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Orte der Kindheit: Erinnerungen werden wieder lebendig

Orte der Kindheit: Erinnerungen werden wieder lebendig

Sozialverband VdK Bayern e.V.
12.05.2014, 17:40 Uhr

In der zweiten Lebenshälfte kehren viele an die Orte ihrer Kindheit zurück

Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern, heißt es. Diesen Wunsch verspüren viele Menschen, wenn sie älter werden. Sie erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend und kehren oft an die Orte zurück, die sie geprägt haben.

Egal, wo Menschen aufgewachsen sind: Wenn sie an ihre Kindheit zurückdenken, kommen viele ins Schwärmen. Sie erinnern sich an heiße Sommertage, an denen sie barfuß über die Wiese gelaufen sind, an unbeschwerte Kindergeburtstage und so manchen Streich, den sie mit ihren Freunden ausgeheckt haben. Alles schien damals so leicht, so losgelöst von jeglichen Verpflichtungen.

Unbeschwerte Zeit

Diese Erinnerungen wollen viele wachhalten. Besonders, wenn Menschen weit entfernt von den Orten ihrer Kindheit und Jugend leben, verspüren sie oft den Wunsch, noch einmal dorthin zurückzukehren, wo sie einst so glücklich waren. Auch wenn sich die Plätze von früher stark verändert haben, können sie viele Jahrzehnte später noch die Empfindungen von einst wecken. „Wenn uns bestimmte Orte etwas bedeuten, geht es normalerweise nicht um den Ort an sich, sondern um die Erinnerungen an andere Menschen oder wichtige Ereignisse, die wir damit verbinden“, so Biografie-Forscherin Dr. Imbke Behnken.

Die Wissenschaftlerin hat in verschiedenen Befragungen und Studien herausgefunden, dass die Kindheit von den meisten Menschen stark idealisiert wird. Das sei darauf zurückzuführen, dass diese erste Phase im Leben meist frei von Zwängen erlebt wird. Für Menschen aus der Kriegsgeneration, die in der Kindheit einschneidende Erlebnisse durchmachen mussten, habe dies ganz radikal das Ende der Kindheit bedeutet. „Der Wunsch, die unbeschwerten Gefühle aus der Kindheit mit in das Erwachsenenleben zu nehmen, steckt wohl in jedem von uns“, so Dr. Behnken. Das sei ein bisschen so wie in der Geschichte von Peter Pan, der nie erwachsen werden will.

Eine Reise in die eigene Vergangenheit ist immer auch eine Reise zu sich selbst. „Der Besuch weckt oft sehr lebendige Erinnerungen, die nicht mehr verfügbar waren“, so die Biografie-Forscherin. Vor allem Gerüche und Geräusche oder verloren geglaubte Details seien dann plötzlich wieder da. Szenen aus der Kindheit würden einem ganz plastisch wieder vor Augen geführt. Solch eine Reise sei jedoch nicht mit einem normalen Urlaub zu vergleichen. „Manchmal hat man auch Erwartungen, die nicht erfüllt werden“, warnt Dr. Behnken. Manche seien enttäuscht, weil in der Erinnerung alles viel schöner war als in der Realität. Deshalb rät sie allen, die zurück zu ihren Wurzeln wollen, vorher ganz genau die eigenen Beweggründe zu überprüfen. Warum kehre ich an den Ort meiner Kindheit zurück? Wie gehe ich damit um, wenn ich enttäuscht werde? Diese Fragen sollte man sich vorab stellen, um besser vorbereitet zu sein.
Antworten finden

Für manche könne eine Reise in die Vergangenheit auch bedeuten, mit einem Kapitel des Lebens Frieden zu schließen oder Antworten auf bestimmte Fragen zu finden. Die Biografie-Forscherin führt hier das Beispiel eines Mittsiebzigers an, der seinen Vater im Zweiten Weltkrieg in Russland verlor. „Erst nachdem er selbst in Russland war, die Landschaft sah und mit Menschen vor Ort sprach, ist er seinem Vater nähergekommen“, erzählt Dr. Behnken. Die Frage nach den eigenen Wurzeln treibe jedoch nicht nur die Älteren, sondern auch die Jüngeren um. Viele wollten wissen, wie die Großeltern ihre Kindheit verbracht haben, damit sie sie besser verstehen können. (Ines Klut)

