Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten
Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten

Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten

Beitrag von wize.life-Nutzer

Als ich noch sehr klein war, da war ich alleine. Ich meine nicht im eigentlichen Sinn. Es waren immer Menschen um mich, die sich um mich kümmerten.
Ich fühlte mich – wie soll ich sagen – wie ein kleines Universum, das in sich geschlossen ist, das aber keiner besucht.

Damals lief ich immer in den nahe gelegenen Wald, wenn ich diese Leere nicht mehr aushielt. Es war kein weiter Weg.

Die Ortsstraße entlang ca. 200 Meter, vorbei an der kleinen Kapelle, beim gelben Haus des Schreiber-Bauern rechts, die Hühner verscheuchen, die dort immer herum liefen, kreuz und quer, dann auf den Feldweg.
Hier konnte ich schon aufhören zu rennen. Hier – links der Kuhstall und sein Geruch – floss rechts das kleine Bächlein und darüber wuchsen die ersten Bäume. Hier gab es die Dinge zu sehen, die mich aufheiterten: kleine Frösche vielleicht, die ich in die Hand nehmen konnte, oder frisch geschlüpfte Blätter, deren Weichheit ich zwischen Zeigefinger und Daumen spüren konnte, ohne sie vom Ast reißen zu wollen – sie sollten weiter leben. Oder eben erst erwachte Blüten, von keinem gesehen bisher und unglaublich schön.

So spürte, roch und sah ich mich diese Strecke entlang.
Die nächste Wegstrecke wollte ich wieder rennen! Über das freie Feld, entlang an einem Hopfengarten, vorbei an einer Sandgrube, die Sonne auf meinem Scheitel, den Wind im Haar – konnte ich den Wald schon riechen … gleich bin ich da.

Ich hab damals dort - nach langen Streifzügen - eine Lichtung entdeckt. Im Inneren gab es feines Gras, Waldgras, das viel weicher, kürzer und dichter ist, als das auf den Wiesen oder im Garten. Am Rand gab es kleine Erdbeeren und im Herbst Heidelbeeren.
Umgeben war die Lichtung von dichtem Wald, uneinsehbar für andere.
Einmal hab ich dort ein Reh gesehen, das direkt im Sonnenlicht stand und das ich über eine halbe Stunde lang in jeder Bewegung beobachten konnte, bevor es mich wahrnahm.

Aber das Schönste an dieser Lichtung war ein Baum, der halb im Schatten stand.
Ich weiß noch ganz genau, wie ich ihm das erste Mal begegnete. Ich war so sauer damals und voll von unausgesprochenen Dingen, die eh keiner hören wollte. Ich streifte umher, voller Energie und sah NICHTS um mich herum.
Und da war er plötzlich. Mit seiner unübersehbaren Rinde, so viele Kerben. Seinen mächtigen Wurzeln, die am Stamm in die Erde tauchten und an anderer Stelle wieder hervor kamen. Da waren richtige Höhlen, die diese Wurzeln geformt hatten.

Ich entdeckte eine Stelle an ihm, die mir genau den Platz bot, mich an ihn zu kuscheln. Das war komisch für mich, denn es kam mir so vor, als hätte der Baum es so gewollt, wäre so gewachsen, dass ich mich hier niederlassen konnte. Unter mir Moos, bequem und weich, an meinem Rücken der starke, von der Sonne warm geschienene Stamm und vor mir die Lichtung mit all dem wunderschönen Leben darauf.

Ich setzte mich in diese Baumkuhle und schlief ein.

Fortsetzung folgt, wenn Ihr wollt ...