Arp. Der Kontrast der Formen wird in der malerischen Umsetzung durch die klare und flächige Farbgebung zusätzlich betont. Interpretiert man die weiße organische Form als zwei eng verbundene schwebende Gestalten - so kann man daraus ein Abbild der Beziehung von Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp sehen. Hans Arp überarbeitete nach dem Tod seiner Frau noch weitere Gemeinschaftswerke - so zerriß er auch einige Zeichnungen und fügte sie neu zu Collagen zusammen.

Links:

(Hans Arp - Biografie)
https://www.dhm.de/lemo/biografie/hans-arp

(Sophie Taeuber-Arp - Biografie)
http://www.fembio.org/biographie.php...aeuber-arp/

(Dada - Grundidee)
https://www.kunst-zeiten.de/Dada-Allgemein

(Cabaret Voltaire)
https://de.wikipedia.org/wiki/Cabaret_Voltaire

(Stiftung - Locarno)
http://fondazionearp.ch/de/agenda


Map-Data:
Stiftung Arp e.V. - Stiftung in Remagen, Rheinland-Pfalz - Am Werther Berg 9, 53424 Remagen

Am Werther Berg 6, 53424 Remagen auf der Karte anzeigen:
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