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Der Countdown läuft

15.02.2014, 11:59 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Noch neun Tage bis zur Operation.
Bei meiner ersten Operation vor sieben Jahren war ich mit den Nerven ganz schön fertig, hab mir zwischendurch die Augen aus dem Kopf geheult, hab meine Angst so gar nicht in den Griff bekommen und zur Angst vor der Operation, kam die Panik dazu, an dem blöden Brustkrebs am Ende auch noch zu sterben.
Doch die Operation verlief gut, man entfernte die zwei bösen Buben Horst und Heinrich (so taufte ich sie) und ich war selig, als ich nach der OP merkte, die "Mamma" war noch dran, wenn auch ein wenig verbeult.

Diesmal sieht es für die "Mamma" nicht gut aus.
Nachdem der Arzt bei der Besprechung nichts beschönigte, er mir auf meine Bitte hin wirklich die ungeschminkte Wahrheit mitteilte, legte sich in meinem Kopf ein Schalter um.
Ich bin bestimmt nicht mutig oder tapfer, so wie einige Menschen in meinem Umfeld vermuten und mir auch immer wieder sagen, denn mir selbst ist manchmal nicht ganz geheuer, warum ich so gefasst auf das reagiere, was ich gerade durchlebe.
Seit dem klärenden Gespräch mit dem Arzt, weinte ich keine einzige Träne mehr. Erlebte auch keinen einzigen kräftezehrenden Tiefpunkt mehr und kann über meine Situation reden oder schreiben, ohne ein Gefühl der Verzweiflung, der Panik oder einer lähmenden Angst davor, diesmal dran zu sterben.

Eine Ärztin, die ich fragte, warum ich so rational und absolut ohne Gefühle bin meinte, vielen Menschen würde es so ergehen, wenn sie die Fakten kennen und der Wahrheit ins Auge sehen können und ich verstehe nun was es bedeutet, sein Schicksal an zu nehmen!

Was immer nun kommen mag, ich muss es einfach nur hinter mich bringen und das ist als erstes die Operation, von der mir der Arzt sagte, es muss so viel Haut entfernen werden, dass ein Brustaufbau mit Implantat nicht möglich ist.
Dabei hatte ich mich schon mit den verschiedenen Möglichkeiten befasst.

Nun lese ich, es gibt noch die Möglichkeit vom Brustaufbau mit Eigengewebe.
Meine Hand rutschte nach unten und ich stelle fest, dafür hätte sich am Bauch genügend Material angesammelt und eifrig studiere ich in dem Buch "Brustamputation - wie geht es weiter?" die verschiedenen Methoden.
Da gibt es die Latissimus-dorsi-Lappen Methode, wo ein Teil vom Rückenmuskel nach vorne operiert wird. Keine schöne Vorstellung, die große Wunde am Rücken und auch noch die an der Brust? Ne, ist wirklich nicht schön.
Dann gib es noch die TRAM-Lappen-Methode, die DIEP-Lappen-Methode, die S-GAP- und die I-GAP-Methode und das Lipofilling (Eigenfett-Transplantation) und und und....
Hat man sich für eine davon entschieden, darf man jedoch nicht vergessen, dass nach einem Jahr noch die künstliche Brustwarze folgt, also wieder eine Operation nötig ist.
Bei all den Methoden der Brustrekonstruktion die machbar sind, wird man ehrlicher Weise darauf hingewiesen, nicht in allen Fällen sieht die rekonstruierte Brust genau so aus wie die eigene ausgesehen hat, oder wie die aussieht, die man noch dran hat.

Für mich werte ich als echten Vorteil Singlefrau zu sein und keinen Partner zu haben, der drunter leiden könnt, dass ich ab dem 24.02.14 nur noch eine Mamma hab.

Immer wieder betrachte ich mich im Spiegel und stelle mir vor, wie ich mit nur einer Brust aussehe. Die Narbe der Amputation kenne ich von Bildern, hab sie aber auch in echt bei zwei Frauen gesehen und muss gestehen, es fällt mir leichter, mich OHNE Brust zu akzeptieren als, wie bei den anderen Frauen gesehen, mit zwei unterschiedlichen Brüsten.

