DER GRAUE WOLF ....Märchen oder Biografie/Quadrologie Teil 3
DER GRAUE WOLF ....Märchen oder Biografie/Quadrologie Teil 3

DER GRAUE WOLF ....Märchen oder Biografie/Quadrologie Teil 3

Beitrag von wize.life-Nutzer

Ja, jetzt war es bereits Herbst und unser Wolf sollte sich langsam Gedanken machen, in welche Richtung sein Weg führen solle. Er hatte seinen Hunger und auch Durst gestillt und lag nun faul in der warmen Mittagssonne. Er sah dem bunten Treiben der Schmetterlinge zu und beobachtete die emsigen Bienen die fleißig Honig als Nahrung für den Winter einsammelten. Zwei Eichhörnchen tobten spielend auf den nahestehenden Bäumen herum und auch die Vögel sammelten sich lärmend um weiter nach Süden zu ziehen. Nun wohin geht’s weiter, lieber Wolf?
Nach Süden konnte er nicht, wo es ja eigentlich am schönsten wäre, zu sehr brannte in ihm die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse als er seine Familie verlor. Außerdem war ja seine beste Freundin auch nicht mehr dort. Im Norden und auch im Westen hielten ihn die Berge, etliche so hoch, dass sie schneebedeckt waren von der Weiterreise ab. Wenn es nicht sein musste, wollte er die Strapazen einer Wanderung über die Alpen nicht auf sich nehmen. So blieb ja nur noch der Weg nach Osten.
Und so besuchte Zehin noch einmal die munter dahin sprudelnde Quelle und labte sich an dem kühlen klaren Wasser und machte sich auf den Weg, der sich in der nächsten Zeit als ziemlich beschwerlich herausstellen sollte. Er war nämlich inzwischen im Hinterland von Triest angekommen, nicht weit entfernt mehr von Jugoslawien. Diese Landschaft, als Karst bekannt, ist sehr karg bewachsen und ziemlich steinig. Der Weg führte nicht geradeaus da er von Spalten, Felsen und eingebrochenen Höhlen, von den Menschen Dolinen genannt, unterbrochen war. Zehin musste sich daher auf seinen inneren Kompass verlassen.
Als die Landschaft wieder weniger beschwerlich, grüner und waldiger wurde, traf Zehin an einer Quelle eine Füchsin. Sie stellte sich als Atina vor, sie fanden Gefallen aneinander und beschlossen gemeinsam weiterzuziehen. So landeten sie schließlich in einer Seenlandschaft, im heutigen Kroatien, welche ihnen wie das Paradies vorkam und verbrachten dort eine wunderbare Zeit. Reichlich Wälder, Wiesen und Wasser und Hunger mussten sie auch nicht leiden. Eines Morgens, es war bezeichnenderweise wieder einmal gegen neun Uhr, wurde es auf einmal lauter in ihrem Wohnzimmer. Ein Trupp Menschen war angekommen, auch ein paar Pferde. Kleine Sonnen wurden aufgestellt und schwarze Apparate mit großen Augen. Einen Menschen mit großen Federn auf dem Kopf nannten sie Winnetou. Auch diese Stöcke, die einmal Zehins Leben fast beendet hätten, waren dabei, aber diesmal knallten sie nur herum und spukten Feuer aber bissen nicht. Nun, unser Pärchen hatte den ersten Schreck bald überwunden und nach drei Wochen war der Spuk dann auch vorbei, Frieden und Ruhe waren wieder eingekehrt und das Leben hier ging seinen gewohnten Gang.
Aber das Lager neben Zehin blieb nun öfter mal frei, Atina fand immer mal wieder einen Fuchs, der ihr gefiel und mit dem sie es trieb und eines morgens war sie endgültig verschwunden. Zehin war zutiefst getroffen, sein Herz blutete und der Schmerz war groß. Also verließ er das Gebiet in der er so glücklich gewesen war. Zog weiter, über den Balkan bis nach Griechenland, wo es ihm ganz gut gefiel. Kein Wunder war es doch die Wiege Europas und hier am Olymp war auch der Sitz der Götter.
Einige Zeit lebte er hier, die Winter waren ja doch milder in diesem Land. Und er freundete er sich mit einer Hündin an, deren Besitzer sie verstoßen hatte. Sie fanden ein schönes Plätzchen, doch Ennamiera lief immer wieder zu ihrem Exherrchen zurück, um dann enttäuscht und reuig wieder zu Zehin zurück zu kommen. Aber schließlich wurde es Zehin doch zu bunt und er trennte sich von Ennamiera. Und wieder verließ er die Gegend in der er glücklich gewesen war.
Unser Wolf, jetzt bereits im besten Alter, hatte schon immer den richtigen Riecher für die schönsten und besten Plätze. So zog es ihn wieder weiter, diesmal in Richtung Donaudelta. Zehin versuchte jetzt auch öfter mal sich einem Rudel anzuschließen, aber diese Machtkämpfe um die Führung im Rudel lagen ihm nicht so, obwohl er die meisten gewann. Auch die Wölfinnen, die sich ihm als Rudelsführer anboten, gefielen ihm nicht. Nun ja, man hatte ja so seine Ansprüche. Und so er verließ das Rudel wieder. Unser Wolf entwickelte sich immer mehr zum Einzelgänger.
Eine zeitlang genoss er noch das paradiesische Leben in dieser traumhaften Landschaft. Sie war damals kaum von Menschen bewohnt und auch noch nicht vom Tourismus erschlossen. Doch dann trieben ihn Fernweh und eine unerklärliche Unrast weiter, immer weiter die Donau aufwärts.

Anhang: Die Fotos in diesem Teil stammen von Google, von mir ausgesucht aus den folgenden Sparten --- Karst/Plitvizer Seen/Athosgebirge mit Olymp

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