Ich bin Linkshänder - und stolz drauf

Beitrag von wize.life-Nutzer

Mein Linkshänderdasein war und ist ein recht angenehmes. Ich kann mich wirklich nicht beschweren und doch liegen manchmal Stolpersteine im Weg. Da sich die ganze Welt auf Rechtshänder eingestellt zu haben scheint, sind wir zwangsläufig dazu gezwungen viele Aktivitäten mit beiden Händen zu können. Am internationalen Tag der Linkshänder eine kleine Ode an alle, die alles mit links machen und es doch manchmal schwer haben.

Es fängt schon in der Schule an: Die wichtige Entscheidung, ob man Linkshänder mit allen Rechten werden darf, wird leider von anderen für einen getroffen. Früher wurden sogar alle Linkshänder einfach gezwungen mit rechts zu schreiben, so heißt es. Doch selbst bei meiner Einschulung in den fortschrittlichen 1990ern musste meine Mutter noch ausdrücklich dafür sorgen, dass ich mit links Schreiben lernen durfte. So konnte ich bald mit links schreiben, schneiden (mit meiner Linkshänderschere), kleben, stricken und werken (mal mehr und mal weniger erfolgreich). Ich fand es toll, mit eigener Schere schneiden, die niemand sonst benutzen konnte, und im Handarbeitsunterricht stets extra Anweisungen zu bekommen. Auch heute noch, fern von den kindlichen Freuden, sehe ich eher Vorteile meines "Andersseins".

Vielseitige Talente

Da man oft in einer rechtshändigen Welt gar keine andere Wahl hat, als sich auch mit rechts zu helfen wissen, können wir einfach (fast) alles mit beiden Händen. Wir können ja auch oft nicht anders. Das fängt schon bei der Computermaus an, die auf der rechten Seite angeschlossen ist und so auf die Schnelle nicht nach links verkabelt werden kann, oder zum Schneiden eben nur eine „normale“ Schere zur Hand ist. So kann ich auch Fingernägel an jeder Hand präzise schneiden und gelte auch noch als kreativ. Besonders mag ich die Situation, wenn Rechtshänder mit geweiteten Augen ihren Blick nicht von der nahenden Katstrophe abwenden können, wenn ich als Linkshänder mit für mich nicht geeigneten Küchenwerkzeugen Kartoffeln oder ähnliches schäle. Gebannt wird darauf gewartet, dass ich vielmehr mir als dem Gemüse etwas abschabe.

Alles spiegelverkehrt?

Allerdings muss ich mich mit einer selbst diagnostizierten Links-Rechts-Schwäche rumschlagen, so dass ich beizeiten die Seiten nicht ganz bei ihrem richtigen Namen benenne. Das muss natürlich in keinem Zusammenhang stehen, mein Fahrlehrer sah das bei meinen Fahrstunden allerdings anders: Zahnärzte, Friseure und Linkshänder denken einfach immer spiegelverkehrt und können die beiden Seiten nicht gut unterscheiden, so seine Meinung. Die Begründung, dass die beiden Berufsgruppen die meiste Zeit ihres Lebens in der Spiegelperspektive erleben, leuchtete mir noch ein. Warum Linkshänder darunter auch öfter leiden sollen als andere, war mir allerdings ein wenig schleierhaft. Hat bestimmt mit den zwei Gehirnhälften zu tun. Vielleicht denken wir aber auch prinzipiell einfach verquerer und immer genau andersherum? Wir sollen ja auch die kreativeren Menschen sein, wovon ich persönlich ja leider nichts merke.

Ob sich also die Ansicht meines Fahrlehrers wissenschaftlich halten lässt, ist fraglich. Sicher ist, dass ich mich als Linkshänder einfach immer noch als was Besonderes fühle, und darauf kann man doch stolz sein. Ich bin es zumindest.


Wie war es damals in der Schule als Linkshänder? Gab es das überhaupt? Was haben Sie im Alltag schon für Erlebnisse gehabt?