Für mich zählt im Grunde nur eines: Ich will diesen gottverdammten Ableger endlich los sein und mich auf den Sommer freuen, wenn ich mit meinem Motorrad über die Tauern nach Kärnten fahre.

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9 Kommentare

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Liebe Gudrun,Du bist so eine tapfere Frau zum bewundern.Ich weiss es ist nicht leicht,aber Du wirst es schafen.Es braucht sehr viel Zeit und Kraft.Wünsche Dir zu Deine OP viel Glück und alle unsere gedanken sind bei Dir
  • 15.02.2014, 23:06 Uhr
Guten Morgen Maria, und vielen Dank für deine guten Gedanken. Werde mir jetzt ein lecker Frühstück gönnen und mir von diesem unleidigen Untermieter in meiner Brust nicht den Appetit verderben lassen. Dir noch einen schönen Sonntag und glg Gudrun
  • 16.02.2014, 07:13 Uhr
Guten Morgen liebe Gugrun, genisse Deinen Frühstück und denke nicht an Morgen,es zählt nur heute.
Ich fühle mit Dir und wünsche Dir alles erdenklich Gute.
  • 16.02.2014, 10:08 Uhr
Oh, hab mir heute in einem netten kleinen Café ein herrliches Frühstücksbuffet gegönnt, hab in aller Ruhe die Zeitung gelesen und bin danach wieder nach Hause spaziert. Den Rest vom Sonntag hab ich einfach mit Nichtstun verbracht. glg Gudrun
  • 16.02.2014, 19:13 Uhr
Es gut so,Du hast alles richtig gemacht
Denke nicht an morgen,wünsche Dir einen ruhigen Abend und eine ruhige Nacht:Liebe Grüsse:
  • 16.02.2014, 22:17 Uhr
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Hallo Gudrun, ich war damals 22 als ich den ersten Knoten ertastete,2 Tage nach meinem Geburtstag, die Medizin noch in den Anfängen was das Thema betraf. Gott sei Dank , wurde der Knoten als "gutartig" eingestuft.NAch einer Woche Krankenhaus durfte ich nach Hause. Diese Prozedur erfolgte in den fogenden 20 Jahren insgesammt 8 mal.Einmal die Eine , dann die andere Seite.
Glaube nicht,das ich mich damit "anfreunden" konnte, meine Angst wurde von
mal zu mal stärker .Bei der letzten OP haben sie mich kaum in die Narkose bekommen ,so verrückt hatte ich mich gemacht. Dann hatte ich Jahre Ruhe
und die letzten Male hat mir der Arzt dann in der "Mittagspause" die Flüssigkeit diesen Myom's mit der Spritze rausgezogen.! Ich will Dir damit nur sagen, wie weit die Medizin auf diesem Gebiet doch gekommen ist. Halte den Kopf oben
und lass Dich nicht unterkriegen- DU SCHAFFST DAS!!!!! Aber vergiss nicht,
es braucht alles seine Zeit und nimm sie Dir.....Drücke ganz fest die Daumen
LG Rosi
  • 15.02.2014, 20:36 Uhr
Danke dir, und wenn ich eines genug habe, dann ist es Zeit. Ich bin auch sehr optimistisch und mach mich gar nicht verrückt. glg Gudrun
  • 15.02.2014, 22:55 Uhr
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Du bist eine sehr tapfere Frau. Weil Du das veröffentlichst, machst Du anderen Frauen Mut.
  • 15.02.2014, 13:15 Uhr
Ganz lieben Dank, Renate, doch in vielen schweren Situationen habe ich mir mit reden und schreiben mein Herz erleichtert. ´Mein Danke geht auch an meine Leser und die Zuhörer. glg Gudrun
  • 15.02.2014, 15:26 Uhr
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