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Judasverbrennen

Christlich-jüdisch: was soll das sein?

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 30.04.2019 - 13:11 Uhr

Geschichtsvergessene Heuchler faseln oft und gern von der gemeinsamen christlich-jüdischen Tradition und wollen damit eine gemeinsame Kultur beschwören, die es nicht gegeben hat.

Erbschuld und Diskriminierung

Christen haben in Juden die Mörder ihres Herrn Jesus gesehen und sie daher schon immer diskriminiert. Juden war von Alters her der Besitz von Grund und Boden sowie der Zugang zu den Zünften untersagt. Sie hatten also zum Stand der Bauern oder Handwerker keinen Zugang. Ab dem Spätmittelalter wurden ihnen bestimmte Wohnbezirke, Ghettos oder Judengassen, zugewiesen, in denen sie nachts eingeschlossen waren.

Um sich zu ernähren blieb den Juden nur der Handel und der Geldverleih gegen Zinsen.

Grundübel: Zinsen

Interessant ist, dass das Verbot, Zinsen zu nehmen, auch in der Bibel an mehreren Stellen verankert ist und somit auch für Juden und Christen gelten müsste. Ein Beispiel aus dem 5. Buch Mose, Deuteronomium, 23:20-21:

„Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder für Geld noch für Speise noch für alles, wofür man Zinsen nehmen kann. (20) Von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder, auf dass dich der Herr, dein Gott, segne in allem, was du unternimmst in dem Lande, dahin du kommst, es einzunehmen. (21)“

Für Juden und Christen gilt daher das biblische Zinsverbot, wurde aber schon früh immer wieder umgangen, und Geldgeschäfte wurden verschleiert. Im Jahr 1179 erlaubte der Papst den Christen, sich von Juden Geld gegen Zinsen zu leihen. Den Christen untereinander war dies jedoch nicht erlaubt. Der Verstoß gegen das Verbot, Zinsen zu nehmen, wurde 1215 vom Papst sogar mit einem Kapitalverbrechen gleichgesetzt.

Die Juden interpretierten das Wort ‚Ausländer‘ aus dem 5. Buch Mose so, dass es für alle Menschen galt, die nicht zum ‚auserwählten Volk‘ gehörten, also nicht-jüdischen Glaubens waren. Damit konnten sie Geld an Christen verleihen und von diesen Zinsen verlangen.

Moral und Neid

Da die Christen auch im Mittelalter Geld für die Wirtschaft benötigten, liehen sie es sich von den Juden, gegen Zinsen natürlich. Die Christen umgingen so das kirchliche Zinsverbot und beschuldigten gleichzeitig die Juden der Sündhaftigkeit. Sie fühlten sich moralisch überlegen und gleichzeitig wuchs der Neid unter den Christen auf die Juden, die mit ihrem Geld gute Geschäfte machten. Dieses Gefühl der moralischen Überlegenheit, gepaart mit Neid, führte unter Anderem schließlich zu den Judenverfolgungen im ‚christlichen‘ Europa.

Judenverfolgungen: Beispiele

Juden galten als Feinde des Christentums, und als Papst Urban II. zum Kreuzzug aufrief, waren die wohlhabenden Juden im Rheinland 1096 die Opfer der ersten ‚christlichen‘ Pogrome.

Mitte des 14. Jahrhunderts hat man den Juden vorgeworfen, am Ausbruch der Pest schuld zu sein. Die Pest wurde als Strafe Gottes für jene Städte interpretiert, die Juden in ihrer Mitte akzeptierten. Die Pogrome nahmen in den Mittelmeerhäfen ihren Ausgang und weiteten sich bis ins Rheinland aus.

Nach der Reconquista Spaniens wurden 1492 nicht nur die Mauren, sondern auch die Juden von der Iberischen Halbinsel vertrieben.

1646 wurden im Lauf eines Kosakenaufstands 100.000 polnische Juden ermordet.

Im 19. Jahrhundert fanden in Russland zahlreiche Pogrome statt.

Die sechs Millionen Opfer des Holocaust 1941 bis 1945 beweisen, dass es mit einer gemeinsamen christlich-jüdischen Tradition auch in jüngster Vergangenheit nicht weit her ist.

