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Kerzen zu Mariä Lichtmess

Kunst verstehen: ... wenn Kerzen gesegnet werden

Von Volker Barth - Samstag, 02.02.2019 - 18:00 Uhr

Mit dem 2. Februar endet die Weihnachtszeit - „Weihnachtsbäume“ werden aus Wohnungen, Sälen und auch Kirchen endgültig entfernt und die Krippenfiguren für das nächste Mal verpackt. Vom Heiligen Abend (Geburt von Jesus Christus vom 24. Dezember auf den 25. Dezember) bis zum 2. Februar zählt man vierzig Tage - sie sind ein Zeitmaß in der christlichen Tradition. In Bayern war Mariä Christmess ein gesetzlicher Feiertag bis zum 2. Februar 1912.

Das Christentum kennt nicht nur den "Osterfestzyklus", sondern auch den weihnachtlichen "Festkreis". Dabei handelt es sich um Tage, die in einer gewissen chronologischen Beziehung stehen. Beim "Weihnachtsfestkreis" ergibt sich folgender Ablauf: "Mariä Verkündigung (Annuntiato Domini)" oder "Verkündigung des Herrn" -- "Weihnachten" (am 25. Dezember, das meist akzeptierte Geburtsdatum von Jesus Christus) -- Acht Tage später, am 1. Januar "Beschneidung und Namensgebung Jesu" -- "Verkündigung an die Hirten" und die "Hl. Drei (?) Könige" am 6. Januar -- "Fest der Taufe Jesu" (am Sonntag nach dem 6. Januar) -- "Mariä Lichtmess" oder "Die Darbringung Christi im Tempel" am 2. Februar.

Genaueres zu Mariä Lichtmess
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Bis zum Jahre 1969 hieß "Mariä Lichtmess" auch "Maria Reinigung" oder "Darstellung des Herrn". Ein recht wichtiger Tag im Kirchenkalender dieser 2. Februar - jetzt endet die Weihnachtszeit. Und als Feiertag ist er inzwischen Alltag geworden - seit der Liturgiereform der katholischen Kirche 1970 endet nun die Weihnachtszeit schon am Sonntag nach dem Dreikönigstag am 6. Januar.

"Lichtmess" ist eines der ältesten Feste der christlichen Kirche. Schon seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde dieser Tag (Vierzigster Tag nach Christi Geburt) in Jerusalem gefeiert und in Rom seit etwa 650 n. Chr.. Ab dem 11. Jahrhundert ergab sich der Brauch von "Kerzenbewegungen" und "Lichterprozessionen".

Fürs gesamte Jahr werden die Kerzen gesegnet

Durch Kerzenweihe und Lichterprozession entstand der Begriff "Lichtmess". Auf jetzt stattfindenden Wachsmärkten und "Lichter"messen kauften Familien dann die für das nächste Jahr benötigten Kerzen, die in Kirchen gesegnet werden. In manchen Gegenden werden die Kerzen sogar farblich unterschieden: die Männer bekommen weiße Kerzen, die Frauen rote. Anderorts verwendet man hingegen lange "Kerzenstöcke" in der Kirche, die dann daheim zerschnitten und den einzelnen Familienmitgliedern zugewiesen werden.

Die weihnachtliche "Licht"Symbolik kommt ebenfalls am 2. Februar voll zum Tragen - auch in den Kirchen finden Lichterprozessionen statt - Jesus Christus wird als Licht der Welt (Joh. 8,12 EU) beschrieben. Nach der Weihnachtszeit begann nun für die Bauern wieder die Feldarbeit und bei den Handwerkern endete mit "Lichtmess" die Arbeit bei Kunstlicht.

. . . plus jüdische Riten

Der Evangelist Lukas berichtet im Neuen Testament der Bibel (Lk 2,22-40 EU) genauer: „Dann kam für sie (Maria) der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung“. Und im Buch Leviticus (bekannt als 3. Buch Mose oder als 3. Buch der Thora, der hebräischen Bibel) heißt es im 12. Kapitel: „Wenn eine Frau niederkommt und einen Knaben gebiert, ist sie sieben Tage unrein (…) Am achten Tage soll man Vorhaut des Knaben beschneiden und dreiunddreißig Tage soll die Frau wegen ihrer Reinigungsblutung zu Hause bleiben. (…) Wenn die Zeit ihrer Reinigung vorbei ist, soll sie (…) ein einjähriges Schaf als Brandopfer und eine junge Taube als Sündeopfer zum Priester an den Eingang des Offenbarungszeltes bringen.“ (Lev 12,2-6).

