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Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten

Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten

20.03.2014, 20:03 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als ich noch sehr klein war, da war ich alleine. Ich meine nicht im eigentlichen Sinn. Es waren immer Menschen um mich, die sich um mich kümmerten.
Ich fühlte mich – wie soll ich sagen – wie ein kleines Universum, das in sich geschlossen ist, das aber keiner besucht.

Damals lief ich immer in den nahe gelegenen Wald, wenn ich diese Leere nicht mehr aushielt. Es war kein weiter Weg.

Die Ortsstraße entlang ca. 200 Meter, vorbei an der kleinen Kapelle, beim gelben Haus des Schreiber-Bauern rechts, die Hühner verscheuchen, die dort immer herum liefen, kreuz und quer, dann auf den Feldweg.
Hier konnte ich schon aufhören zu rennen. Hier – links der Kuhstall und sein Geruch – floss rechts das kleine Bächlein und darüber wuchsen die ersten Bäume. Hier gab es die Dinge zu sehen, die mich aufheiterten: kleine Frösche vielleicht, die ich in die Hand nehmen konnte, oder frisch geschlüpfte Blätter, deren Weichheit ich zwischen Zeigefinger und Daumen spüren konnte, ohne sie vom Ast reißen zu wollen – sie sollten weiter leben. Oder eben erst erwachte Blüten, von keinem gesehen bisher und unglaublich schön.

So spürte, roch und sah ich mich diese Strecke entlang.
Die nächste Wegstrecke wollte ich wieder rennen! Über das freie Feld, entlang an einem Hopfengarten, vorbei an einer Sandgrube, die Sonne auf meinem Scheitel, den Wind im Haar – konnte ich den Wald schon riechen … gleich bin ich da.

Ich hab damals dort - nach langen Streifzügen - eine Lichtung entdeckt. Im Inneren gab es feines Gras, Waldgras, das viel weicher, kürzer und dichter ist, als das auf den Wiesen oder im Garten. Am Rand gab es kleine Erdbeeren und im Herbst Heidelbeeren.
Umgeben war die Lichtung von dichtem Wald, uneinsehbar für andere.
Einmal hab ich dort ein Reh gesehen, das direkt im Sonnenlicht stand und das ich über eine halbe Stunde lang in jeder Bewegung beobachten konnte, bevor es mich wahrnahm.

Aber das Schönste an dieser Lichtung war ein Baum, der halb im Schatten stand.
Ich weiß noch ganz genau, wie ich ihm das erste Mal begegnete. Ich war so sauer damals und voll von unausgesprochenen Dingen, die eh keiner hören wollte. Ich streifte umher, voller Energie und sah NICHTS um mich herum.
Und da war er plötzlich. Mit seiner unübersehbaren Rinde, so viele Kerben. Seinen mächtigen Wurzeln, die am Stamm in die Erde tauchten und an anderer Stelle wieder hervor kamen. Da waren richtige Höhlen, die diese Wurzeln geformt hatten.

Ich entdeckte eine Stelle an ihm, die mir genau den Platz bot, mich an ihn zu kuscheln. Das war komisch für mich, denn es kam mir so vor, als hätte der Baum es so gewollt, wäre so gewachsen, dass ich mich hier niederlassen konnte. Unter mir Moos, bequem und weich, an meinem Rücken der starke, von der Sonne warm geschienene Stamm und vor mir die Lichtung mit all dem wunderschönen Leben darauf.

Ich setzte mich in diese Baumkuhle und schlief ein.

Fortsetzung folgt, wenn Ihr wollt ...