Eine demonstrative – keineswegs taxative – Aufstellung der Judenverfolgungen im Lauf der Geschichte kann man hier nachlesen:
http://www.christen-und-juden.de/html/seldner7.htm

Osterfeuer: Judasverbrennen

Der ausgelebte Antisemitismus zeigt sich auch in einer abgewandelten Form des Osterfeuers: dem „Judasverbrennen“.
Eine Strohpuppe symbolisiert die Figur des Judas Ischariot, der Jesus an die Römer verraten hatte. Dieser Brauch ist in katholischen Ländern – gegen den Willen der katholischen Kirche! - verbreitet, also in Südamerika, Spanien und Polen, früher auch in Süddeutschland. Manchmal erhielt die Strohpuppe das Konterfei ortsansässiger Juden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Judasverbrennen

In der polnischen Stadt Pruchnik lebt dieser Brauch bis heute fort. Die im Jahr 2019 verfertigte Judasfigur hatte mit schwarzem Hut und Schläfenlocken deutliche Kennzeichen eines orthodoxen Juden. Der World Jewish Congress bezeichnete das als „geisterhafte Wiederbelebung des mittelalterlichen Antisemitismus“. Dies wiegt umso schwerer, als an diesem ‚Brauch‘ zahlreiche Kinder beteiligt waren …

(Exkurs: In anderen Weltgegenden wird der „Judas“ durch unliebsame Personen ersetzt. Im spanischen Ort Coripe war es der abgesetzte katalanische Regionalpräsident Puigdemont, und in Venezuela die Präsidenten Trump und Maduro.)

Antisemitismus aktuell

Neueren Studien zufolge haben 10% der Österreicher eine manifeste und weitere 30% eine latente antisemitische Einstellung. Wahrscheinlich ist die Situation in Deutschland ähnlich.

Die Beschwörung einer christlich-jüdischen Tradition ist nichts weiter als eine gewaltige Lüge.

24 Kommentare

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Grundsätzlich von Heuchelei zu sprechen halte ich für zu hart. Der Wunsch, die von der christlichen Seite ausgehende Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung bis hin zur systematischen Vernichtung zu überwinden und sich auf die gemeinsamen Wurzeln beider Relgionen zu beziehen, hat für mich etwas Positives. Ich meine auch nicht, dass beide Religionen bei aller Verscheidenheit in ihren Grunsätzen so viel Gegensätzliches aufweisen, dass nicht auch von Gemeinsamkeiten gesprochen werden kann. Würde man die Unterschiede so stark betonen, dass man von einer Gegensätzlichkeit sprechen müsste, könnte man genau so wenig von einer christlichen Gemeinschaft von Orthodoxen, Katholiken, Protestanten und freien Glaubensgemeinschaft sprechen - ich denke dabei z.B. an den erbitterten Streit um die Dreifaltigkeit und die Frage der der Quellen des Glaubens, der Auslegung der Quellen, der Gottgleichheit oder Gottähnlichkeit Jesu im frühen Christentum oder zwischen West- und Ostkirche, die Frage des Priesteramtes, der Stellung der Frau oder die Frage des Verhältnisses zwischen religiösen und weltlichen Gesetzen. Ich weiss, dass ich durch mein Selbstverständnis als Atheist natürlich voreingenommen bin, wenn ich sage, dass diese Unterschiede in den theologischen Grundlagen zwischen den einzelnen christlichen Religionen nicht von größerem Gewicht sind als die zwischen Juden und Christen und würde als Angehöriger einer der Glaubensgemeinschaften anders urteilen. Ich denke aber genau so, dass es jede Religion gleichermaßen von sich verlangen lassen kann, die Bedingtheit der Differenzen durch den jeweils eigenen Standpunkt als solche zu erkennen.
Zur Heuchelei wird die Betonung einer "christlich-jüdischen Tradition" allerdings dann, wenn keine hundert Jahre nach der Shoah und bei fortdauerndem Antisemitismus die brutale Unterdrückung der Juden durch christliche Gesellschaften als historisierte, also längst überwundene Entwicklung gesehen und eine vorgeblich harmonische Gemeinsamkeit instrumentalisiert wird, um andere Religionen - speziell dem Islam - auszugrenzen und im gleichen Zuge dazu dienen muss, Kritik an grundlegend als "christliche -jüdisch geprägten" gesellschaftlichen Verhältnissen a priori zu delegitimieren.
Es ist ja auch nicht schwer für eine mehrheitlich christliche Bevölkerung, die wenigen Juden, die in Europa leben, als Brüder und Schwestern zu bezeichnen, nachdem man die große Mehrheit von ihnen umgeracht hat. Es ist auch mindestens so bequem, die Forderung nach weltanschaulichem - also auch religiösem - Pluralismus unter dem Schibboleth der "christlich-jüdischen Tradition"als Antisemitismus zu denunzieren. Es bleibt die unbequeme Aufgabe christlicher Gemeinschaften, die Gebote weltanschaulicher Pluralität, die als Forderung nach dem grauenhaften Höhepunkt jahrhundertelanger Verfolgung der Juden auf die Tagesordnung gesetzt wurde, nicht nur gegenüber dem Judentum, sondern allen Religionsgemeinschaften zu praktizieren.
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Nach dieser Stelle im 5. Buch Mose habe ich lange gesucht.
danke.
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Christen und Juden haben nichts gemein.
Zu verschieden sind doch diese beiden Religionen und wer hier von gemeinsam was erzählt, da hätte ich schon gerne gewußt, was das sein soll, dieses gemeinsam
Nun, ich bin der Meinung, dass die beiden Religionen gar nicht soviel trennt. Die ersten Judenchristen glaubten auch nicht an die Erlösung durch Jesu Tod und Auferstehung. Dieser Gedanke kam erst durch den Nicht-Juden Paulus in die Religion, der sich damit auf dem Konzil von Jerusalem durchgesetzt hat.
Auch andere Dogmen, wie beispielsweise die Dreifaltigkeit, sind erst in späteren Jahrhunderten, teilweise nach heftigen Auseinandersetzungen, festgeschrieben worden.

