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Die kleine Stadt     Teil 1

Die kleine Stadt Teil 1

06.02.2014, 18:54 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die kleine Stadt Teil 1

Nun lebe ich schon seit über 40 Jahren in dem Moloch Berlin. Zum Glück ein wenig weg vom Lärm der vielen Menschen, dem Rattern der S- und U-Bahnen und dem Sprachgewirr der tausenden Touristen. Und obwohl ich diese große hektische Stadt nicht mehr vermissen möchte kommt regelmäßig die Sehnsucht auf mal meine kleine Heimatstadt Naumburg / Saale zu besuchen.
Längst sind die Eltern die dort zurückblieben verstorben und die einzige Schwester weggezogen.
Auch von den Freunden aus den Kindertagen sind nur noch wenige zurückgeblieben. Verstreut in alle Welt und auch von ersten Einschlägen bereits getroffen.
Zum Glück ist da jedoch der beste Freund für Nostalgietrips fünfundfünfzig jähriger Erinnerungen verblieben.
Unsere Frauen sind natürlich für unser tagelanges herumstreichen durch die Gassen der Altstadt, der Wiesen vor den Toren, den Tümpeln der alten Saale und das erklettern der Burgruinen nicht zu begeistern. Und das ist auch gut so. Sie haben nicht unsere Nasen, sie riechen nicht unsere vor Jahrzehnten gesetzten Markierungen, sie haben nicht unsere Augen zum spiegeln der Erinnerungen. Für sie ist die alte Saale nur ein stinkender Tümpel voller Mückenlarven, kein magischer Ort mit Erdhöhle, Baumausguck und benachbarten Gemüsegärten, ideal zum Möhren klauen für die Versorgung der ganzen Räuberbande.
Wie sollen sie unsere Frauen auch begreifen das hinter dem kleinen Schuppen inmitten der Felder das erste Mal geknutscht wurde, Erinnerungen bei den uns alten Kerlen immer noch warm ums Herz wird, oder den gewaltigen Berg bewundern, der heute erstaunlicherweise nur ein kleiner Hügel ist, auf dem im Winter auf der Schultasche sitzend die vereiste Todesschanze bewältigt wurde.
Und bei dem streifen durch die Gassen und Straßen knistern die Geschichten an jeder Ecke. Noch sind sie vereinzelt da, die an die Fenster geschraubten schräg gestellten Spiegel. Eine wunderbare Erfindung ,im Sessel sitzend , selbst unerkannt, die ganze Straße fest im Blick zu haben. Und damit Gesprächsstoff für den Milchmann, die Gemüsefrau oder den Bäcker zu haben. Wer mit wem, wann, wie oft, war somit immer bekannt und konnte in Voraussagen für Beziehungen aller Art und Schwangerschaften einbezogen werden.
Statt mit selbst zusammengebauten Fahrrad nun im dicken Auto waren dann die Sagen umwitterten Burgen Saaleck , Rudelsburg, Neunburg, Schönburg dran. Alle im 7 km Umkreis um Naumburg. Diesmal bequem auf Serpentinenstraßen zu erreichen statt querfeldein die Bergeshänge und Trampelpfade zu erklimmen. Dann die Saalewiesen mit der Sandbank für die ersten Schwimmversuche, das Teufelsloch. Ein kleiner tiefer Tümpel, wo der Sage nach der Teufel mit Blitz und Donner eine ganze Kutsche verschwinden ließ. Gleichzeit aber auch der Ort um mit der nötigen Ausdauer Kammmolche und Kaulquappen zu fangen, die dann zuhause in Einweckgläsern ein erbärmliches Leben fristeten. Und nicht weit entfernt auf der anderen Seite des Flusses lagen die Buchen- und Kastanienwälder an den Saalehängen. Wiederum ein Ort barbarischer Handlungen. Im Mai gab es Maikäfer, das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Erste Vorbereitung war das schnurren von Zigarrenkisten im Tabakladen. Die waren ideal zur Aufbewahrung der Käfer, wurden mit ein paar Luftlöchern versehen und ließen sich mit Einweckgummis gut verschließen. Aber hier hieß es, mehrere Gummis zu nehmen, den eine ganze Truppe von Maikäfern war in der Lage den Deckel zu heben und zu flüchten.

Fortsetzung folgt

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7 Kommentare

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Ich habe diese vier Geschichten gelesen und sehr viele Gedanken an meine Jugend kamen mir in den Sinn. Ein kleines Dorf in Sauerland, meine Kinder- und Jugendzeit verlief fast genau so. Es könnte auch meine Erzählung sein. Das Leben draußen war uns wichtig, uns musste man nicht rausjagen, uns musste man reinrufen. Die Glocken im Dorf waren Mahnung für uns. Im Winter um 18 Uhr, im Sommer um 19 Uhr und wehe, wir kamen nicht pünktlich nach Haus. Eine etwas karge Zeit, aber auch eine gute Zeit, mit einem großen Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft.

Danke für die Geschichten, sie sind lesenswert.
  • 31.03.2014, 12:51 Uhr
Danke für Deine Zeilen Linda, ich fahre heute noch jede zwei Jahre nach Naumburg zum Klassentreffen. Zwei Mädels ais unserer Klasse halten den Haufen zusammen, und es ist einfach schön. Sind noch so viele Erinnerungen im Kopf so das Die kleine Stadt noch viel von sich erzählen kann.
  • 31.03.2014, 16:25 Uhr
Wir Mädels aus der Schulzeit treffen uns 2 x im Jahr. 2 von uns sind im Dorf geblieben und es ist immer spannend, wenn sie Geschichten aus dem Dorf erzählen. Wer mit wem, wann und wo usw., liebevolle Klatschgeschichten. Macht Spaß, die "Jungen" bleiben da aussen vor.
  • 06.05.2014, 13:38 Uhr
Nee Linda ,bei und sind JUngen und Mädels komplett aber keine Ehe- oder sonstige Partner. Dazu gab es mal vor Jahren einen Versuch, war Spaß tötend, da die " Liebsten " ja mit unseren Erinnerungen nichts anfangen konnten und wenns hoch kam noch dumme Fragen stellten .
  • 07.05.2014, 11:53 Uhr
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Eine schöne Geschichte und wenn man die Augen schließt, dann kann sich vorstellen, wie die Jungen Streiche gespielt haben. Wir haben kleine Frösche gefangen und in Weckgläser mit Wasser getan und Weinbergschnecken im Mutters teure Pralinenschachteln in diese Ausbuchtungen, wo die kleinen Schoko-Eckchen drin waren - da gab´s Ärger und die Frösche brachten wir selbstverständlich zum Bach zurück.
Danke, sehr schön und aufschreibenswert - ein Stück Lebensgeschichte
  • 14.02.2014, 16:24 Uhr
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Ein wunderebares Stück Geschichte. Es erinnert mich sehr an Beeskow eine Stadt bei Berlin, wo ich meine Kindheit verbrachte. Dort sah es auch so aus. Auch die Maikäfergeschichten habe ich genauso erlebt. Sehr schön lieber Werner.
  • 11.02.2014, 09:37 Uhr
Hallo Brigitte,Du bist ja richtig fleißig im lesen,freue mich das Dir meine Geschichten gefallen. LG Werner
  • 11.02.2014, 14:20 Uhr
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