DER GRAUE WOLF ....Märchen oder Biografie/Quadrologie Teil 4
DER GRAUE WOLF ....Märchen oder Biografie/Quadrologie Teil 4

DER GRAUE WOLF ....Märchen oder Biografie/Quadrologie Teil 4

Beitrag von wize.life-Nutzer

Frühling in Budapest. Es war ein wunderschöner Morgen, bitte lacht mich nicht aus, es war wieder einmal gegen …. 9 Uhr, da gab es auf einmal hoch über der Donau auf der Bastei ein großes Hallo. Was war geschehen, was war denn da zu dieser Zeit auf einmal los?? Nun, da rekelte sich ein grauer Wolf wohlig in der in der warmen Sonne. Die Menschen im Umkreis bewunderten das schöne Tier, aber aus respektvollem Abstand.
Als Zehin, der war es nämlich, genug hatte, erhob er sich langsam und würdevoll, schüttelte und streckte sich um sich dann gemächlich davon zu trollen. In den folgenden Tagen wurde unser Wolf immer wieder mal in der Stadt oder der näheren Umgebung gesehen. So auch an der Donau vor dem Parlament, wobei er jedoch sicher keine politischen Ambitionen hatte. Auch auf die Margaretheninsel kam er, dort spielte er mit den Kindern und versetzte sein überwiegend junges Publikum mit seiner Geschicklichkeit und Klugheit in Erstaunen. Ja, Zehin hatte inzwischen ein gutes Gefühl entwickelt, welche Menschen seine Feinde waren und welchen er trauen konnte.
Als so einige Wochen vergangen waren überkam ihn erneut die Unrast und er gab seinem Wandertrieb nach und er zog wieder einmal weiter, die Donau aufwärts. Er sah sehr viel, die Bäder von Tatabanja, die Bischofsstadt Györ, schöne Wälder, die prächtigen Donauauen, streifte Bratislava und kam über Hainburg endlich bis nach Wien.
Diese Stadt, ihre herrlichen Donauauen und den prächtigen Wienerwald, der sich direkt von der Stadtgrenze unendlich ausstreckte. Eine Waldlandschaft, die so voll Abwechslung war, hügelig, von Bächen durchzogen und streckenweise völlig unberührt. Zehin fand das alles einfach wundervoll und beschloss hier seinen Lebensabend zu verbringen. Na ja, Wölfe denken doch die Götter lenken.
Zehin hatte sich also hier bestens eingewöhnt, hatte gute Freunde gefunden und durchstreifte die Umgebung in allen Richtungen. Er war gewöhnt keine großen Ansprüche zu stellen und so fand er hier alles, was ihm zwar kein üppiges aber doch ein schönes Leben ermöglichte. So verging die Zeit, es gab keine besonderen Höhepunkte, aber auch keine Bedrohungen oder Sorgen. Und er fand auch Zeit und Gelegenheiten Ausflüge in das Land seiner Eltern, nämlich Süditalien, zu machen, besuchte auch einige Plätze an welchen er besonders glücklich gewesen war. Aber er lernte auch Berlin, London und Dublin kennen. Aber irgendwie hatte ihn seine Unrast verlassen. Er war jetzt zu Hause, oder wurde er langsam zu alt oder gar zu bequem?
Doch unser Wolf wurde nicht nur immer ruhiger, auch eine tiefe Traurigkeit befiel ihn. Eine bislang unbekannte Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit machte sich zunehmend in ihm breit. Er gedachte der Zeiten, als er mit Atina oder mit Ennamiera glücklich gewesen war, wie er mit Drega einst gespielt hatte und auch der Weibchen um die er ab und zu gekämpft hatte, aber dann doch nicht so recht mochte. Er sehnte sich nach einer geliebten Wölfin, die doch wohl unter diesem Himmelszelt zu finden sein sollte, die ihn auf seinen Streifzügen begleiten und Tisch und Bett mit ihm teilen würde. Für den Rest des Lebens sollten sie miteinander gehen. Aber so sehr er auch suchte, in seiner gewohnten Umgebung konnte er diese Wölfin nicht finden.
Ja, der graue Wolf… Die Fallen seiner Feinde und die Kämpfe mit seinen Gegnern hatten tiefe Narben hinterlassen und sein Fell ganz grau werden lassen. Und er war jetzt der Kämpfe müde, und einsam und sehnte er sich nach einer Gefährtin. Jeden Abend klagte er dem Mond, der schon so viel gesehen hatte, sein Leid. Sein Heulen klang traurig durch die Nacht, aber scheinbar ungerührt zog der Mond seines Weges über den nächtlichen Himmel. Sollte er für immer allein bleiben?
Doch eines Tages erbarmte der Mond sich endlich seiner und trug sein sehnsüchtiges Geheul zu einer Wölfin. Sie antwortete Zehin und obwohl er der Wölfin ganz gut gefiel, machte sie es ihm nicht leicht. Doch unser Wolf fand immer mehr Gefallen an ihr. Aber so oft er sie auch umkreiste, sie knurrte ihn an und biss ihn weg. Aber Zehin blieb beharrlich in ihrer Nähe und allmählich wurde ihr Knurren immer leiser, weniger bedrohlich, sogar freundlich und einladend.
Es verging nur kurze Zeit da sah man die beiden nur mehr miteinander rumtollen, schmusen und kuscheln und im gemeinsamen Lager war es nun richtig gemütlich. Zehin führte seine Wölfin zu all den schönen Plätzen, die er auf seinen Streifzügen von Wien aus kennen gelernt hatte. So waren gleich zwei Wölfe in der Wachau von Krems bis Melk zu sehen. Auch St.Pölten lernte seine Gefährtin so kennen. Das Gefühl für seine Gefährtin war in Zehin so tief innig und warm wie er es bis jetzt nur ein einziges mal, in seiner Kindheit, erlebt hatte. Und war es jetzt Schicksal, Fügung oder nur ein Zufall. Seine nunmehr heissgeliebte Wölfin hieß Drega. Genau so hatte sein Lebensretterin und einzige wahre Freundin auch geheißen.
Doch seine Wölfin lebte weit weg von Wien und konnte nicht sogleich weg. Sie meinte auch, sie hätten dort auch ein prachtvolles und großes Revier und vielleicht gefalle es ihm ja. Nun ja, sollte er auf diese Liebe wieder einmal verzichten müssen? So entschloss sich Zehin zu ihr nach Westen ins ferne Leipzig zu ziehen. Naja, anfangs hatte Zehin noch ziemliches Heimweh, aber dann überzeugten ihn die großen Auwälder und die schönen Seen, welche künstlich angelegt wurden. Auch die Menschen dort waren gemütlich, liebenswürdig und freundlich. Und Drega ließ ja außerdem noch die Möglichkeit einer gemeinsamen Rückkehr nach Wien offen.

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