Zur Bildergalerie:

Bildergalerie Bild 1/ Aufmacherbild: Eine Vielzahl von brennenden weißen Kerzen zu Mariä Lichtmess.

Bildergalerie Bild 2: Gaudenzio Ferrari, "Der Erzengel Gabriel" (eine Tafel des Altars "Die Verkündigung"), um 1511, heute in der National Gallery London.

Bildergalerie Bild 3: Sandro Botticelli, "Maria Verkündigung", 1489/90. Der Künstler war einer der bedeutendsten italienischen Maler und Zeichner der frühen Renaissance. Im Geist der Frührenaissance und des Humanismus malte Sandro Botticelli, beeinflusst von Filippo Lippi, Masaccio und Antonio Pollaiuolo, Andachtsbilder, Altarbilder sowie Bilder aus den Themenbereichen der griechischen Mythologie und der Allegorien.

Bildergalerie Bild 4: Guido Reni, "Beschneidung Jesu", um 1638 - Am achten Tage wurde das "Kind" auf den Namen "Jesus" getauft und wie alle Juden beschnitten, er war ja Jude! (Lk 2,21 EU)

Bildergalerie Bild 5: Joachim Wtewael, "Verkündigung an die Hirten", 1606. - (Lk 2,8–12 EU) Hier heißt es: „In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

Die "Dreikönigstag"-Geschichte zum 6. Januar wird ausführlicher erzählt bei Mt 2,1-12 EU. "Geleitet von einer kosmischen Erscheinung (Sternenkonstellation? Komet?), die angeblich die Geburt eines "neuen" Königs andeutet, kommen die Weisen (wörtlich: Magier) in Christus Geburtsort Betlehem.(Übrigens ist in den Texten keine Rede von "Drei" und "Könige").

Bildergalerie Bild 6: Giovanni Bellini, "Die Darbringung Christi im Tempel", um 1460 (eigentlich das(!) Gemälde zu Mariä Lichtmess). Die Szene stammt aus dem Lukasevangelium: Maria und Josef kommen mit "ihrem" Baby, "in Windeln gewickelt" in den Tempel und hier erkennen "Simeon und Hanna" sofort, dass dies Kind nicht einfach ein Kind ist, sondern der Erlöser! (Lk 2,22-40 EU) [

f]Giovanni Bellini[/f] stammte aus einer venezianischen Malerfamilie - er war der uneheliche Sohn Jacopo Bellinis, sein Bruder war Gentile Bellini. Man begründete die venezianische Malerschule der Frührenaissance. Sein Frühwerk stand unter dem Einfluss der Malerei seines Schwagers Andrea Mantegna, der mit seiner Schwester Nicolosia verheiratet war. Giovanni Bellini nutzte eine große Werkstatt zu reichhaltigen Produktionen (Aufträge von Isabella d’Este und Francesco Gonzaga). Aus dieser Stätte gingen auch Giorgione, Tizian und viele weitere berühmte Künstler hervor. Er selbst wurde 1483 zum offiziellen Maler der Republik Venedig. Einen großen Teil in Bellinis Werk nehmen Andachtsbilder ein. Als Vorbild für seine Bilder dienten griechische und byzantinische Ikonen, die in Venedig weit verbreitet waren. Giovanni Bellini war neben seinem Vater Jacopo und seinem Bruder Gentile prägend für die Entwicklung des Porträts in der venezianischen Malerei. Zu seinen Hauptwerken zählt das Triptychon "Thronende Madonna mit den vier Evangelisten (1488)" in der Sakristei der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari in Venedig. Dieses Werk regte Albrecht Dürer, der Giovanni Bellini in einem Brief als den besten Maler bezeichnete, zu seinen Gemälden "Die vier Apostel" an. Viele Bellini-Bilder verbrannten 1577 bei einem Großbrand im Dogenpalast.

Bildergalerie Bild 7: "Der Lichtmess-Läufer in Spergau, einem Ortsteil von Leuna/Sachsen-Anhalt". Mit seinem farbenfrohen individuellen Bänder-Kostüm schreitet dieser majestätisch, in dem jährlich stattfindenden Festzug, ganz vorne voran.

