Scheiß-Frühling!

Beitrag von wize.life-Nutzer

Jetzt geht das schon wieder los!
Heute Morgen weckte mich schon vor dem Weckerklingeln unsäglicher Lärm aus unzähligen Vogelstimmen. Vorbei die Zeit, in der man mit offenem Fenster ausschlafen konnte. Zum Haareausraufen ist das!
Mich nervt diese Jahreszeit unsagbar. Nicht nur, dass der allmorgendliche Vogelstimmenlärm immer früher vor dem Weckerklingeln meine Tiefschlafphase unterbricht, nein, jetzt scheint auch noch die Sonne zunehmend früher ins Zimmer. Im Halbdunkel des Winters ist nie Staub zu sehen, im Frühling sieht man ihn sogar in der Luft, auf jedem Möbelstück. Und niemand da, der das saubermacht. Deprimierend!
Saugefährlich ist es, wenn die tief stehende Sonne mich bei der Fahrt ins Büro blendet. Man könnte trotzdem von Glück reden, da sie ja zunehmend früher aufgeht – aber denkste! Findige Köpfe haben die Sommerzeit konstruiert, um die Blendwirkung hinauszuzögern und dadurch die Unfallhäufigkeit zu fördern. Das bringt möglicherweise volkswirtschaftliche Vorteile, ich als Betroffener hasse das jedoch, weil sie mich unnötig gefährdet, die Sommerzeit.
Und dann das unsägliche Auftreten einiger Kolleginnen im Büro. Im Winter kommen sie ruhig mit einem gemurmelten „Moin“ in den Raum, das in keiner Weise stört, aber im Frühjahr kommen sie mit einem lauten, fröhlich-erscheinenden „Mogggäään!“ herein, dass einem den Kaffee aus der Tasse über den Schreibtisch treibt. Und dann die lotterhafte Kleidung, die abnimmt, umso mehr die Wärme zunimmt. Ergo nimmt meine Konzentration auf die eigentliche Arbeit im selben Verhältnis ab. Infam ist das.
Schon auf der Fahrt ins Büro wird man an den Frühling erinnert. Bunte Blumenrabatten auf den grünen Mittelstreifen. Furchtbar! Nicht nur, dass hier das Geld der Gemeinden verschwendet wird, das andernorts viel dringender gebraucht wird, verstauben mir diese Anpflanzungen auch meine Christopherusplakette am Kühlergrill. Fast täglich muss ich sie nun putzen – im Dienste der Allgemeinheit. Während ich das tue, jubelt mein Nachbar herüber: „Endlich kein Eiskratzen mehr!“ und verbringt Spätnachmittag für Spätnachmittag damit, Mücken und Fliegen von seiner Windschutzscheibe zu kratzen.
In der Tageszeitung wir der erste sonnige Frühlingstag geradezu bejubelt: „Schmetterlinge im Bauch“. Was fürn Quatsch. Die spür’ ich auch im Herbst und Winter. Da ist eindeutig der Sauerkohl dran schuld!
Das Interessanteste am Frühlingsbeginn ist für mich nur die Tatsache, dass die Zirbeldrüse jetzt weniger Melatonin produziert, wie ich eben an der Pinnwand las. Ich bin froh, dass ich nicht wissen muss, was das bedeutet.