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Strolch

Strolch

27.03.2014, 18:03 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ein kurzer Krimi? Da fällt mir eine skurrile Begebenheit aus dem Jahr 1954 ein. Kurz ist dieser Krimi deshalb, weil er schon nach 2 Tagen aufgeklärt wurde.
In unserer Nachbarschaft wohnte Herr Feldmann (alle Namen wurden geändert), ein pensionierter Finanzbeamter. Stets korrekt gekleidet mit Anzug und Krawatte ging der alte Herr jeden Nachmittag mit seinem Liebling, einem schön gebürsteten weissen Spitz spazieren. Damals war das in unserem Dorf noch eine Seltenheit. Die Nachbarschaft hatte wenig Verständnis und belächelte ihn deshalb. Feldmann`s wohnten in einem Einfamilienhaus. Der Garten war eingezäunt, damit Strolch nicht weglaufen konnte. Eines Abend`s stand Herr Feldmann vor unserer Haustür und fragte, ob wir seinen Hund gesehen hätten. Er ging von Haus zu Haus. Er suchte an der nahe gelegenen Bundesstrasse die Gräben ab und fragte auch an der Tankstelle. Nirgend fand sich eine Spur von Strolch. Nach einer schlaflosen Nacht suchte er weiter. Vergeblich, der Spitz war nicht zu finden.
Ein Nachbar sagte voller Mitleid zu dem verzweifelten alten Herrn: "Beim Bauer Grube wohnt doch der Flüchtling mit dem unaussprechlichen, polnischen Namen, fragen sie dort . Ich habe da mal was gehört."
Sorgenvoll näherte Herr Feldmann dem Hof. Neben dem grossen Bauernhaus stand damals noch ein alter Kotten aus dem 16. Jahrhundert. Ziemlich herunter gekommen, aber scheinbar doch noch bewohnt.
Die Deelentür stand offen. Hier war die Suche beendet. Seine schlimmsten Befürchtungen trafen ein.
In der Ecke auf der Erde lag ein mit Blut verschmutztes, ehemals weisses Fell. An einem Besenstiel hing der abgezogene Balg eines Hundes.
Es war ein trauriger Gang, dieser letzte Weg nach Hause, mit seinem besten Freund in einem, ihm widerwillig überlassenen alten Kartoffelsack.
Selbstverständlich verständigte er die Polizei. Der Beklagte gab an, dass seine Frau eine Lungenkrankheit hätte und das Hundefleisch ihr helfen würde. Die Leute waren alt und arm. Eine Geldstrafe hätten sie nicht bezahlen können. Nach einiger Zeit wechselten sie ihren Wohnort.
Die Frage, wie der Hund dort hin gekommen war wurde nie geklärt.

In der heutigen Zeit geschehen jeden Tag viel grausamere Verbrechen. Die traurigen Betroffenen fragen : "Warum". auch wenn es nur ein Tier ist.

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10 Kommentare

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Sehr sehr traurig, der alte Mann hat seinen besten Freund verloren und der "Mörder" sah das Tier nur als willkommenen Braten.
Gut geschrieben.
  • 29.03.2014, 02:30 Uhr
Ja Lore, so ging es mir damals auch und darum habe ich es wahrscheinlich auch nicht vergessen. L.G. Marga
  • 29.03.2014, 14:19 Uhr
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Mir fehlt die Spannung - Krimi?
  • 28.03.2014, 11:05 Uhr
Ja, da hast du recht.
  • 28.03.2014, 11:15 Uhr
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Aus heutiger Sicht ein brutales Verbrechen.
Doch sollte man nicht vorschnell verurteilen.
Die Zeiten damals waren schrecklich hart, viele Menschen litten Hunger.
Ein Tier galt damals rechtlich noch als "Sache" - zum Glück ist das heutzutage anders. Doch wenn man einen Blick in die modernen Schlachthöfe wirft, wird man nie mehr auch nur einen einzigen Bissen Fleisch anrühren - sehenswert: entsprechende Videos auf "you tube".
Wir machen es uns zu leicht: ein Hund /Katze gehört zur Familie, ein "Nutztier" (allein schon dieser Ausdruck, schrecklich!), darf unter grausamsten Umständen umgebracht werden und wird dann auch noch mit Appetit verzehrt.
Neu geborene Kälbchen oder Schweine finden alle "süß", aber deren Fleisch auf dem Teller wird nicht verschmäht.
Das ist Doppelmoral der heuchlerischsten Art!
  • 28.03.2014, 07:55 Uhr
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Mein Hund ist vor 5 Jahren eines natürlichen Todes gestorben--ich habe heute noch damit zu tun.Ich weiss nich was ich gemacht hätte wenn sich,egal wer, an
meinem Hund vergriffen hätte....
  • 27.03.2014, 20:08 Uhr
und doch müsste man es hinnehmen. Aber inga hat es oben schon geschrieben. Jetzt ist ein Tier keine Sache mehr. L. G. Marga
  • 28.03.2014, 11:14 Uhr
DAS wollte ich ja mit meinen Zeilen sagen......
  • 28.03.2014, 11:24 Uhr
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Eine Geschichte die das Leben echt geschrieben hat, Marga. Du hast vollkommen recht, in der heutigen Zeit gibt es Schlimmeres. Was hätte der alte Herr auch tun können, für ihn selbst war es das Schlimmste was ihn passieren konnte.
  • 27.03.2014, 18:13 Uhr
Ja Günter, so sehe ich das auch.
  • 28.03.2014, 11:11 Uhr
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