Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten - Teil 2
Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten - Teil 2

Freundschaft – in guten und in schlechten Zeiten - Teil 2

Beitrag von wize.life-Nutzer

… Ich setzte mich in diese Baumkuhle und schlief ein.

Kannst Du mich hören?
WAS?

Ob Du mich hören kannst, kleines Mädchen!
Ich bin gar nicht so klein, wie Du meinst.

Warum weinst Du?
Niemand hört mich. Ich fühle mich wie unsichtbar.

Aber Du kannst MICH sehen, nicht wahr?
Ich kann Dich mit meinen Händen spüren. Du bist rau und ich glaube, Du bist sehr alt. Bist Du lebendig?

Ich bin älter und größer, als Du Dir denken kannst. Ich war schon hier, bevor alles passiert ist, was jetzt ein Mensch weiß.
Was ist denn passiert?

Wir sind erwacht. Dann sind wir erstarrt. Die Welt ist eine Welt in der Welt.
Das verstehe ich nicht.

Weißt Du, was es bedeutet beweglich zu sein?
Ja klar. Ich bewege meine Finger. Ich kann mit ihnen zum Beispiel über Deinen Stamm streichen und ein Stück von Deiner Borke abmachen.

Und wenn Du das nicht könntest?
Dann wäre ich … dann könnte ich nicht … meinst Du, dass ich dann wäre, wie ein Playmobil-Männchen, das sich nicht selbst bewegen kann, sondern nur durch andere Menschen bewegt wird?

Ja.


Ich wache auf. Es ist fast dunkel. Alles wirkt plötzlich unheimlich. Da drüben … ist da ein Wesen? Bewegt sich da nicht etwas?
Ich greife hinter mich. Erleichterung! Mein Baum, das Gespräch mit ihm – es ist alles echt. Und ich kann aufstehen, meine Glieder strecken und mich in seiner Sicherheit wiegen.
„Zurück nach Hause“ ruft er mir zu – wie ein Erinnerungsecho.


Viele Jahre später.


Inzwischen muss ich zur Schule gehen. Die ersten vier Jahre waren gut. Ich habe gelernt besser zu Schreiben, als mein Bruder mir es eh schon beigebracht hat. Es ist schön!
Und ich habe eine Freundin gefunden. Sie heißt Fee. Ja wirklich!
Und sie lebt mit ihren Elten in der Stadt, in einem Haus mit einem fantastischen Garten. Da sind überall – versteckt in Hecken und Büschen – kleine Figuren. Ich weiß, dass sie nur aus Ton sind, ich liebe sie aber trotzdem!


Und ich mag Fee. Sie hat mir einen Brief geschrieben.

Zwischen Herzen und Sternen steht da:
Ich bin Fee und Du bist Barbara. Magst Du meine Freundin sein? Ich will. Du auch?

Diesen Brief hat sie mir im Unterricht zugesteckt. Ich habe mir zu viel Zeit gelassen zu antworten, denn zwei Wochen später verschwand sie – ohne jede Erklärung – einfach aus meinem Leben.

So weit aus meiner Erinnerung. Mögt Ihr hören, wie es weiter geht?