Ausgezeichnetes Großbodungen: Eine Burg als Galerie für historische Zusammen ...
Ausgezeichnetes Großbodungen: Eine Burg als Galerie für historische Zusammenhänge

Ausgezeichnetes Großbodungen: Eine Burg als Galerie für historische Zusammenhänge

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Burg und Kemenate in Großbodungen haben den diesjährigen Stiftungspreis der Deutschen Burgenvereinigung zur Erhaltung historischer Bauten erhalten. Diese bundesweite Auszeichnung wurde damit erstmalig nach Thüringen vergeben. Der Preis wurde Dr. Gerlinde und Prof. Dr. Raban, Gräfin und Graf von Westphalen für eine „vorbildliche denkmalgerechte Restaurierung und für gelungene Konzepte und Methoden zur Erhaltung und Nutzung der Objekte“ am 31. März 2012 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung verliehen.

Wiederbegegnung zwischen Deutschen Ost und West

Beide haben die Ehrung, für die man sich nicht bewerben kann, überaus verdient. Als die deutsche Einheit zu einer historischen Realität, was alle sahen, und die Wiederbegegnung zwischen Deutschen Ost und Deutschen West zu einer ebenso historischen Aufgabe wurde, was wenige sahen oder interessierte, machte sich die gebürtige Rheinpfälzerin Gerlinde Gräfin von Westphalen zu Fürstenberg auf, ihren Beitrag zu leisten. Adel verpflichtet, und als in Thüringen, „80 Kilometer entfernt von Kassel“, eine Burg zum Verkauf stand, eine Burg, die eher der Kategorie Ruine zugeordnet werden konnte, griff sie beherzt zu. Ein Griff, der ökonomisch nicht zu verstehen war.

Umzug ins Unbekannte

So zogen sie und ihr Mann, der Berliner Hochschullehrer Raban Graf zu Westphalen, 1994 hierher ins Unbekannte, nach Großbodungen im Eichsfeld, Bahnstation: Leinefelde oder Bleicherode Ost, Beschreibungen, die ihnen nicht wirklich halfen, in eine zu restaurierende Burg, zu der nicht einmal eine familiäre Bindung bestand, Westfalen und die Pfalz sind weit. Aber die Gräfin, die in Halle promovierte und als Kulturmanagerin arbeitete, beschloss, sich „mit einer kulturellen Einrichtung selbstständig zu machen. „Die Neugierde am Ort auf mich war da“, beschreibt sie heute, 18 Jahre später, die Ausgangslage. „Keiner wusste, wie Kulturmanagement betrieben wird, wie demokratische Diskussionskultur funktioniert.“

„Galerie in der Burg"

Inzwischen ist die Burg wieder hergestellt, seit 1998 veranstaltet Gerlinde Gräfin von Westphalen in der „Galerie in der Burg" Kunstausstellungen und Gesprächsabende. Die Vorträge werden dokumentiert, regionalhistorisch interessante Themen werden als „Bodunger Beiträge“ in eine Publikationsreihe aufgenommen. „Die deutsche Einheit“ ist ihr Thema. Es locken mutige, auch politische Themen und die gastronomische Umrahmung in der „Kemenate“, wo die Gäste nach Vortrag und Diskussion im Saal des ersten Stockes gerne sitzen bleiben und den persönlichen Kontakt genießen. Das Café in der Kemenate trägt den Namen zu Recht, denn die liebevoll restaurierten Räume eines fast 350 Jahre alten Fachwerkhauses dienten tatsächlich ursprünglich als Frauengemach.

„Ich weiß, dass ich von der Galerie nicht leben kann“, sagt die Kunstmanagerin, „trotzdem versuche ich Themen zu finden, welche die Menschen anlocken. Dabei will ich selbst etwas lernen, das ist der Lebensentwurf. Der Versuch, westdeutsche und DDR-Kunst als Teile einer deutschen Kunst zu definieren, das ist mein Ansatz.“ Natürlich gebe es „unterschiedliche Sozialisierungen und Sichtweisen, da war ich blauäugig, habe das aber in ständigen Gesprächen gelernt.“ Gerlinde Gräfin von Westphalen zu Fürstenberg, die sich selbst als „viel zu ichschwach“ bezeichnet, hat als eine ihrer ersten Arbeiten in der Burg von Großbodungen eine Biografie über „Die letzte Fürstin: Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt (1871-1951)“ erarbeitet, zu deren Herrschaftsgebiet die Burg einmal gehörte. Gewürdigt wurde „besonders die Geradlinigkeit und die innere Treue, mit der es der Fürstin gelang, den Stürmen der Zeit zu trotzen.“ Das könnte man auch von ihrer, jetzt geehrten Biografin sagen.

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