Sammelwut: "Friedhof der Schmetterlinge"
Sammelwut: "Friedhof der Schmetterlinge"Foto-Quelle: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/22473727, Rumtreibär

Sammelwut – nur eine liebenswerte Macke oder schon ein Messie?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die einen sammeln Gartenzwerge, die anderen Briefmarken aus aller Welt. Die Liste der Gegenstände, die unter Sammlern beliebt sind, ist beinahe endlos: Bierdeckel, Münzen, Streichholzschachteln und Antiquitäten, Schmuckstücke, Autogramme, Schallplatten, Bücher, Geweihe, ausgestopfte Tiere, Spielzeug und Porzellanfiguren.

Erstaunlicherweise findet sich für beinahe alles auch ein Liebhaber – selbst für so unhandliche Dinge wie Waschmaschinen, Kinderwägen und Traktoren.

Sammler aus Notwendigkeit und Leidenschaft
Das Sammeln liegt uns in den Genen. Menschen legten schon zu Urzeiten Vorräte an und bewahrten Gegenstände, die ihnen irgendwie von Nutzen schienen wie Nahrung, Felle und Brennholz, aber auch Überreste erbeuteter Tiere oder Totenschädel sorgsam auf. Gesammelt wurde, was wertvoll erschien. Dazu gehörten auch Dinge, die dem religiösen Kult dienten. Später - vor allem in Notzeiten - erwies sich das Horten bestimmter Gegenstände immer wieder als Überlebensgarant, selbst bis in unsere jüngste Geschichte hinein. Begehrt waren Sammelobjekte auch am Hofe der Herrscherhäuser. Die Fürsten ließen sich in ihrer Sammelwut nichts entgehen, was ihre Macht und ihren Ruhms mehren konnte, wie zum Beispiel Kunstgegenstände oder Reliquien.

Jedem seine ganz persönliche Macke...
Auch heute ist die Begeisterung für das Sammeln von Gegenständen ungebrochen, besonders für solche, die im Wert mit der Zeit steigen. Doch was um alles in der Welt ist der tiefere Sinn einer Sammlung von Gartenzwergen oder bunten Plastik-Figuren? Auch die Kleiderberge mancher Leute geben Rätsel auf - wozu brauchen Frauen wohl an die Hundert Paar Schuhe, die sie ohnehin niemals tragen?

Sammelwut kennt keine Altersgrenze, aber mitunter eben auch keine Schmerzgrenze. Da wird schon mal der Dachboden, der Keller und so nach und nach auch der gesamte Wohnraum mit dem kostbaren Sammelgut verstellt. Auf dem Sofa findet kein Besucher mehr Platz, weil dort Armeen von Puppen und Teddybären fein säuberlich drapiert sind und das wohldurchdachte Arrangement duldet natürlich auch keine Eingriffe von unbefugter Hand, denn diese könnten das harmonische Gleichgewicht empfindlich stören.

Sammelwut und Realitätsflucht

So manche Wohnung ähnelt mehr einem Museum oder einer Kultstätte für Devotionalien, an denen - aus für Außenstehende oft unerfindlichen Gründen - das Herz ihres Besitzers hängt. Doch einige Menschen überschreiten in ihrer Sammelwut ein gesundes Maß an Leidenschaft deutlich und die Fülle dessen, woran sie ihre Seele hängen, stört unser Ordnungsempfinden erheblich.

Manchmal wird die Jagd nach Trophäen zum Zwang, die Sammelwut zur echten Sucht und die Sucht schließlich zur Flucht aus der Realität. Es klingt wie ein Widerspruch in sich, doch Messies leiden inmitten der überwältigenden Massen ihres Sammelguts an einem tief empfundenen Mangel. Sie setzen alles daran, das große Loch in ihrer Seele zu füllen – mit immer mehr von dem scheinbar so unsinnigem und überflüssigem Sammelsurium.

Messie - wenn die Welt im Chaos versinkt

Sie horten geradezu besessen und allein der Gedanke, sich von ihrem „Schatz“ zu trennen, löst bei ihnen existenzielle Ängste aus. Denn der überlagert zumindest im Außen das, was sie im Innersten so quält: Einsamkeit und bittere Leere. Auch wenn die Sammelwut exzessive Formen annimmt und das Sammelgut in unseren Augen so gar keinen Wert besitzt – für den Messie bedeutet es alles: innere Ausgeglichenheit, Ordnung und Geborgenheit.