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Begegnung

Begegnung

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 14.03.2014 - 23:07 Uhr

Dieser Bahnhofs Geruch! Ich glaube, alle Bahnhöfe, die ich kenne ,riechen gleich. Obwohl die Züge schon lange nicht mehr mit Kohle angetrieben werden,liegt ein leicht brenzliger Geruch über Allem und kratzt in Hals und Nase. Vielleicht ist es aber auch nur Einbildung oder etwa Erinnerung an damals, als Züge wirklich noch so rochen. Ich jedenfalls muss mich räuspern .
So stehe ich also, nach dreistündige Fahrt, vergeblichen Versuchen, mich auf mein Buch zu konzentrieren, das ich mitgenommen hatte, um mich abzulenken von den Erwartungen, voll unruhiger Erwartung auf Bahnsteig elf, Stuttgart HBF.
So lange haben wir uns nicht gesehen, nicht miteinander geredet. Es sah ganz danach aus, als sei der Zauber verlorengegangen, der einmal zwischen uns funkelte. Als du dann angerufen hast, war es dein Lachen, das mich traf, wie beim ersten Mal. Und sofort wusste ich, dass ich dich wiedersehen will, dass ich mich auf den Weg zu dir machen würde, voller Ungeduld, ohne Vorbehalte.
Ein Jahr kann lang sein oder kurz. Drei Stunden können sehr lang sein, unendlich dachte ich unterwegs. Doch jetzt stehe ich hier, sehe mich um. Niemand da , der mich erwartet. In meinem Kopf purzeln die Gedanken durcheinander. Was bedeutet das? Habe ich dir nicht die richtige Ankunftszeit genannt? Bin ich zu früh? Bist du zu spät? Was konnte dich aufhalten? Hättest du mich nicht benachrichtigt, wenn du verhindert wärst?
Zehn Minuten stehe ich schon da und warte, wie fest gewachsen,Ich warte nicht gerne, nie.
Was also soll ich tun. Ich gehe langsam nach vorne, Richtung Lok und Ausgang. Mir ist klar, wenn ich den Bahnsteig verlasse, wird alles unübersichtlich, viele Menschen, mehrere Ausgänge . Wenn ich auf dem Bahnsteig bleibe, wirst du mich sicher finden,wenn du kommst. Wenn du kommst.
Gestern war ich sicher, dass wir uns sehen werden, und nun ist da das kleine Mädchen, das nie wusste, ob es dazu gehören darf, ob da jemand ist, der es liebt.
Ganz vorne am Bahnsteig, setze ich mich auf die erste Bank. Das Atmen fällt mir schwer, mir ist leicht schwindlig . Einen Schluck Wasser trinken, das wird mir guttun. Ich ziehe die Wasserflasche aus der Umhängetasche ,in der so viele unnötige Dinge Platz haben, die ich alle gern bei mir habe,wenn ich unterwegs bin. Notizbuch und Schreiber, Spiegel und Lippenstift, Nähetui, Brillenputztuch, ein Stück Rosenquarz,mein Lieblingsparfüm.
Einen Schluck trinken denke ich. Mein Mund ist trocken, ich nehme einen Schluck. Das Wasser ist nicht mehr frisch. Ich halte es eine Weile im ,Mund ehe ich schlucke, schraube die Flasche zu und will sie in die Tasche zurückstecken, die zwischen meinen Füssen steht.
Dabei fällt mein Blick auf nackte Männerfüsse in hellen Sandalen. Mein Blick wandert nach oben.Helle, enge Hose, rotes , weites Hemd. Er muss diesen Sommer viel draussen gewesen sein, seine Haut hat so einen Schimmer und das Grinsen reicht von einem Ohr bis zum andern. "Stehst du schon lange da?"frage ich und er lacht und antwortet: "ich schau dich halt gern an."

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26 Kommentare

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Süße Geschichte, die Gefühle von dir kamen sehr gut rüber.
Danke, freut mich,wenn es dich angesprochen hat
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toll
Bitte Carmen,wenn es dir nicht zu viel ist, kannst du mir sagen, was dir gefallen hat oder auch was dir nicht gefällt?
war wie bei einem Buch das mir gefällt ,,zulesen,,
es fesselte mich beim lesen,,war dabei fühlte mit,,wollte natürlich den Schluss wissen---wie ein gutes Buch das les ich mehrmals,,hab ich Deine Geschichte zweimal gelesen,,,weil es mir gefällt
Danke, das freut mich. Ich muss bei Gelegenheit den Text noch besser gliedern, hat zu viele Bandwurmsätze.
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Fast hätte ich gelacht über deine Schlusssätze.
Da hab' ich mich stehen sehen *g*

Relativ emotionslos - und doch fühlbar - hast du gut beschrieben, was dich alles so bewegte. Ein interessantes, ausgewogenes Bild. Gewünscht hätte ich mir etwas Gliederung im Text, es lässt sich besser ausruhen beim Lesen.
Ja danke für dein Interesse. Ich gebe zu, der Text muss noch gegliedert werden, ich hab das nicht über arbeitet, einfach laufen lassen.Das hat sich für mich bewährt. Wenn ich sofort dranrumtüftele verlier ich den Faden.
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Mir gefällt Dein Beitrag. Nicht wegen der Bahnhofsbeschreibung, sondern weil Du etwas von Dir erzählst (was Menschen denken und fühlen hat mich schon immer mehr interessiert als Ortsbeschreibungen). Ich finde Deine Beschreibung gut gelungen und für mich nach empfindbar.
Mir ging es auch mehr um die Emotionen in der Situation.danke für dein Interesse.
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Sehr schön beschrieben die Bahnhofsatmosphäre. Ich konnte ihn auch riechen.
Danke, Brigitte.Wenn du magst, lies weiter unten in Jandals Antwort, der erklärt so schön,warum es so riecht auf Bahnhöfen.
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Mir hat Deine Geschichte auch toll gefallen
Danke
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Sehr einfühlsam beschrieben. Eine lesenswerte Geschichte. Kenne den Stuttgarter Hbf. seit Jahren in- u. auswendig. Meine Schulfreundin wohnt in Leonberg ......... Gruß Marlies (64 J.)
Ich danke dir. Was wohl aus dem Bahnhof werden wird, vielleicht gibt Bahnsteig 11 bald nicht mehr?
Ja Monika, schöner wird der Bahnhof bestimmt nicht. Vielleicht so ein Flopp, wie der Berliner Flughafen ?? Ich fand den alten Stuttgarter Bahnhof ganz charmant. Gruß Marlies
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Schön geschrieben,gefällt mir
Danke
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Eine schöne Geschichte.
Bahnhöfe haben für mich so eine ganz eigene Atmosphäre, auch wenn man nicht wartet oder erwartet wie.
Danke für deinen Kommentar, mit den Bahnhöfen hat es was Eigenes, sie sind Schicksal Sorte, so oder so.
Schicksalsorte natürlich
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Es gefällt mir, dass Du den Einzelheiten so viel Raum gibst. Und in das kleine Mädchen konnte ich mich auch sehr gut hineinversetzten; manchmal fühle ich mich auch heute noch so (meint natürlich wie ein kleiner Junge ).
Schön geschrieben, liebe Grüße, Georg
Danke für dein Lob. Wir sollten auf die Kleinen in uns achten,wenn sie sich melden,sie sind gute Wegweiser.
Danke für dein Lob. Wir sollten auf die Kleinen in uns achten,wenn sie sich zeigen, sie sind gute Wegweiser.
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