Kurzkrimi

Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich verlasse die A52 auf einen kurzen Mittagsschlaf und biege in eine Raststelle ein. Die Reifen trappeln über das Pflaster, dann passiere ich die Tanke und folge dem Pfeil zu den Parkplätzen.

Alle Parkplätze sind besetzt; Leute liegen auf dem Rasen in der Sommersonne.

Im LKW-Bereich finde ich einen Platz hinter einem Kleinlaster.

Per Tastentip will ich das Verdeck schließen und den Sitz in Schlafstellung bringen. Ein kurzer Rundblick noch, bevor ich absacke. Doch - mein Blick bleibt an einem stahlblauen Gegenstand hängen, den die Jacke einer der im Grase liegenden Person wohl verdecken sollte, hängen.

Ein Adrenalinstoß pustet die Müdigkeit fort.

Jetzt fällt mir auf, dass alle Personen vom gleichen Kaliber sind: jung, drahtig, glatzköpfig und alle halten sie einen Gegenstand mit ihren Jacken vor den Blicken etwaiger Zuschauer verborgen.

Meine Position ist schlecht, da mir der Fluchtweg versperrt ist. Also steige ich aus, gehe die paar Schritte zum Kleinlaster , klatsche mit der flachen Hand aufs Dach und rufe verhalten: Hau ab, gleich knallt´s.

Augenblicklich hatte sich der schreckstarre Fahrer gefangen, behielt die Stulle noch im Mund und startete durch.

Mein Blick galt wieder den Figuren im Gras: Sie hatten sich jetzt erhoben, hielten ihre Teile, vermutlich waren es Maschinenpistolen, noch verborgen und schauten in Richtung Tanke.

Solltest du verdurften oder bleibst du? - das war für mich jetzt die spannende Frage. Ich blieb. Und setzte mich ins Auto zurück, vergewisserte mich aber vorher, dass ich nicht in der Schusslinie stand.

Neben mir parkte ein großer Tanklaster.

Spannende Stille, brütende Hitze.

Auf dem Tanker tat sich offentsichtlich etwas. Da oben stand auch einer und hielt seine MP ganz offen in Anschlag in Richtung Tanke, wohin sich jetzt auch der Trupp hin bewegte.

Der Tanker verstellte mir die Sicht. Eine Länge vor und ich war wieder im Bild.

Mit großem Getöse landete ein Hubschrauber auf dem benachbarten Acker - Polizei.

Der Fokus aller Beteiligten richtete sich nun auf ein Geländemotorrad mit in Schwarz gekleidetem, behelmtem Fahrer, den die Polizei offensichtlich mit hohem Respekt und Vorsicht dirigierte.

Dann konnte ich noch erkennen, wie der wohlproportionierten Fahrerfigur der Helm abgenommen worden war. Blonde Lockenpracht kräuselte sich auf schwarzer Lederemontur .

Der Hubschrauber sprang an. Eine Staubwolke verhüllte den weiteren Ablauf vor meinem Blick.

Als ich gegen Abend wieder die Stelle passierte - ich hatte mir im Essener Folkwang-Museum Bilder von Egon Klimt angeschaut - dachte ich spontan: Na, s´klappt doch - mit der Emanzipazion.