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Was Frauen wirklich denken: Ich wär so gerne die beste Frau der Welt!

Was Frauen wirklich denken: Ich wär so gerne die beste Frau der Welt!

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 11.09.2012 - 15:02 Uhr

An manchen Tage werde ich wach und fühle mich  herrlich wohl in meiner Haut. Alles ist so, wie es sein soll, jeder Zentimeter meines Körpers und meiner Seele ist im Einklang. Dann hüpfe ich aus dem Bett und stürme hinaus in die Welt, auch wenn ich schon über fünfzig bin und es eigentlich etwas ruhiger angehen möchte.

Und dann kommen jene anderen Tage, einfach so wie aus heiterem Himmel ein Wölkchen daher zieht und größer und größer wird, bis es bauschig ist und gräulich und erst kleine, dann dicke Tropfen herab regnet.

Gestern war so ein Tag. Da stand ich nun vor dem Spiegel und verglich mich mit Angelina Jolie, wahrscheinlich weil ich am Abend davor einen Bericht über die geheimnisumrankte Hochzeit von Brangelina gelesen hatte. Ach, wischte ich den Vergleich vom Spiegel, ich bin ja zwanzig Jahre älter, also wählte ich Meryl Streep, gut neun Jahre älter als ich und damit ideal für die große Menschheitsfrage, wer ist wohl die Schönste im Land. Sie ist Hollywoodstar, eine tolle Frau, ein gestandener Mensch und glücklich verheiratet seit über dreißig Jahren. Nahezu faltenlos sieht sie in jede Kamera, ob sie nun am Set steht, einem Fotografen oder Fan gehört. Einfach perfekt! Auch dieser Vergleich begann zunehmend zu hinken und wahrlich nicht zu meinen Gunsten.

Ich weiß nicht, wo dieser mitunter glühende Wunsch in mir entspringt, so viel besser sein zu wollen, als ich es nun mal bin! Wer hat ihn mir eingepflanzt wie ein Korn in reiche Erde? Ist es der Blick in all die hübschen Gesichter, die uns jeden Tag auf Titelseiten und Plakatwänden entgegen prangen? Ist es die gute alte Evolution, die uns mahnt, hübscher, intelligenter, begehrenswerter zu sein, um doch noch das beste Männchen zu gewinnen? Ist es der eigene fiese kleine Zweifel, dass die Beine der Freundin, die Augen der neuen Kollegin und die Taille von Jennifer Lopez so viel schöner und aufregender sind als unsere eigenen Maße? Oder war es doch die Mutter, die uns zu wenig bewunderte? Warum bloß darf ich in diesen speziellen Momenten, Stunden und Tagen nicht einfach nur ich sein, so wie ich nun mal bin und so, wie ich an allen anderen Tagen, Wochen und Monaten doch ganz zufrieden mit mir selbst bin? Hört das denn nie auf?!?

Mit vierzehn dachte ich zum ersten Mal einen solchen Gedanken - oder dachte er mich? Ich sah ein Muttermal an meiner Taille und fand, dass jeder Junge im Schwimmbad es sehen müsste und mich deshalb nie wieder zum Eis einladen würde. Ein Jahr später war das Muttermal nicht mehr schrecklich, dafür die zwei Kilo, die meine Waage zu viel anzeigte. Irgendwie fand immer irgendwann und irgendwo an und in mir etwas statt, was mich unperfekt machte und das Spiegelbild trübte.

Ich sah in den Spiegel und versuchte, an die perfekten Momente in meinem Leben denken. Wenn mich das Glück mit vollen Händen verwöhnt, wenn der Himmel azurblau scheint, wenn meine Latte macchiato schmeckt wie im Urlaub am Meer, wenn das frische Brot duftet und ich unter Dusche stehe und singe. Ich begann zu lächeln, unwillkürlich, einfach so und obwohl es eigentlich einer dieser anderen Tage war. Wer hatte nun wen vertrieben - das Lächeln den marodierenden Gedanken oder die schönen Erinnerungen die Plagegeister? Liegt es also doch an uns selbst und niemandem sonst, wenn wir in unseren Augen nicht die Besten sind?

Wissen Sie, dass Latte macchiato „befleckte Milch" heißt? Nun, vielleicht beflecken auch wir unser Glück, das wir täglich genießen könnten, immer mal wieder mit unnötigen Gedanken. Weil wir es einfach nicht aushalten, dass gerade alles perfekt ist. Und vielleicht bin ich ja schon längst und schon immer die beste Frau der Welt und weiß es nur noch nicht ... .  Ich finde, mit über fünfzig darf ich mir dieses Recht nehmen und mich einfach nur anhimmeln. Ja, es ist sogar höchste Zeit. Wann wenn nicht jetzt!
(Bild: Alexandra H.  / pixelio.de)

1 Kommentar

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Das ist ein großes Thema, liebe Sonja, weil die meisten Menschen zu sehr von sogen. idealen Bildern, Fotos, Werbung berieselt werden. Eine Journalistin nannte es mal den Medien-Tsunami. Ich glaube kaum, dass wir so zu uns und unserer Individualität finden können. Sind die meisten Frauen nicht eine Art Kopie dieser sogen. Stars ? Das alles führe ich oft ad absurdum und orientiere mich an der Natur und kleinen Kindern, die immer einzigartig sind - so wie sie sind... Gruß Wilma
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