Eine gemeinsame Tradition und Kultur kam aber nie zustande. Die jüdischen Minderheiten waren bis Mitte des vorigen Jahrhunderts stets benachteiligt und diskriminiert. Und heute wird es mehr und mehr salonfähig, Antisemitismus offen zu zeigen.
Was beiden Gläubigen gemein ist, ist das MENSCHSEIN, mit allen Empfinungen und Nichtempfindungen. Religionen sind alle Mensch- gemacht, trennend, oder verbindend! Ein Jeder entscheidet seinen Weg, seine Rituale. Ich werde niemals einen Menschen ablehnen, der einer Gemeinschaft nicht nicht schadet, sondern förderlich ist! Ich kann selbst das Gefühl von Antisemiten, oder, oder nicht, nachempfinden! Für mich gibt es Gutartige und Bösartige.
Jesus und seine Jünger waren Juden.
Die Eucharistie entspricht dem Opferritual zum Osterfest.
Hier Brotbrechen und Wein; dort Tieropfer und Blut.
Wein und Blut sollen den Gläubigen mit Gott verbinden.
Es gibt viel mehr Verbindendes als Trennendes, jedoch wird das Trennende viel stärker betont, was meiner Meinung nach dem Bedürfnis entspringt, anders und "besser" zu sein. Dies kann auch zu einer gewissen Überheblichkeit führen, die weiter spaltet.
So entstand der Antisemitismus.
Menschensein ist das was zählt und nicht die Religion. Verständnis und Toleranz für den jeweils anderen sind die Voraussetzungen für ein mögliches Miteinander.
"Es gibt viel mehr Verbindendes als Trennendes, jedoch wird das Trennende viel stärker betont, was meiner Meinung nach dem Bedürfnis entspringt, anders und "besser" zu sein"
Wird das Kopftuch nicht aus diesem Grund von Musliminnen getragen?
Christen und Juden sind hier das Thema, doch auch Christen, Juden und Muslime können auch so, denn immerhin glauben diese an den EINEN Gott gemeinsam:

"Auch wenn manche Menschen unter dem Deckmantel der Religionen Unfrieden und Streit verbreiten und die Menschen gegeneinander aufbringen wollen, so stehen die drei monotheistischen Religionen selber für Frieden und ein Miteinander auf Augenhöhe!

Hierbei spielt der Islam eine zentrale Rolle, da er die gleiche Abstammung des Menschen hervorhebt, um jede Form von Rassismus vorbeugt. So heißt es in Sura 4:2 in ungefährer Bedeutung:

„O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat; aus diesem erschuf Er ihm die Gefährtin, und aus beiden ließ Er viele Männer und Frauen sich vermehren.“

weiter heißt es:

Auch hebt der Islam immer die Verbindung mit Juden und Christen durch unzählige Verse im Quran hervor, wie unter anderem in Sura 3:62:

„Sag: O Leute der Schrift, kommt her zu einem zwischen uns und euch gleichen Wort“

Somit ist nach islamischen Verständnis Abraham (Ibrahim), Friede sei mit ihm, der Stammvater der Juden, Christen und Muslimen

„(Folget) dem Bekenntnis eures Vaters Abraham.“

Er ist es im Islam keine Grundlage für Judenfeindschaft.
wize.life-Nutzer
<Wird das Kopftuch nicht aus diesem Grund von Musliminnen getragen?>
Die Frage nach den möglichen Motiven dafür habe ich nun hier oft genug beantwortet. Wenn es dir nicht reicht, frag andere Muslimas.

