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junger EselFoto-Quelle: Google (kostenlos)

Gute Vorsätze zum Jahreswechsel

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 27.01.2019 - 10:33 Uhr

Die guten Vorsätze zum Jahreswechsel.

Letzte Woche im Januar 2019. Susanne und Renate treffen sich wie gewohnt einmal im Monat zum Kaffeetrinken. Genau hier, bei Kaffee Möller in Bielefeld, trafen sich die beiden Freundinnen vor 5 Jahren wieder.
Damals regnete es. Die 60jährige Susanne war es leid durch die Geschäfte zu hasten und wollte sich ein wenig ausruhen. Fast alle Stühle waren besetzt. Beherzt näherte sie sich einem Tisch. „Darf ich mich zu ihnen setzen?“ „Gerne,“ Renate schaute von ihrer Illustrierten hoch, stutze kurz, „kennen wir uns?“ Nun schaute Susanne die Dame genauer an. Flotte Kurzhaarfrisur, eine lange moderne, schwarze Weste, rote Fingernägel – und dieses Blitzen in den blauen Augen. „Renate, das gibt es doch nicht, wie lange haben wir uns nicht gesehen?“ Es wurde ein langer Nachmittag.

Nun sind sie wieder vertraut, wie in ihrer Jugendzeit. Gemeinsam trauerten sie um ihre Männer. Renates Herbert ließ sich nach 25 Jahren Ehe scheiden und heiratete eine Jüngere. Susannes Gatte Thomas starb nach einem Herzinfarkt.
Jetzt freuen sie sich auf diesen Nachmittag im Kaffee. Leider wohnt Susanne 25 Kilometer entfernt. Deshalb ist es nicht möglich sich häufiger zu sehen. „Nanu, wo ist denn dein Esel?“, fragend schaut sie Renate an. Deren Augen strahlen schelmisch: „Wusste ich doch, dass du ihn vermisst. Er steht dort auf der Fensterbank und bleibt nachher hier.“ Susanne nimmt den kleinen, grauen Plüsch-Esel, mit dem bockigen Gesichtsausdruck in die Hand und streichelt ihn sanft. „Wieso er hat dir doch zwei Jahre geholfen, deine Silvester Vorsätze im neuen Jahr umzusetzen. Gibt es keine Pläne für 2019, bei denen er dir helfen muss?“

Renate denkt zurück an eine Fernsehsendung im Dezember 2016. In einer Talkrunde wurden erfolgreiche, prominente Menschen gefragt: „Wie motivieren sie sich, einmal gefasste Entschlüsse, in die Tat umzusetzen und nicht schon nach kurzer Zeit aufzugeben?“ Verschiedene Tricks wurden erörtert. Natürlich saß auch ein Psychologe im Kreis. Er hörte sich die verschiedenen Strategien an und sagte dann: „Es ist egal, ob sie ihr schönstes Foto, auf dem sie schlank und rank sind oder ein heutiges Bild in dem sie sich selbst nicht wieder erkennen, an die Kühlschranktür heften. Sie können auch einen Totenkopf an jede Cola Flasche kleben. Sie müssen eine eigene Beziehung zu ihrem Hilfe Trick haben. Es Anderen nachzumachen wird nicht helfen.“ Plötzlich erinnerte sich Renate an einen Streit mit ihrem Ex. Damals fauchte er wütend: „Du bist stur wie ein Esel. Nichts kann dich von einem, einmal gefassten, Entschluss abhalten.“
Am nächsten Tag kaufte Renate sich diesen kleinen Esel. Silvester Nacht schaute sie ihn beschwörend an und sagte: „Ich will mich im kommenden Jahr der Walking Gruppe anschließen und zweimal in der Woche mit ihnen wandern. Außerdem jeden Samstag zur Wassergymnastik gehen. Hilf mir, dass ich so bockig wie du werde, wenn mich jemand (auch ich selbst) davon abbringen will.“ Am Ende des Jahres 2017 konnte sie zu ihrem Arzt sagen: „Meine Rückenschmerzen sind verschwunden.“ Dr. Kramer erwiderte: „Gut, das nächste Problem ist ihr Übergewicht.

