Der Staubsauger
Der StaubsaugerFoto-Quelle: ©birgitH / www.pixelio.de

Der Staubsauger

Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich ließ nur einen Brotkrumen fallen und schon stießen zwei metallene Stifte in die Steckdose. Ein Knopfdruck und die grässliche Maschine heulte auf und saugte über den Küchenfußboden, lechzte besessen um jedes Stuhlbein herum, und manche Schnake endete bedeutungslos in dem erhitzten Rüssel, wurde gegrillt und verreckte im Staub einer Woche, bereit für den letzten Gang zur Mülldeponie.

Und heute am Sonntag schlugen wir das Frühstücksei auf. Die Schale brach und wir pellten sie ab. Es folgte der Test. Mit einem Löffel drückte ich in die zarte Haut. Verflucht. Das Eigelb schoss heraus, mein Daumen vollgesabbert. Entsetzt riss meine bessere Hälfte ihre Augen auf, als ob aus dem Daumen Blut ausströmte und sprang hektisch in die Höhe. „Bleib sitzen, menno!“ Aber sie war schon weg. Rumpeln und Geklappere in der Besenkammer. Sie kam zurück mit dem Staubsauger. Das Mistding fraß Krümel und Eierschalen von den Tellern, wütete über die Tischdecke und saugte sich an dem Stoff fest. Ganz langsam verschwand die Decke in dem aufgerissenen Maul. Kaffeekanne und Eierbecher kippten. Das Porzellan klirrte.

Der Staubsauger war noch nie so gierig wie an diesem Tag. Er leckte das Eigelb auf, trank den Kaffee, krallte in die Scherben, und weil mein Daumen immer noch voll vom Eigelb war, machte sich der verdammte Rüssel über ihn her, leckte ihn sauber, knabberte am Nagel und riss ihn vom Fleisch. Ich schrie, als ob ein Haifisch vor meinen Augen sein Maul aufgerissen hätte und sah mich schon in dem Rohr verschwinden, gegrillt wie eine Schnake, verreckt im Staubbeutel. Doch plötzlich schoss mir eine Idee durch den Kopf. Mein Leben schien gerettet. Mit der freien Hand griff ich nach dem Brotmesser und sägte den Daumen ab. Gierig schmatzte der Staubsauger. Ich blutete wie verrückt. Damit hatte ich in der Eile nicht gerechnet und die Tischplatte war versaut. Der Sauger ließ nicht auf sich warten. Das Blut musste weg. Ich aber hatte endgültig die Schnauze voll und riss ihr den Staubsauger aus den Händen. Nicht ich, das elende Scheißding musste dran glauben. Ich schlug ihr den Fressrüssel über den Schädel. Sie fiel um und ich zertrümmerte das Gehäuse der Maschine auf ihrem Gesicht, sodass es auseinanderbrach. Bei dieser Aktion flutschte der Stecker aus der Steckdose, sodass das Brummen endlich aufhörte. Tatsächlich, ich habe überlebt. Die Schnur wickelte ich fest um den Arm und brachte die Blutung zum Stehen. Einen Staubsauger rührte ich nie mehr an.

©MartinStauder