Es hätte mich gewundert, wenn du nicht wieder die Gelegenheit genützt hättest, vom Thema abzulenken, um gegen Muslime zu schreiben. Das ist aber nicht Thema des Beitrags. Weitere Themenverfehlungen werden gelöscht.
wize.life-Nutzer
Du hast völlig Recht. Der Koran rechtfertigt ebenso wenig des Hass auf Juden wie die Bibel.
Wenn unter Muslimen des Nahen Ostens der Antisemitismus noch weiter verbreitet ist als bei uns, so hängt das in erster Linie mit der Palästina-Frage zusammen, hat also politische Gründe.
Shalömchen
Salam. Shalom. Friede.
wize.life-Nutzer," Menschensein ist das was zählt und nicht die Religion" sagst Du.
Wozu braucht der Mensch (Du) dann " Religion"?
Meine Glückseligkeit, meine Hoffnung, meinen Trost finde ich im Gottglauben -ohne Religion.
Es ist die Gemeinschaft einer unter vielen zu sein, die an das glauben wie man selbst. Religion verbindet Menschen.
Das verbindende Element ist dann wohl die Hl. Schrift, die Bibel , der Koran.
wize.life-Nutzer, wir führen hier keine Grundsatzdiskussion darüber ab, weshalb manche Menschen ohne Religion auskommen und andere ein anderes Bedürfnis nach Spiritualität haben, OK?
Das Thema ist der Antisemitismus, der in unserem Sprachgebrauch nur die Abneigung gegen Juden bedeutet (obwohl er genau genommen auch Araber beinhaltet).
Bleiben wir also bim Thema: dem Verhältnis von Christen und Juden.
Der Glaube, an Gott, Jesus, Jahwe, Mohamad und wen oder was denn auch und Antsemitismus schließen sich - für mich - einander völlig aus! Für viele trifft das jedoch - lesbar - hörbar nicht zu!?
Dass sich das Christentum vom Judentum getrennt und auch Nichtjuden geöffnet hat, hat eine Zeit lang gedauert.

"Lange Zeit war es nicht die Meinung der Kirchen, dass Christinnen und Christen, Jüdinnen und Juden verbunden seien im Glauben an ein und denselben Gott und dieser Gott auch Christinnen und Christen wie Jüdinnen und Juden treu bleibe. In einigen Kirchen ist es bis heute nicht so. Die Geschichte von Christen und Juden ist von Verachtung und Feindschaft geprägt. Sie begann mit dem Vorwurf der ersten Christen an die Juden, Jesus Christus „ermordet“ zu haben. Sie fand einen schrecklichen Höhepunkt im Massenmord an den Juden im „Dritten Reich“, der durch christlich geprägten Antisemitismus gestützt und von deutschen Christinnen und Christen sehenden Auges zugelassen und mitvollzogen wurde. Das wird immer Teil der Schuld bleiben, die sich Christinnen und Christen in Deutschland aufgeladen haben."
Woher hast du dieses Zitat, wize.life-Nutzer?

Ich bin keine Verfechterin irgendeiner Art von Erbschuld, die man einer Religion anlasten kann. Schuld sind immer die Menschen mit ihren falschen Interpretationen, hinter denen immer etwas anderes als die religiöse Lehre steht: Machtgier, Neid, Missgunst oder Habgier.

Die ersten Judenchristen glaubten noch nicht an die Erlösung durch das Kreuz, den Tod und die Auferstehung Jesu. Diese Interpretation wurde erst durch den Nichtjuden Paulus von Tarsos, der Jesus nie selbst begegnet ist, zum Dogma, nachdem er unter den Nichtjuden Griechenlands sehr erfolgreich missionarisch tätig war. Durch diese Erfolge konnte er sich im Konzil von Jerusalem (vermutlich 48 n. Chr.) gegen die Judenchristen durchsetzen.
Danke.
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