Überraschung (mit Blumen) am Valentinstag – geht das überhaupt noch?
Überraschung (mit Blumen) am Valentinstag – geht das überhaupt noch?

Überraschung (mit Blumen) am Valentinstag – geht das überhaupt noch?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Schnell noch im Einkaufscenter was erledigen und dann auch gleich weiter ins Büro. So dachte ich, als ich an der Shopping-Meile vorbeiging, schnurstracks auf den Info-Counter zu, an dem ich schnell noch etwas umtauschen wollte. Nanu – kein Info-Counter am Eingang des riesigen Supermarkts? Komisch! Sollte ich denn mit der bereits bezahlten Ware erst durch den ganzen Supermarkt gehen müssen? Bestimmt hatte irgend ein Werbepsychologe geplant, den Info-Counter am Ausgang zu platzieren. Na klar – wo sonst! Informationen braucht man ja immer erst am Ende eines Einkaufs, nachdem man sein Geld losgeworden ist und möglichst ahnungslos und verführungsbereit sich durch den Dschungel der endlosen Auswahl und Vielfalt gekämpft und den überdimensionierten Einkaufswagen wenigstens soweit gefüllt hat, dass man an der Kasse nicht den Eindruck von Geiz oder Armut erweckt.
Zum Glück ging es (ausnahmsweise?) mal schnell am Infostand, keine lange Wartezeit. Für die Einkaufswelt war es ja noch früh am Tage, vor 10 Uhr morgens. Kaum hatte ich der Mitarbeiterin erklärt, dass ich etwas umtauschen wollte – ich kramte noch in meinem Portmonee nach dem Kassenbon, da machte sie sich schon an meinem Türkenkoffer, pardon: Plastiktüte, von sich aus zu schaffen. Da war ja sicherlich NUR die zum Umtausch gedachte Ware drin. Egal – auch wenn sie mir etwas zu nahe trat, sie sorgte für eine fixe Abwicklung, und das war mir jetzt das Wichtigste.
Fix beim Rückweg noch einen Coffee to go mitnehmen – dachte ich. Die Ankündigung „Kaffee“ zu dieser Uhrzeit zieht bei mir fast immer. Und dann noch „to go“ – das klingt wie eine Krönung. Da kommt die Assoziation eines Marathonläufers oder Rennradfahrers auf, die beim Laufen, bzw. im Fahren eine Trinkflasche hingehalten bekommen und wirklich keine Zeit verlieren. Besser kann’s nicht sein. Aber hatte ich nicht gerade am Vortag selbiges Bedürfnis, als ich an diesem Stand vorbeiging? Und war da nicht auch eine kleine Schlange – wie jetzt auch? Von wegen Coffee to go, Coffee to wait for, das war der passendere Ausdruck. Da spielte es auch keine Rolle, dass ich das Geld bereits passend abgezählt in der Hand hatte.
Und dann opferte ich meinen Gedanken und meine Lust auf einen schmackhaften, frisch gemahlenen Kaffee und wagte meinen Aufenthalt – für mich fast schmerzlich, denn einkaufen und bummeln widerstrebt mir – in dieser Einkaufsmeile zu verlängern. Heute ist Valentinstag! Sollte Mann da nicht…? Der Blumenladen war aber am anderen Ende! Das kostet nicht nur den Kaffee, sondern auch Zeit! Was mache ich bloß.
„Wir machen so was nicht mit!“, sagt meine Frau immer, die sich schützend vor ihren vergesslichen Mann stellt, wenn sie gefragt wird, ob ihr Mann dran gedacht hat. Aber so ganz falsch ist das nicht. Nur weil es alle machen und heute die Blumen besonders wertvoll und teuer sind, könnten wir doch einen großen Bogen um alle Floristik machen.
Aber war da nicht das komische Gefühl, mit leeren Händen nach Hause zu kommen, wo doch heute so ziemlich jeder Mann seiner Geliebten einen dicken Blumenstrauß mitbringt – auch wenn ich sie schon vor über 35 Jahren geehelicht hatte? Ich schlug mich zu einem Kompromiss durch: eine einzelne Rose, dazu etwas Grün (so nennt man das wohl). Einfacher und banaler ging es fast nicht. Damit wäre die Pflicht erfüllt, das Gewissen beruhigt, kein Grund zur Klage gegeben, auch wenn der überdimensionale Rosenstrauß beeindruckend und überraschender sein könnte.
Auf dem Rückweg vom Einkaufscenter malte ich mir schon aus, was meine Frau wohl sagen würde: „Ach, musste doch nicht, ist doch gar nicht nötig, wir machen doch so was gar nicht mit.“ – Egal, wenigstens hatte ich mir Mühe gegeben und sogar einen Kaffee geopfert!
Zu Hause angekommen dann die Überraschung: meine Frau, die solche Trends wie Valentinstag ja überhaupt nicht will (?) ( hihi…) war sehr verwundert und ließ überhaupt keinen der vermuteten Kommentare los. Nicht mal der Vorwurf, dass ich diesen Kommerz bedingten „Zirkus“ mitmache. Nein, sie war freudig überrascht – und ich ebenso. Es war nämlich fast etwas völlig Neues, es war ganz anders als sonst!
Ich seh‘ schon meine Frau stolz ihren Berufskolleginnen berichten, dass ihr Mann überraschenderweise an den Valentinstag gedacht hat – nein, nicht an den Valentinstag. So ein Hype stößt uns wirklich eher ab. Es war ganz einfach das Zeichen der Anerkennung, ein Signal, das sagt: du bist mir nicht egal, ich schätze dich, du bist mir wertvoll und wert geachtet.
Auch wenn wir uns beide zutiefst nicht nur vom Partner, sondern auch von Gott selbst geliebt und wert geachtet wissen, so ist uns eine kleine Aufmerksamkeit und die Überraschung seines Bodenpersonals doch auch sehr willkommen. Was immer auch ein gewisser Valentin mit diesem Tag wirklich zu tun hat, Wertschätzung ausdrücken, vor allem, wenn es überhaupt nicht erwartet wird, wäre immer gut, aber (leider) für viele Menschen eine echte Überraschung, weil es vielleicht auch sonst nicht geschieht.