Rache ist süß – wo beginnt die Kränkung und wie geht man damit um?
Rache ist süß – wo beginnt die Kränkung und wie geht man damit um?Foto-Quelle: Nicolaus Pruknerus, Guido Bonatti, De Astronomia Libri X (Basel, Nicolaus Pruknerus, 1550), http://commons.wikimedia.org/wiki/Fi...bonatti.png

Rache ist süß – wo beginnt die Kränkung und wie geht man damit um?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Wirklich geschützt vor dem giftigen Stachel der anderen ist im Grunde keiner von uns. So manche Kränkung können wir mit einiger Lebenserfahrung an uns abperlen lassen, doch manchmal trifft uns eine Verletzung in unseren tiefsten Gefühlen. Selbst dann wenn sie vielleicht nur als humorige Randbemerkung daher kommt. Wo beginnt also die Kränkung? Was geht uns wirklich unter die Haut? Sind wir mitunter allzu empfindlich und welche Reaktionen sind berechtigt und angebracht?

Niemand steht gerne im Rampenlicht der Kritik, vor allem dann, wenn diese noch nicht einmal gerechtfertigt ist. Demütigungen und herabsetzendes Verhalten gehen uns ans Gemüt, besonders wenn sie mit einer öffentlichen Bloßstellung verbunden sind. Gegen verbale Verletzungen können wir uns immerhin wehren, doch daneben gibt es noch viel subtilere Formen der Kränkung, die uns mitunter hilflos und wütend machen: wenn wir einfach übersehen oder gar mit abschätzigen Blicken bedacht werden.

Kränkung macht krank
Kränkungen wirken wie schleichendes Gift. Sie nagen an unserer Seele. Sie lassen längst vergessene Verletzungen wach werden, die oft Jahrzehnte zurück liegen, und können das Selbstwertgefühl erheblich ins Wanken bringen. Wir fühlen uns verletzt und hegen finsteren Groll gegenüber demjenigen, der auf unseren Gefühlen herumtrampelt. Wir spüren die Kränkung sogar körperlich: sie raubt uns den Atem, versetzt uns Stiche in der Herzgegend, sie verursacht einen dicken Kloß im Hals und macht uns sprachlos. Kränkungen können tatsächlich krank machen. Besonders wenn wir sie wieder und wieder herunterschlucken. So lange, bis sie uns schließlich auf den Magen schlagen.

Auge um Auge, Zahn um Zahn...
Aber wie geht man mit Kränkungen um? Das Schmollen in der Opferrolle ist wohl die schlechteste aller Lösungen. Auch die biblische Taktik, die andere Wange hinzuhalten, ist bei den meisten Menschen nicht sehr beliebt. Zeigt man dem Gegenüber also besser die kalte Schulter? Oder bläst man wacker zum Gegenangriff? Indem man Gleiches mit Gleichem vergilt und es dem anderen ordentlich heimzahlt. Ja, manchmal ist Rache wirklich süß - vor allem in Gedanken. Es gibt vermutlich kaum jemanden, der nicht wenigstens einmal im Leben den dringenden Wunsch hatte, mit dem Schlüssel eine lange Schramme über den Lack des nagelneuen Mercedes eines lieben Feindes zu ziehen. Die Rache im Geiste ist ein Ventil für die Wut, doch wir schneiden uns dabei schon wieder ins eigene Fleisch.

Denn ganz oft sind wir es letztlich selbst, die sich kränken. Weil wir zulassen, dass das Verhalten anderer Menschen an unserem Selbstwertgefühl kratzt. Wir stellen uns selbst in Frage und je mehr wir das tun, desto empfänglicher und empfindlicher sind wir auch für echte oder vermeintliche Kränkungen anderer.

...oder besser verzeihen und vergessen?
Nicht selten sind wir an einigen Punkten aus unserer persönlichen Geschichte heraus tatsächlich ein bisschen überempfindlich und nehmen die Dinge allzu persönlich. Deswegen bewährt es sich fast immer, noch einmal nachzuhaken, wie die missverständliche Bemerkung gemeint war. Unsere Stimmung kann denn Ausschlag geben, aber eben auch die Launen des anderen. Deswegen sollten wir ihm einfach ehrlich mitteilen, welche Gefühle er bei uns ausgelöst hat. Oft ist sich der Urheber gar nicht über die Wirkung seines Verhaltens bewusst.

Und natürlich gibt es immer auch Menschen, die es tatsächlich nicht gut mit uns meinen. Doch besonders dann sollten wir uns bewusst machen, dass diese nicht wirklich an unserem Lack kratzen können – und vergeben. Denn das Verzeihen ist letztlich die gesündeste - wenn auch sicher die schwierigste - Art, mit einer Kränkung umzugehen.