Rituale - eine Tasse Kaffe am Morgen
Rituale - eine Tasse Kaffe am MorgenFoto-Quelle: Julius Schorzman, http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:A_small_cup_of_coffee.JPG

Rituale des Alltags - warum wir nicht von unseren Gewohnheiten lassen wollen

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Haben Sie es heute schon getan? Mit Sicherheit! Denn jeder von uns hat seine ganz persönlichen lieb gewonnenen Rituale, die ihm helfen, den Tag zu strukturieren und ihm ein Gefühl der Geborgenheit geben. Und in jedem dieser Rituale liegt ein Zauber, der uns den Alltag versüßt.

Noch gar nicht so recht wach - vielleicht noch im Bademantel nach dem allmorgendlichen Dusch-Ritual - wird der Kaffee mit dampfendem Wasser aufgebrüht. Bald zieht der herrliche Duft durch die Wohnung und verwöhnt unsere Sinne. Ein erster Schluck, ganz heiß geschlürft, und schon tauchen wir ein in eine Welt der Geborgenheit. Wir lassen unsere Gedanken schweifen, träumen selbstvergessen vor uns hin.

Die Kaffeedose ist leer? Das kann uns den ganzen Tag vermiesen! Doch es ist nicht nur die geröstete Bohne, die uns gut tut - es sind die Gefühle, die wir fest mit dieser Situation verknüpfen. Der Kaffee ist dann oft nur ein Sinnbild. Zum Beispiel für die Ruhe vor dem Sturm. Denn ein Ritual steht fast immer für einen Übergang. Von der Nacht zum Tag, vom süßen Nichtstun zur Aktivität, von der Arbeit zur wohlverdienten Pause, vom Tag in die Nacht - von der Anspannung zur Entspannung und umgekehrt. Rituale helfen uns, loszulassen. Ohne uns das so recht bewusst zu machen, schließen wir etwas ab, beginnen etwas Neues…

Lichtblicke im Alltagstrott
Je hektischer der Tag, der vor uns liegt, je ungewisser die Umstände, desto wichtiger werden uns die kleinen Rituale. Sie geben uns im größten Chaos festen Boden unter den Füßen. Sie sind wir kleine Brücken, die uns über die Unannehmlichkeiten des Alltags tragen.

Wir entrinnen dem Alltagstrott, den Alltagssorgen und den Alltagspflichten und sei es nur für ein kurzes Weilchen. Ein Kaffee am Morgen - Mittags ein leckerer Imbiss. Bei einem Spaziergang die ersten, warmen Sonnenstrahlen genießen. Unterwegs ein Pläuschchen, das uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Nachmittags vielleicht ein Stück Kuchen? Abends das obligatorische Koch-Ritual. Beim Essen über den vergangenen Tag plaudern, die Nachrichten, ein Spielfilm. Dazu ein Stückchen Schokolade, ein Kakao oder das obligatorische Feierabendbierchen. Dann das Schlafzimmer lüften, Zähneputzen, vor dem Einschlafen noch ein Stündchen lesen, um sich schließlich auf der gewohnten Schlafseite gemütlich einzurollen.

Oasen der Geborgenheit
Auf angenehme Rituale freut man sich schon vorab wie auf einen guten Freund. Sie sind gesund, tröstlich und heilsam. Wir lieben unsere Gewohnheiten und wollen nicht davon lassen, weil sie uns Tag für Tag kleine Glücksmomente bescheren. Müssen wir darauf verzichten, dann fehlt uns etwas - wir fallen aus der Geborgenheit. Rituale geben uns ein Gefühl der Sicherheit und Verlässlichkeit. Egal, was passiert – sie sind immer da. Immer gleich und nach festen Regeln. Und man kann sie überall hin mitnehmen – sogar in den Urlaub.

Alles ist gut
Rituale kosten uns kaum Mühe und bringen doch so viel Zufriedenheit. Es sind intime Augenblicke, die uns ganz allein gehören. Und dann gibt es noch die, die wir mit sehr vertrauten Menschen teilen: Das gemeinsame Essen, ein Gutenachtkuss. Sie geben uns das Gefühl der Zusammengehörigkeit – wir sind Familie. Gemeinsame Rituale sind wie unsichtbare Bänder, die uns miteinander verbinden.

Oft bringen wir die Rituale schon aus unserer Familie mit in unser eigenes Leben. Und wir mögen es nicht, wenn andere uns dabei stören oder wenn sie durchbrochen werden. Auch deswegen fällt vielen Menschen der Übergang vom Arbeitsleben in die Rente schwer – sie müssen sich erst in den neuen Rhythmus einfinden, den Tag neu strukturieren, um wieder in das gewohnte Gleichgewicht – die Geborgenheit des Alltags - zurück zu finden.