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Botschaft einer Lehrerin

Botschaft einer Lehrerin

30.03.2014, 13:29 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin.

Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. "Wirklich?" hörte man flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgend jemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen" waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler im Auslandseinsatz gefallen und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Sie hatte noch nie einen Soldaten in einem Sarg gesehen - er sah so stolz aus, so erwachsen. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt hatte, ging am Sarg vorbei und erteilte ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den Sarg trugen zu ihr: "Waren Sie Mark's Mathe-Lehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen."

Nach dem Begräbnis waren die meisten von Mark's früheren Schulfreunden versammelt. Mark's Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben" sagte Mark's Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Ronald lächelte ein bisschen und sagte, "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch". Jens‘ Frau sagte, "Jens bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben." "Ich habe meine auch noch" sagte Rebecca. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Doreen, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte sie und meinte dann ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden.

Viele Jahre habe ich diese Art gewählt, um bei meinen Schülern und Auszubildenden die Sicht auf die positiven Seiten eines Menschen zu lenken. Sehr oft hat es im Miteinander erhebliche Fortschritte gebracht, die sich auch auf die Lernmotivation auswirkten.

Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind.

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13 Kommentare

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Ein wunderschöner Beitrag Gisela, du warst bestimmt eine gute Lehrerin.
  • 16.04.2015, 20:29 Uhr
Danke, Anette. Ich war es mit Leib und Seele und war über jeden Erfolg der Schüler, die über sich hinauswuchsen, glücklich. So ist es zu erklären. Deshalb tut es mir heute oft weh, wenn ich es höre, wie einige eben nur damit ihr Geld verdienen.
  • 16.04.2015, 20:37 Uhr
Auf diese Idee ist keiner von unseren Lehrern gekommen. Mit Kritik waren sie schnell. Aber ich glaube, das wird immer schlimmer, auch in den Familien spart man mit Lob.
  • 16.04.2015, 20:47 Uhr
Das ist das Problem, Anette. Aber noch wichtiger sind Regeln und Grenzen für die Jugend. Die gibt es ja kaum noch.
  • 16.04.2015, 20:50 Uhr
Gila, das nennt sich jetzt Freiheit. Jede Affenherde hat nen Boss, es gibt ja soo viel Kluge.
  • 16.04.2015, 20:55 Uhr
und hochbezahlte, Babsi.
  • 16.04.2015, 20:57 Uhr
Ich hab mit 495 Mark angefangen und nach dem Studium bekam ich 675Mark. Lachhaft, oder? Aber das war viel Geld. Mein Vater hatte bei der Reichsbahn als Hauptbuchhalter 405 Mark. Und wir konnten damit gut leben.
  • 16.04.2015, 21:00 Uhr
Ha, meine Mutter hatte weniger. An studieren konnte ich nicht denken. Jetzt will keiner mehr.
  • 16.04.2015, 21:08 Uhr
Meine Mutti auch. Ich hab ihr dann immer heimlich mal was zugesteckt oder einfach was mitgebracht, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte.
  • 16.04.2015, 21:17 Uhr
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Beifall, Gisela
  • 30.03.2014, 17:58 Uhr
Danke, Manfred, schön, dass du hier warst.
  • 30.03.2014, 19:13 Uhr
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ganz schöne Geschichte, habe sie ein wenig abgewandelt schon bei einem Klassentreffen meiner einstigen Schülern angewendet. Die nun erwachsenen Schüler mussten sich an ihre beste Freundin oder Freund aus der Schulzeit erinnern und darüber erzählen. Da waren ein paar nette Beiträge und auch Überraschungen dabei.
  • 30.03.2014, 13:41 Uhr
Das kann ich mir lebhaft vorstellen, Kunigunde. Habe viel mit Positiv- und Negativlisten gearbeitet im Laufe der Jahre. Ich bereite gerade etwas in der Art für den 50. Jahrestag des Abiturs vor. Wünsche dir noch einen sonnenscheindurchfluteten Sonntagnachmittag.
  • 30.03.2014, 15:11 Uhr
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