Bildergalerie Bild 8: Gerhard Richters "Drei Kerzen" aus dem Jahre 1982 (Werkverzeichnis 513-1). Die Süddeutsche Zeitung behauptet zu Gerhard Richters Bedeutung auf dem Kunstmarkt: "Brennende Kerzen gehen am besten". Die höchsten Preise unter seinen Gemälden erzielen oftmals die Kerzen-Bilder, von denen er "nur 27 Stück" malte - eines von ihnen ist in London bei Christie's z.B.: für 16,5 Millionen Dollar verkauft worden. Der Künstler nennt solche Preise "vollkommen absurd, unmöglich!". Früher galt das Kerzen-Motiv als veraltet - heute gilt es als zeitlos!

Links:

Kerze (Symbol)
https://symbolonline.de/index.php?title=Kerze

(Lukasevangelium)
https://de.wikipedia.org/wiki/Evange..._nach_Lukas


(Levitikus)
https://de.wikipedia.org/wiki/3._Buch_Mose

(T(h)ora)
https://religion.orf.at/lexikon/stories/2556888/

(Lichtmess-Läufer - Spergau)
https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles.../bundesweites-51


Map-Data: Stadtteil Spergau von 06237 Leuna

Die "Spergauer Lichtmess" ist ein uralter Brauch, der am ersten Sonntag nach Maria Lichtmess in Spergau gefeiert wird. Erste Hinweise auf dieses Brauchtum gehen auf das Jahr 1688 zurück. Mit der Lichtmess wollen die Spergauer symbolisch den Winter austreiben. Bereits früh um 5 Uhr beginnt das bunte Treiben in einer der Gaststätten des Ortes. Den gesamten Tag über sind die verschiedensten Lichtmessfiguren, teilweise maskiert, auf dem „Heischegang“ unterwegs und sammeln unter anderem Eier, Milch und Bratwürste ein. Am Abend folgt dann der Höhepunkt des Tages im Gasthof „Zur Linde“.

7 Kommentare

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In Zwönitz im Erzgebirge ist dieser Brauch noch (oder wieder) sehr lebendig und Gäste strömen von weither herbei. https://www.erzgebirge-explorer.de/v...htmess.html
Volker Barth
Ich bedanke mich für diesen Kommentar - Volker
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Noch einmal kommt an Lichtmess die weihnachtliche Lichtsymbolik zur Geltung. In der Kirche findet eine Lichterprozession statt und eine Kerzenweihe. Das Licht hatte in einer Zeit, als die Kerze der normale Lichtspender war, nicht nur die vordergründige Bedeutung von Helligkeit, sondern symbolisch auch von Reinheit. Nach jüdischer Tradition steht das Kerzenlicht für Körper und Seele. Die Flamme ist die Seele, weil sie immer nach oben strebt. Kerze und Flamme zusammen versinnbildlichen den Menschen. Die Begründung sehen Juden in Sprüche 20,27 "Die Seele des Menschen (hebr. neschama, auch: Geist, Atem) sei als Licht des Herrn (hebr. ner, Lampe, Leuchte) zu verstehen". Von hier versteht sich auch das christliche Kerzenopfer, das Aufstellen einer Kerze zur Verehrung Gottes oder eines Heiligen.

Weiße Kerzen stehen für Männer, rote für Frauen, schwarze Kerzen waren geweihte Wetterkerzen, die bei Unwetter angezündet wurden. Es wurden auch besonders lange Kerzenstöcke in die Kirche getragen und geweiht, die dann zu Hause zerschnitten und den einzelnen Hausgenossen zugewiesen wurden. Das Licht, eben Christus, holte man so ins Haus und hatte ihn beim gemeinsamen Gebet, bei dem die Kerzen brannten, unter sich. Das galt besonders für das häusliche Rosenkranzgebet, bei Unwettern, bei schwerer Krankheit, Sterben und Tod.
Volker Barth
Liebe Angelika,
...so einen intensiven, ausführlichen und informativen Kommentar bewundere ich. Du hättest ja auch so einen Beitrag schreiben können, mache dies doch einfach ... Alles Schöne und Liebe und dies mit einer Kerze von Volker
Danke Volker für die Kerze.... ich gebe sie gerne zurück.....
Schreiben ist eher Dein Metier.....
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meine Oma hat immer erzählt, das am 2. Februar zu.Maria Lichtmess die Dienstboten ihre Stelle wechselten oder ein weiteres Jahr bleiben konnten
Volker Barth
JA, das habe ich auch in Büchern gelesen - danke für Deinen Kommentar, herzlichst Volker
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