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Atemlos

Atemlos

31.03.2014, 10:38 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ein Tag wie jeder andere, noch den Schlaf in den Augen steigt sie aus dem Bett und läuft tastend den dunklen Flur entlang zur Küche. Jeder Handgriff tausendmal geschehen, Tischdecke auflegen, Tassen und Teller auf den Tisch stellen, Kaffemaschine in Gang setzen. Immer genau viereinhalb Striche Wasser einfüllen, Filter einlegen, vier Löffel Kaffee, einschalten. Nun noch die Marmeladengläser auf den Tisch, und die Butter aus dem Kühlschrank und die Brötchen zum Überbacken in die Mikrowelle legen. Da sitzt sie nun noch müde von der kurzen Nacht, dem langen Abend. Kein schöner Abend, wieder viel Streit um das sich ständig steigernde Betrinken ihres Mannes . Zum Schluss noch, und das nicht zum ersten Mal, Gewalt im Ehebett, und niemand hörte ihre Schreie und das Wimmern.

Zusammen gesunken sitzt sie da, die Kaffeemaschine gurgelt vor sich hin und der Teller der Mikrowelle dreht sich ratternd im Kreise. Eine Runde , zwei Runden, nicht mehr zu zählen all die Runden, wie all die Jahre die vergangen sind und nun im Zeitraffer durch ihren Kopf ziehen.

Nicht zu hören, das Röcheln aus dem Schlafzimmer, die leiser werdenden Rufe, das Herunterfallen der leeren Asthmaspraydose vom Nachttisch ihres Mannes.
Einfach nicht zu hören.

Mckenrodt 2014

19 Kommentare

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Gute Geschichte, Werner, und gut geschrieben.
Obwohl ich eigentlich denke, dass kein Mensch das Recht hat, einem anderen das Leben zu nehmen (lebenslänglich Wegsperren dagegen schon), habe ich am Ende spontan gedacht: "Lass das Schwein verrecken, selbst wenn du ihn hören solltest und selbst wenn du weißt, dass seine Asthmaspraydose leer ist!"
In bestimmten Situationen ist Zivilisation wohl wirklich nur Tünche und verdeckt archaische Urtriebe.
  • 08.04.2014, 00:53 Uhr
Danke Georg, ist eine kompliziertes Frage ohne schlüssige Antwort, mit der aber nicht wenige verzweifelte Menschen täglich zu leben haben.
haben.
  • 08.04.2014, 08:53 Uhr
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Man kann sie verstehen. Guuuuut geschrieben !
  • 06.04.2014, 11:53 Uhr
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Beklemmend, doch dann die Befreiung! Sehr gut geschrieben!
Eine Frage sei erlaubt: Warum hast Du diese Geschichte nicht in der
Schreibwerkstatt eingestellt? Bin einfach nur neugierig!
  • 31.03.2014, 21:06 Uhr
Hallo Inga, erstmal Danke fürDeine Zeilen. Zu Deiner Frage,ich habe den Beitrag mit dem Index Schreibwerkstatt versehen aber unter der Themenwelt Geschichten die das Leben schreibt eingeordnet.
Wie funktioniert den die Einstellung Schreibwerkstatt, muß da unter Themenwelt gleich die Schreibwerkstatt gewählt werden ?.
  • 01.04.2014, 08:43 Uhr
Hallo Werner,
ja, am besten bei Themen/Schreibwerkstatt und dann das aktuelle Reizwort, z.Zt. "Kurzkrimi", dann klappt es.
"Geschichten, die das Leben schreibt" , ist eine andere "Baustelle".
Eine sehr gute, hat aber mit der Schreibwerkstatt nichts zu tun.
Darin lese ich -aus Zeitmangel- nur sporadisch, habe Deinen tollen Beitrag deshalb nur durch Zufall entdeckt.
Einen schönen Tag und liebe Grüße, Inga
  • 01.04.2014, 12:00 Uhr
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Kurz und spannend. Die Geschichte weckt Symphatie für eine Mörderin. Mir wird kalt.
  • 31.03.2014, 18:14 Uhr
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Danke Kunigunde,Christine,Petra ,Karin und Sabine,so nette Bewertungen spornen natürlich zu weiteren Kurzgeschichten an.
Liebe Grüße Werner
  • 31.03.2014, 16:18 Uhr
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war kein schöner Tod, , aber ein guter Kurzkrimi
  • 31.03.2014, 15:49 Uhr
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Ich finde die Geschichte sehr gut erzählt und kann mich aus eigenem Erleben selbst darin finden.
  • 31.03.2014, 13:35 Uhr
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Werner,wie aus dem wahren Leben geschrieben.Gefällt mir sehr gut
  • 31.03.2014, 13:17 Uhr
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Eine schöner kurze Krimi, der mir sehr gut gefällt, nur an der entscheidenden Stelle, wo erzählt wird, der Mann habe sich wider betrunken und der Streit im Ehebett, da wünsche ich mir eine Ausdrucksweise, die das Geschehen dieses Dramas unmittelbar nah darstellt, sodass es dem Leser hier schon unter die Haut geht. Insbesondere meine ich die Stelle "um das sich ständig steigernde Betrinken ihres Mannes.".., das Partizip sich leicht vermeiden ließe, indem du einfach direkt und klar schreibst in etwa so: z.B. ihr Mann war voll bis oben hin..., oder so ähnlich. Dann wäre der Leser näher dran am Geschehen und die Geschichte fesselt dann wirklich.
  • 31.03.2014, 10:56 Uhr
Danke Martin, ich glaube Du hast recht, habe an dieser Stelle selbst überlegt ob ich die Szene ausgestalte oder so flach halte.
Also ruhig so freundlich kritisch bleiben. Hilft mir.
  • 31.03.2014, 16:10 Uhr
ok. Danke, Werner.
  • 31.03.2014, 16:17 Uhr
Also Frank, Dein Philantropismus in allen Ehren, aber die Frau ist
AUCH ein MENSCH und wurde jahrelang malträtiert!
Ihr Leben ist zerstört. Nicht, dass ich Tod durch Unterlassen befürworte, aber in diesem (fiktiven) Fall habe ich durchaus Verständnis für die geqälte Frau
  • 31.03.2014, 21:10 Uhr
Frank, das ehrt Dich.

Aber Anzeigen? Bei der Polizei? Opfer = Frau, ohne Zeugen? Chance: 0,0 - ich weiß, wovon ich rede!!!!

Falls er überhaupt verurteilt würde, dann nur "auf Bewährung" und er macht munter weiter, aber vorsichtiger, um nicht nochmal überführt zu werden.
Frauen sind in solchen Fällen immer die Verlierer. Ich habe jahrelang ehrenamtlich für das Frauenforum Rosenheim gearbeitet.
Glaub´ mir, ich könnte Bücher schreiben - es wären keine schönen.
Zu glauben, dass die Polizei in solchen Fällen den Frauen hilft, ist so, als würde man an den Weihnachtsmann glauben, leider.
  • 31.03.2014, 21:45 Uhr
Vielen Dank, Frank!
von Dir würden sich sicher viele Frauen gerne entführen lassen!
  • 31.03.2014, 23:10 Uhr
Frank,
das ist eine sehr gute Idee!
Dann kommt die Hilfe dort an, wo sie hin soll.
  • 01.04.2014, 06:38 Uhr
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Einfach toll geschrieben, werde meine Gänsehaut gar nicht los...
  • 31.03.2014, 10:53 Uhr
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