Bela Lugosi als verrückter Wissenschaftler
Bela Lugosi als verrückter WissenschaftlerFoto-Quelle: Einzelbild aus "The Devil Bat" 1940

Mein Wort zum Sonntag: Gibt es Formeln, die in den Wahnsinn treiben?

News Team
Beitrag von News Team

Gibt es mathematische Formeln, die denjenigen, der sich mit ihnen beschäftigt, in den Wahnsinn treiben? Es gibt sie!
Schon in meiner Jugend las ich eifrig Sciencefiction-Geschichten und Romane. Einer hat mich besonders fasziniert: In der Erzählung "Die Märchenschachspieler" (sie spielen eine Art Schach mit sich willkürlich ändernden Regeln) aus den 1950iger Jahren schildert der Autor Henry Kuttner (= Lewis Padgett) eine Welt des totalen Kriegs, wo sich zwei feindliche Mächte eingraben (wie im Ersten Weltkrieg) und ein Sieg für keine Partei in Sicht ist. Da taucht aus dem Nichts (genauer: aus der Zukunft) eine mathematische Formel auf, die demjenigen, der sie entziffern kann, den Endsieg verspricht. Das Problem: Jeder, der sich damit beschäftigt, erhält übernatürliche Fähigkeiten und wird gleichzeitig verrückt. Die Waffe wendet sich gegen denjenigen, der sie erforscht. Nur einer wie Lewis Carroll, Mathematiker und fantasievoller Schriftsteller, könnte die Welt retten. Aber der ist schon lange tot.

Gibt es Formeln, die verrückt machen?

Gibt es solche Formeln wirklich? Erstaunlicherweise habe ich zwei davon entdeckt. Die erste beschreibt die sogenannte "Kontinuumshypothese", eine Vermutung, dass zwei unendlich große Zahlen einander gleich sind. Genauer gesagt: Nimmt man alle möglichen Zahlen, dann soll diese Menge (linke Seite der Formel) einer ganz anders definierten Unendlichkeit (rechte Seite der Formel) gleich sein. Um den mathematisch gebildeten Leser zu schockieren, habe ich die Formel hier aufgeschrieben (siehe Bild) (in Worten: zwei hoch aleph-null ist gleich aleph-eins)
Der erste, der diese Vermutung aufstellte und zu lösen versuchte, war der deutsche Mathematiker Georg Cantor (1845-1918). Als er sich intensiv mit dieser Frage beschäftigte, landete er in der Psychiatrie. Der nächste, der die Frage in Angriff nahm, war der österreichische Mathematiker Kurt Gödel (1906-1978). Als er sich intensiv mit dieser Frage beschäftigte, landete er in der Psychiatrie. Die Formel des Wahnsinns! Doch Gödel gelang wenigstens eine Teil-Lösung, und 1963 wurde die Frage schließlich mathematisch exakt gelöst: Es gibt keine Lösung. Was heißt: Die Mathematiker bewiesen, dass man diese Formel nie beweisen und auch nie widerlegen kann. Auch ein Ergebnis.
Mehr zu Gödel hier:
http://www.seniorbook.de/themen/kate...ten-mann-...

Ein weiterer Kandidat: die Riemannsche Vermutung

Die zweite Formel betrifft einen komplizierten Sachverhalt, die sogenannte Riemannsche Vermutung, deren Formel hinzuschreiben ich mich weigere, um den unbedarften Leser nicht zu gefährden. Wer sie beweisen oder widerlegen kann, erhält neben Ehre und Ruhm auch noch eine Million Dollar. Zusammen mit meiner Gattin sah ich einmal zufällig einen Film über den Mathematiker Bernhard Riemann (1826-1866) und seine Hypothese, und da wurde erklärt, dass einer der Mathematiker (ich glaube, es war John Nash, bekannt durch den Film "A beautiful mind") bei der intensiven Beschäftigung mit diesem Problem verrückt wurde.
Als ich gegenüber meiner Gattin im Anschluss an diese Sendung andeutete, dass ich, sozusagen als nützliche Freizeitbeschäftigung und zur Auffrischung der müden Gehirnzellen, demnächst beabsichtige, die Riemannsche Vermutung und die ihr zugrunde liegende "Zeta Funktion" zu programmieren, da verbot sie mir dieses im Hinblick auf die möglichen Folgeschäden für mein zartes Gemüt. Seitdem arbeite ich heimlich daran. Sollten Sie, verehrte Leser, in Zukunft irgendwelche Auffälligkeiten in meinen Schriften entdecken, dann wissen Sie, dass eine der Wahnsinnsformeln wieder zugeschlagen hat. Aber vielleicht bemerken Sie gar keine Unterschied ...