Der Countdown läuft

Beitrag von wize.life-Nutzer

Noch neun Tage bis zur Operation.
Bei meiner ersten Operation vor sieben Jahren war ich mit den Nerven ganz schön fertig, hab mir zwischendurch die Augen aus dem Kopf geheult, hab meine Angst so gar nicht in den Griff bekommen und zur Angst vor der Operation, kam die Panik dazu, an dem blöden Brustkrebs am Ende auch noch zu sterben.
Doch die Operation verlief gut, man entfernte die zwei bösen Buben Horst und Heinrich (so taufte ich sie) und ich war selig, als ich nach der OP merkte, die "Mamma" war noch dran, wenn auch ein wenig verbeult.

Diesmal sieht es für die "Mamma" nicht gut aus.
Nachdem der Arzt bei der Besprechung nichts beschönigte, er mir auf meine Bitte hin wirklich die ungeschminkte Wahrheit mitteilte, legte sich in meinem Kopf ein Schalter um.
Ich bin bestimmt nicht mutig oder tapfer, so wie einige Menschen in meinem Umfeld vermuten und mir auch immer wieder sagen, denn mir selbst ist manchmal nicht ganz geheuer, warum ich so gefasst auf das reagiere, was ich gerade durchlebe.
Seit dem klärenden Gespräch mit dem Arzt, weinte ich keine einzige Träne mehr. Erlebte auch keinen einzigen kräftezehrenden Tiefpunkt mehr und kann über meine Situation reden oder schreiben, ohne ein Gefühl der Verzweiflung, der Panik oder einer lähmenden Angst davor, diesmal dran zu sterben.

Eine Ärztin, die ich fragte, warum ich so rational und absolut ohne Gefühle bin meinte, vielen Menschen würde es so ergehen, wenn sie die Fakten kennen und der Wahrheit ins Auge sehen können und ich verstehe nun was es bedeutet, sein Schicksal an zu nehmen!

Was immer nun kommen mag, ich muss es einfach nur hinter mich bringen und das ist als erstes die Operation, von der mir der Arzt sagte, es muss so viel Haut entfernen werden, dass ein Brustaufbau mit Implantat nicht möglich ist.
Dabei hatte ich mich schon mit den verschiedenen Möglichkeiten befasst.

Nun lese ich, es gibt noch die Möglichkeit vom Brustaufbau mit Eigengewebe.
Meine Hand rutschte nach unten und ich stelle fest, dafür hätte sich am Bauch genügend Material angesammelt und eifrig studiere ich in dem Buch "Brustamputation - wie geht es weiter?" die verschiedenen Methoden.
Da gibt es die Latissimus-dorsi-Lappen Methode, wo ein Teil vom Rückenmuskel nach vorne operiert wird. Keine schöne Vorstellung, die große Wunde am Rücken und auch noch die an der Brust? Ne, ist wirklich nicht schön.
Dann gib es noch die TRAM-Lappen-Methode, die DIEP-Lappen-Methode, die S-GAP- und die I-GAP-Methode und das Lipofilling (Eigenfett-Transplantation) und und und....
Hat man sich für eine davon entschieden, darf man jedoch nicht vergessen, dass nach einem Jahr noch die künstliche Brustwarze folgt, also wieder eine Operation nötig ist.
Bei all den Methoden der Brustrekonstruktion die machbar sind, wird man ehrlicher Weise darauf hingewiesen, nicht in allen Fällen sieht die rekonstruierte Brust genau so aus wie die eigene ausgesehen hat, oder wie die aussieht, die man noch dran hat.

Für mich werte ich als echten Vorteil Singlefrau zu sein und keinen Partner zu haben, der drunter leiden könnt, dass ich ab dem 24.02.14 nur noch eine Mamma hab.

Immer wieder betrachte ich mich im Spiegel und stelle mir vor, wie ich mit nur einer Brust aussehe. Die Narbe der Amputation kenne ich von Bildern, hab sie aber auch in echt bei zwei Frauen gesehen und muss gestehen, es fällt mir leichter, mich OHNE Brust zu akzeptieren als, wie bei den anderen Frauen gesehen, mit zwei unterschiedlichen Brüsten.

Für mich zählt im Grunde nur eines: Ich will diesen gottverdammten Ableger endlich los sein und mich auf den Sommer freuen, wenn ich mit meinem Motorrad über die Tauern nach Kärnten fahre.

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