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UN VIAGGIO  ...... wo ist mein daheim

UN VIAGGIO ...... wo ist mein daheim

12.03.2014, 11:27 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Es lag schon seit geraumer Zeit eine gewisse Spannung, die sich nicht exakt in Worte fassen ließ, in der Luft. Drega hatte sich zwar ursprünglich nichts anmerken lassen, aber schön langsam wurde ihr Zustand immer schlimmer und unübersehbar. Sie krümmte sich, sobald sie sich unbeobachtet glaubte, vor argen Bauchschmerzen zusammen und ihr Humpeln wurde immer schlimmer. Aber sie wollte ihrem Zehin, den sie ja so von ganzen herzen liebte, nicht mit weiteren Sorgen belasten, war er doch selber nicht sehr gesund.
Ja, die beiden wollten nach Wien fahren, wo Zehin einige medizinische Untersuchungen über sich ergehen lassen sollte ja und auch seine alten Freunde wollte er wieder sehen. Die richtigen Medikamente hatten letztlich eine Linderung der Schmerzen und damit eine Verbesserung für Dregas Gesundheit gebracht. Heimlich weinte jedoch seine Drega manchmal heiße Tränen, weil sie Angst hatte ihren Partner wieder zu verlieren, glaubte dass er vielleicht doch lieber wieder in Wien bleiben wolle. Dabei sollte sie sich lieber einmal die ständigen Liebesbeweise von Zehin vor Augen führen. Der Tag der Abreise rückte immer näher und es war bis jetzt nichts vorbereitet, einzig die Kosten waren gesichert. Ja und auch der Hauskater musste während der Abwesenheit der zwei versorgt werden, es würde ihm ja sowieso schwer fallen niemand auf der Nase rumtanzen und zum Aufstehen zwingen zu können. Und nach Belieben die Wohnung verlassen und rumstrolchen durfte er jetzt auch nicht mehr.
Aber dann ging es auf einmal Schlag auf Schlag, der Campingbus war in kürzester Zeit fahrbereit und auch alles Nötige eingeräumt. Auch Zehin, der ja bis dahin noch keine Erfahrung mit so einem großen Gefährt hatte, bestand die Probefahrt anstandslos und so konnten die beiden ihre Fahrt starten und sich auch beim Fahren abwechseln. Die Strecke ins ferne Wien war ja doch wirklich weit und der Wagen namens Moppel musste so circa achthundert Kilometer abspulen, das bedeutete mindestens zwölf Stunden Fahrzeit.
Dann kam der Donnerstag und so gegen neun Uhr räumten die Beiden noch die letzten Kleinigkeiten in den Wagen. Sie kontrollierten noch mal Wasser, Öl, prüften ob Bremsen, Blinker und Licht ordnungsgemäß funktionierten, dann wurde der Motor gestartet und die Reise begann. Start war in Leipzig und es sollte nach Wien gehen, die Heimat von Zehin und es gab zwei Optionen. Der eine Weg führte über Tschechien, wo man für die Autobahnbenützung zahlen musste, hatte aber für diese Gebühr nur eine fürchterliche Rumpelpiste zur Verfügung. Die zweite Möglichkeit war über Hof und Passau zu fahren und diese Strecke war zwar um Einiges länger, dafür kostenfrei und überdies war Drega schon einmal so gefahren und kannte daher den Weg, also fiel die Entscheidung nicht allzu schwer.
Nun so verlief die Fahrt problemlos und ohne Höhen und Tiefen. So eine Reise mit dem Wohnmobil ist schon irgendwie eigenartig, durch die riesige Panoramascheibe und der relativ langsamen Geschwindigkeit zieht die Landschaft gemütlich an einem vorbei. Großraumkino pur. Sie kamen nach dreizehn Stunden Fahrzeit, die nur durch eine größere Pause unterbrochen wurde, an ihrem Ziel in Wien an. Für diese Rast hatten sie sich einen schönen Parkplatz ausgesucht um sich ein schmackhaftes Essen, sowie starken Kaffee zuzubereiten, in dem Bus befand sich nämlich auch eine gut ausgestattete und wohl gefüllte Kochnische. Endlich in Wien angelangt schauten sie sich noch ein wenig die nächste