Zeltlager der Kinder
Zeltlager der Kinder

Zeltlager der Kinder

Beitrag von wize.life-Nutzer

Unsere Klasse möchte für ein paar Tage ein Zeltlager aufschlagen, der Platz ist von einem Vater einer Mitschülerin bereitgestellt, Zelte sind vorhanden und auch sonst ist Alles organisiert. Und wo liegt das Problem? frage ich meine 13 jährige Tochter. Unser Lehrer erlaubt es uns nur, wenn eine erwachsene Person die Aufsicht übernimmt, das heißt, die ganze Zeit, Tag und Nacht bei uns bleibt.

Aha, und wieso kommst du damit zu mir?
Meine Tochter kann so was von treuherzig schauen, ich selber habe ein paar Tage frei – also erkläre ich mich dazu bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

Das Zeltlager besteht aus 6 Hausmannszelten welche auf einer Wiese aufgestellt werden. Diese ist von 2 Seiten von Bäumen, von einer Seite von einem Bach eingegrenzt und von einer Seite offen. Der Bach ist aufgestaut und unterhalb der Staumauer hat sich ein kleiner Teich gebildet der bestens zum Baden geeignet ist.

Die Gruppe besteht aus 11 Mädchen, 2 Buben und dem Chef – mich. Die beiden Buben haben ein eigenes Zelt und die Mädchen verteilen sich lautstark in den anderen Zelten, was nicht ganz ohne Zwistigkeiten vonstatten geht. Ich habe mein eigenes Zelt mitgebracht, ein 2Mannzelt, welches sich unter den hohen Leinwand-Villen eher wie eine Hundehütte ausmacht.

Am ersten Abend soll es Pfannenkuchen geben. Erstaunlich, es ist alles dafür da; Mehl, Eier, Salz, Schmalz und sogar eine große, gusseiserne Pfanne ist vorhanden. Gekocht wird auf einem Gas-Kocher, welchen ich vorher fachmännisch angeschlossen hatte – gelernt ist gelernt. Nach einigen, vergeblichen Versuchen der jungen Leute die Pfanne zu handhaben wird diese Aufgabe mir zugetragen. Trotz ermunternder Zurufe weigere ich mich aber die Pfannkuchen, wie die Köche im Fernseher, durch elegante Bewegungen in die Luft zu befördern, diesen einen halben Salto vollführen zu lassen und mit der Pfanne wieder aufzufangen. Flamme kleiner drehen, Pfannkuchen mittels Pfannenschaber drehen, Flamme größer drehen, das Zelt füllt sich mit Rauch und der erste Pfannekuchen landet im Mülleimer. Warum dieser daraufhin umfällt weiß ich nicht aber meine Tochter meint; da wird sogar dem Mülleimer schlecht. Eine heftige Diskussion unter den angehenden Köchinnen entbrennt und die Grundmasse wird durch Zugabe von Diesem und Jenem angepasst. Schließlich klappt es doch noch und alle werden satt.

Leises Geschimpfe lässt mich in meiner Hundehütte wach werden und entsinne mich sofort meiner Aufsichtspflicht. Auf leisen Sohlen schleiche ich gebückt durch das Lager um dem Geräusch auf die Schliche zu kommen. Da sehe ich 2 mittelgroße Schatten um ein Zelt schleichen, einen Spannstift nach dem Anderen aus dem Boden ziehen um somit dem Zelt jegliche Form zu nehmen. Mit meiner tiefsten Stimme frage ich zornig; was ist denn da los? Das Gestotter der beiden, jungen Leute ist völlig unverständlich, zudem es, da sie blitzartig über die Wiese flüchten, immer leiser wird. Eines der Mädchen lugt aus der Zeltöffnung und erklärt mir, dass das ihre älteren Brüder waren – sie hatten ihr schon angekündigt, dass sie ihr in der Nacht einen Streich spielen wollen.

Am Morgen kommt das Jungvolk in Etappen aus ihren Behausungen, was für die Frühstückszubereitung sogar von Vorteil ist. Erste Mängel an der Ausrüstung werden festgestellt; da klemmt ein Reißverschluss, es fehlt an Verbandszeug das benötigt wird, weil sich ein Mädchen beim frühstücken in den Finger geschnitten hat, hier ist eine Fahrradkette raus gesprungen, ein aufblasbares Gummikrokodil hatte ein Loch, und so weiter. Ich helfe wo ich kann und plötzlich fängt einer der Buben an zu singen; da Werna wead´s scho richt´n, da Werna macht´s scho guad …..

Für Heute ist Baden angesagt. Alle verschwinden in den Zelten und kommen in Badekleidung wieder raus. Die Mädels mit ihren Schwimmreifen und Gummitiere unter den Armen, die Buben mit ihren Wasserpistolen bewaffnet, rennt die Meute unter lautem Gejohle zum Wasser. Ich freue mich über die Ruhe im Camp, da kommt eines der Mädchen heulend und mit ihren ganzen Sachen bepackt aus einem der Zelte. Ich gehe auf sie zu und frage sie nach dem Grund ihrer Traurigkeit. Sie hätte nicht schlafen können, wäre deshalb in den Morgenstunden nach Hause gegangen um dort zu schlafen und seit sie wieder hier sei hätte niemand mehr mit ihr gesprochen. Ich kann sie davon überzeugen, dass das bestimmt ein Missverständnis ist und wir gehen gemeinsam zu den Anderen, die in der Zwischenzeit bereits im Wasser rum toben. Alles mal herhören, die Kati ist wieder da, und ihr seid ihr doch sicher nicht böse, weil sie ein paar Stunden zu Hause geschlafen hat, oder? Das laut gebrüllte NEIN lässt das Mädchen wieder strahlen und schon ist sie im Wasser und planscht mit den andern um die Wette.

Fortsetzung folgt.

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