Zum Gedenken der Reichsprogromnacht vor achtzig Jahren
Zum Gedenken der Reichsprogromnacht vor achtzig JahrenFoto-Quelle: Dieter Schütz / www.pixelio.de

Zum Gedenken der Reichsprogromnacht vor achtzig Jahren

Beitrag von wize.life-Nutzer

Irgendwo hocken sie an den Fenstern, die Frauen, und wenn ein Jude in der Gasse auftaucht, ziehen sie sich „verächtlich lächelnd“ in ihre Wohnungen zurück und tuscheln, was die Juden für Verbrecher am deutschen Volke sind. Der Nazi-Kupke hatte es doch schon immer gewusst.



Unten an der Hauswand hat jemand mit Kreide angeschrieben: "Der Jude ist das teuflische Element des Menschengeschlechtes. Schlagt sie tot!"

Natürlich gibt es auch die anständigen im Hause, die sich von den Nazis nicht kirre machen, schließlich tun die Juden niemanden etwas zu leide und in brave Bürger. Kupke aber schrie aus dem Fenster, die Juden werden auf den Trümmern Deutschlands ihr Judenreich errichten. Sie geben sich nur harmlos, dass sei eine Maske. In Wirklichkeit hat er Jude geheime Mächte und Kräfte mobilisiert.

Jossel Fischmann versteht nicht, warum er eine Gefahr für Deutschland sein soll, und träumt davon, den Nazi-Kupke zu fragen, ob er wirklich glaube, daß er der Staat sei und warum er schuld an Deutschlands Unglück sein soll. Er, der Kaufmann Jossel Fischer sei selber arm. Wer trägt denn hier die Schuld?

Die Nachbarn im Hause beruhigen Fischmann, er soll die Hetzerei vom Kupke nicht so ernst nehmen, schließlich werden die Nazis nie an die macht kommen, da gibt es doch die linken Parteien und die Millionen von Menschen in den Arbeiterorganisationen. Die hätten auch ein Wörtchen mitzureden.

In der Schlossgasse wohnt auch Arthur Schubert, der den judenfeindlichen Satz an die Hauswand schrieben hat. Er sagt, der Jude sei schuld, dass er arbeitslos sei. Er kauft sich ein Hakenkreuz und heftet es sich an seinen Rockkragen. Er geht in die Naziversammlungen, in denen das Volk unter sich ist. Die übliche kurze Beschimpfung "Jude verrecke!", die üblicherweise an den Hauswänden geschrieben stand, erschien ihm zu kurz und wäre leicht zu übersehen.

Das ist die Zusammenfassung einer Passage aus dem 1940 erschienenen Roman
„Schlossgasse 21“ von H. W. Katz.

Katz selbst musste aus Galizien fliehen, in Berlin war er Zeuge der Bücherverbrennung 1933 und wurde von den Nazis aus dem Land vertrieben.

Wenn wir in dem oben nacherzählten Abschnitt wenige Wörter austauschen, Nazi in Rechtsextremist und Jude in Muslim, sind wir heute wieder im Jahre 1938 angekommen. Die antisemitischen Flugblätter, die der Nazi Kupke im Roman verteilt, sind heute die rechtsextremen Hetzblogs. Die geheimen Mächte und Kräfte, die damals angeblich die Juden mobilisierten, sind heute Verschwörungstheorien, die vom rechten politischen Lager bedient werden.