Umgebung an und beschlossen dann auf einem Parkplatz in einer sehr ruhigen Gegend zu übernachten. Sie waren hier in einem relativ dünn besiedelten Außenbezirk gelandet, der sehr ruhig und grün war. Es waren nämlich die letzten Ausläufer des Wienerwald, der auf diese Weise bis fast in die Stadt reichte, der Campingplatz war nicht all zu weit und in das eine der beiden Spitäler, die hier lagen, mussten sie ja morgen früh. Es war ja nicht sehr sinnvoll für den Rest der Nacht noch die Campinggebühr zu zahlen. Nun der nächste Tag war für Zehin durch die ganzen Untersuchungen, wegen der er ja hier her gekommen war, sehr anstrengend. Zehin wurde auf Herz und Nieren geprüft, wurde noch und nöcher ausgefragt, dann auch noch geröntgt und musste noch auf seine Befunde warten. Anschließend suchte er noch seinen Hausarzt auf um sich seine Rezepte bestätigen zu lassen. Als auch das noch erledigt war, wurde der Bus auf dem Campingplatz gefahren, abgestellt und mit allen notwendigen Versorgungseinheiten verbunden. Inzwischen war es auch schon wieder Abend geworden, zum Glück war die Atmosphäre hier nicht turbulent, im Gegenteil sie war sogar sehr gemütlich und entspannend, so konnten sie nach einem opulenten Abendessen entspannt in die Betten gehen, um sich wirklich auszuschlafen.
Jetzt waren sie so weit, sie hatten sich Zeitkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel gekauft, mit dem eigenen Auto zu fahren war in dieser Stadt sinnlos, das Verkehrsnetz war so gut ausgebaut, dass man in kürzester Zeit an jeden Punkt hier gelangte. Zudem waren hier Parkplätze, wie in allen Städten rar und dazu durch entsprechende Gebühren sehr teuer. Schnell waren die Freunde angerufen und Verabredungen getroffen.
Ein großes Hallo begann als Zehin sein „Wohnzimmer“ besuchte, einem typischen wiener Beisl im selben Haus in dem er in Wien seine Wohnung hatte. Nun ja, auch wenn er nur kurz reinschaute, es war schön. Allerdings war er schon ein wenig traurig, als zwei der Stammgäste, mit denen er sich früher recht gut verstanden hatte, sich doch schon durch die Distanz und Zeit so weit von ihren gemeinsamen Interessen entfernt hatten, dass sie nichts mehr von Zehins Welt und seinem neuen Leben wissen wollten. Aber das konnte es verschmerzen und verbrachte mit seiner geliebten Frau eine kurzweilige Zeit hier. Sie besuchten auch ein nahe gelegenes Schaubergwerk mit einer tollen Seegrotte. Zehin zeigte Drega auch Sopron, mit seiner restaurierten schönen Altstadt, das ja nicht weit von der österreichisch-ungarischen Grenze lag und wohin er oft mit seinen Freunden einen Tagesausflug gemacht hatte. Und wie früher fuhren sie gemeinsam mit einem Freund und in dessen Auto, es war ja kleiner und wendiger als der Bus, der geduldig auf dem Campingplatz auf die zwei wartete. Doch auch diese Zeit ging, leider allzu schnell vorbei und so kam der Zeitpunkt des Abschieds, der Rückreise nach Leipzig, unerbittlich näher. Die Freunde gratulierten Zehin zu seiner so wunderbaren Frau und wünschten beiden alles Glück auf Erden und verstanden, dass er Drega zuliebe Wien verlassen hatte.
Und so wurde das Riesenrad, das sie so freundlich angelacht hatte, immer kleiner um schließlich ganz aus ihrem Blickfeld zu verschwinden. Am Stadtrand von Wien blieben sie noch einmal stehen um zurück zu blicken. Ganz spontan und stürmisch umarmte und küsste Drega ihren Zehin, der nicht wusste wie ihm geschah, immer wieder. Sie war so froh.„Gott sei dank muss ich nicht allein zurückkehren, es ist so schön, dass er offensichtlich bei mir bleiben will“, dachte sie bei sich und drückte ihn nochmal heftig an sich.

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