2018 wurde der Esel über alle Maßen in Anspruch genommen. Er stand im Kühlschrank, er lag im Einkaufskorb, er mahnte nicht, nein er befahl: „Keine Pizza, keine Sahne, keine Schokolade. Obst oh ja, Salat - ja davon wirst du auch satt.“ Es funktionierte. Zu Weihnachten schenkte sie sich ein schickes, modernes Kleid in Größe 40.
Lächelnd streckt sie die Hand nach ihrem Esel aus und sagt: „Du hast recht, ich bin undankbar.“ Susanne fragt: „Welches ist dein Wunsch für 2019?“ Renates Augen blitzen unternehmungslustig, nur kurz, dann legt sich ein Schleier darüber. Zögernd antwortet sie: „Ich will nicht mehr allein sein, also studierte ich in der Tageszeitung die Rubrik -- Er sucht sie. -- Hör auf zu grinsen, Susanne.“ Leise erzählt sie weiter: „Drei Männer antworteten schon. Mein Verstand sagt mir, vergiss den Vorsatz und den Esel. Stell dir vor Susi, einer wünschte sich schon in der Anzeige eine Frau mit Führerschein. Im Brief schrieb er dann, dass die Polizei seinen Führerschein einkassiert hatte, er aber alle drei Tage zur Dialyse gefahren werden müsste.
Der Nächste wohnte mit seiner Mutter zusammen und wollte mich manchmal besuchen.
Der Dritte wollte mit mir verreisen. Er hatte einen VW Transporter zu einem Wohnmobil umgebaut. Die Hälfte der Kosten müsste ich selbstverständlich bezahlen. Großzügig erklärte er sich bereit, das Auto zu fahren. Ich könnte dann das Einkaufen und Kochen übernehmen. Hör auf zu lachen, Susanne. Der gute Vorsatz für dieses Jahr ist gestrichen. Mein Esel ist arbeitslos.“

Susanne verfügt über die seltene Gabe, die Tränen hinter dem Lachen zu sehen. Ihre Freundin verabschiedete sich gerade von einem Traum. Sie sagte nicht: „Versuch es im Internet oder in einem professionellem Institut.“
Nach einiger Zeit des Schweigens bemerkte sie: „Du besitzt ein großes Haus. Überlege mal, ob sich ein Umbau lohnen würde. Die Studenten-Wohnungen hier in der Stadt sind alle vergeben. Kleinstwohnungen werden jetzt auch im Umland gesucht.“ „Mm, das wäre vielleicht eine Option. Ich bin dir dankbar, dass du nicht von einer ALTEN WG gesprochen hast. Ja, junge Leute, das würde mir gefallen.“

Ein Traum vom Glück,
kehrt zurück.
Im hellen Licht ---- Zweifel.

Als sie sich später freundschaftlich voneinander verabschieden, hatte Susanne nichts von ihrem Entschluss am Jahreswechsel erzählt. Ende Dezember kündigte ihr der Vermieter die Wohnung und meldete Eigenbedarf an.
Beim Telefongespräch mit ihrer Tochter, die in Köln wohnt, folgte am Neujahrsmorgen, nach den üblichen guten Wünschen, eine unerwartete Bitte: „Liebes schaust du dich in deiner Umgebung nach einer kleinen Wohnung für mich um. Ich muss hier, schweren Herzens ausziehen und denke ich werde dir deinen Wunsch erfüllen und nach Köln kommen.
Es ist, auch ohne Esel, eine beschlossene Tatsache.
Renate wird es beim nächsten Treffen erfahren.

© M.Koch
Januar 2019

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1 Kommentar

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Ein gutes Theama. Her mit dem Esel! Bei Entscheidungen fällt mir immer der alte Spinazo ein: "Jede Entscheidung ist auch eine Verneinung."
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