20 Kommentare

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..schön geschrieben... da passt ja... Mein Freund der Baum...
  • 25.03.2014, 12:57 Uhr
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auch ich war als kind in meiner eigenen phantasiewelt allein, weil ich mich auch unverstanden fühlte.
ich lebte zwar in der stadt, aber jedes jahr, wenn ich mit meiner familie im sommer aufs land fuhr, freute ich mich schon auf den wald.
er hatte für mich etwas enorm beruhigendes.
er vermittelte mir das gefühl von geborgenheit.
ganz liebe grüße
barbara
  • 24.03.2014, 11:23 Uhr
Es geht weiter Barbara. Zumindest meine Geschichte, ich kann Dir aber nicht versprechen, dass sie schön bleibt ... leider ... aber ich danke Dir
  • 28.03.2014, 23:05 Uhr
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wunderschön geschrieben, barbara.
ich wollte gern eine fortsetzung hören (lesen).
alles liebe
auch barbara
  • 24.03.2014, 11:05 Uhr
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Liebe Barbara,das ist wunderschön geschrieben und könnte aus meiner Kindheit stammen . Soo viele Erinnerungen tauchen plötzlich wieder auf. Ich bin gespannt, wie es bei dir weiter geht. LG Heike
  • 21.03.2014, 16:12 Uhr
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Sehr realistisch beschrieben. Komme nach dem lesen richtig ins träumen ...... Freue mich auf die Fortsetzung !! Gruß Marlies
  • 21.03.2014, 14:03 Uhr
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Liebe Barbara auch mich erinnert deine Geschichte an meine Jugend. Auch ich habe den Wald mit seinen Bäumen und Tieren geliebt. Ich war zwar nicht wie du allein dort sondern immer mit meinen Freunden, aber wir haben soviel erlebt was ich nicht missen möchte. Danke und schreibe bitte weiter.
  • 21.03.2014, 13:44 Uhr
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Glücklich die, die sich diese Erlebnisse bewahren konnten - oder sie wiedergefunden haben.
  • 21.03.2014, 12:00 Uhr
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Das sind schöne Erinnerungen, ganz nah am Leben. Neudeutsch würde man "authentisch" sagen.
Mir geht es so ähnlich wie dir. ich fahre schon mal zweihundert Kilometer um in die Wälder meiner Kindheit zu besuchen, herumzustreunen und mich unter die schattigen Baumkronen zu setzen und mich wohl zu fühlen.
Für mich sind die Baumkronen die Kathedralen des Waldes, vielleicht sogar meine Religion.
  • 21.03.2014, 11:06 Uhr
Lieber Franz,
ich mag Deinen Kommentar! Danke dafür!
Das blöde ist nur, dass es oft nicht so bleibt, wie wir es uns wünschen, oder?
  • 28.03.2014, 22:48 Uhr
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Auch ich war ein Kind im eigenen Innenleben gefangen, voll Fantasie, die aber niemand verstand und ich liebe heute noch den Wald und vor allen die Bäume.
Weißt du dass heute der Tag des Waldes ist.
Deine Geschichte ist so berührend und anschaulich geschrieben, dass ich das Gefühl hatte neben dir herzulaufen, bo wohl noch Platz in der Kuhle wäre?
Freue mich schon riesig auf die Fortsetzung!
  • 21.03.2014, 04:24 Uhr
mir gings genauso, lore
alles liebe, barbara
  • 24.03.2014, 11:25 Uhr
Liebe Lore,
ich freu mich, dass Dir meine Geschichte gefallen hat. Jetzt geht es weiter und ich weiß nicht, ob Du weiter lesen wirst,
Meine Geschichte bleibt nicht schön ... ich erzähle aber weiter. Ich hoffe, dass Du dran bleibst. Liebe Grüße an Dich und Deine Fantasie.

@Barbara: Alles Liebe an Dich und Danke!
  • 28.03.2014, 22:34 Uhr
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das ist so anschaulich geschrieben,
der Baum meiner Kindheit hatte leider keine Höhle/ Mulde aber ich habe ihn geliebt, wenn ich zu ihm floh.
Und eine Fortsetzung wäre schön
  • 21.03.2014, 00:56 Uhr
Fortsetzung ist geschrieben.
Ich danke Dir für's Lesen und hoffe, Du liest weiter.
  • 28.03.2014, 22:29 Uhr
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