Weitere Artikel aus der VdK-Zeitung: http://www.vdk.de/permalink/3173

18 Kommentare

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Als ich nach vielen Jahren den Ort meiner Kindheit besucht habe war vieles anders, umgebaut, die Leute von damals waren weggezogen oder gestorben, das war nicht mehr der Ort meiner Kindheit. Man findet trotzdem Kleinigkeiten, die sich nicht verändert haben und wenn jemand dabei ist, der damals mit einen zusammen dort gelebt hat, sieht er auch was. Man kann seine Erinnerungen zusammentun und wieder das Bild von früher entstehen lassen, das ist sehr schön.
  • 03.03.2015, 13:59 Uhr
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Das Lied von Hannes Wader erinnert mich an meine Kindheit auf dem Dorf. Auch wir hatten so einen Sod mit einem großen Stein auf der Grenze zum Nachbargrundstück und der Enkel war mein Freund.
Unvergesslich, das Ganze !!
  • 02.05.2014, 11:22 Uhr
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Jahrelang habe ich dem Haus, in dem ich bis zu meinem 10. Lebensjahrwohnte, nachgeweint. Der Garten ging rund ums Haus und wirkte für mich dadurch unendlich. Viele schöne Erinnerungen hatten sich in meinem Kopf eingenistet. Die Hühner, die ich füttern durfte, meine kleine Schwester, die immer zu den Kaninchen in die Ställe hineingeklettert ist, die fast schwarzen Tulpen meines Onkels, unsere Schildkröte, die frei herumlief, und die wir immer wieder suchen mussten, indem wir ihre Schleifspuren verfolgten, die Nikolausabende in der großen Wohnküche, ....
Als ich nach vielen Jahren wieder dort im Garten stand, kam mir alles plötzlich furchtbar eng und klein vor, was ich so riesig in Erinnerung hatte. Trotzdem taucht dieses Haus mit dem Garten immer wieder in meinen Träumen auf.
  • 01.05.2014, 10:12 Uhr
Renate, ich glaube, das hat mit unserer Weiterentwicklung zu tun. Ich meine, wenn Menschen, so an ihrer Jugend festhalten kann man sich doch nicht weiter entwickeln.. Ich war neulich in einem Freilandmuseum, was wir heute so bestauen, war doch nicht schön. Ich möchte heute nicht mehr in so einer Küche wohnen müssen wo der Abzug vom Herd gleich in den Kamin geht. Wie muss das damals verraucht in der Küche gewesen sein und da haben die Menschen gelebt. Ich mag meine modernen Herd, meine Waschmaschine usw. .
  • 01.05.2014, 20:20 Uhr
Hallo Gisela, ich meine, wenn man an seine Jugend festhält und denkt, so kann eine Weiterentwicklung durchaus möglich sein. Schließlich prägt es sehr ob man auf dem Lande oder in der Stadt aufgewachsen ist und auch der Landstrich mit den Menschen ist nicht ohne Bedeutung. Selbst heute noch sehe ich diese Unterschiede.
Ob es damals besser war sei dahingestellt, aber wir waren Kinder und hatten diese Sichweise und nicht die eines Erwachsenen.
  • 01.05.2014, 22:55 Uhr
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Ich habe sehr schöne Jahre meiner Kindheit, in einer kleinen Stadt an der Donau verbracht, Mich zieht es deshalb auch ganz oft an die Donau.
  • 01.05.2014, 09:33 Uhr
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Mich hat das ruhrgebiet geprägt
  • 01.05.2014, 09:25 Uhr
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Der Lech war immer unser Sonntagsausflugsziel und der Baum, vor unserem Haus, an dem mein Vater eine Schauckel für mich anbrachte. Ich fahr heut oft daran vorbei und bleib stehen, lächle und bin in meiner Kindheit.
  • 01.05.2014, 09:24 Uhr
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Drei Orte haben mich geprägt. Eine unbeschwerte Kindheit bis zum Abitur in Halle an der Saale.
Danach kam mein Studium in Dresden und auch mein erster Arbeitsplatz.
Sei 1973 wohne und arbeite ich mit Familie in Berlin, kann aber immer noch nicht sagen, dass ich deshalb zum "Berliner" wurde.
*** Ein Sachse verleugnet sich nie ! ***
  • 01.05.2014, 09:23 Uhr
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Für mich haben drei Orte eine Eindrücke hinterlassen. In Flensburg verlebte ich die ersten 5 Jahre.schön war, dass Oma, Tanten, Onkel ebenfalls da wohnten, selbst eine Uroma ist mir erinnerlich.
Dann siedelten wir in den Schwarzwald, Es war eine Umstellung von der Stadt aufs Land und wir wurden behandelt wie Fremde.
Wir hatten Gärten, Wald und viel Platz zum Spielen, waren Sommer wie Winter draussen. Es war schön in einer Wildwiese zu liegen, in den Himmel zu schauen und die Stille und Gerüche von Erde und Gras aufzunehmen. Diese Wiese gibt es heute noch.
Als Jugendliche ging ich für 2 Jahre nach Borkum um zu arbeiten. Damals waren Gäste nur von April bis Oktober dort. Dann gehörte die Insel den Einheimischen.

Im Sommer ging es in der Freizeit an den Strand und abends tanzen, im Winter wurden Feste gefeiert (Hochzeiten u.v.m)

Was mich geprägt hat, war vor allem die Freiheit und Weite. Wohnlich keine Einengung. Regelmäßig besuche ich einmal jährlich diese Orte.
  • 01.05.2014, 09:09 Uhr
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Ein kleines Dorf an der Elbe und der Bauernhof meiner Tante in den Sommerferien
  • 01.05.2014, 08:50 Uhr
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Ich bin in Schlesien geboren und musste diesen Ort mit 4 Jahren ,wegen der Flucht verlassen, ich hatte so gute und schöne Erinnerungen an den Bauernhof meiner Großmutter. Weil ich dort frei sein konnte, Der Hof war groß genug um sich zu bewegen. Es war immer jemand da und wenn die Erwachsenen arbeiteten, waren die Tiere meine Freunde. Ich empfand es damals und auch in meiner Erinnerung als meine glücklichste Zeit.
Jetzt war ich aber mit meinen erwachsenen Kinder in Polen und habe mir den Bauernhof , der früher meiner Oma gehörte, nochmal angeschaut. Der Stall zerfällt, die Kleintierställe gab es nicht mehr. Die Scheue zerfällt, die größe Linde am Eingang stand nicht mehr. Das Bauernhaus wird zur Zeit etwas umgebaut. Es war kein Leben und kein Tier mehr auf dem Hof. Ich war so enttäuscht.
Damals war es für mich Geborgenheit. Aber bei all diesen Gedanken an den Hof, ist mir auch aufgefallen, nie hatte mich meine Oma in den Arm genommen, weil sie es ja selbst nicht kennen gelernt hatte.
  • 01.05.2014, 01:10 Uhr
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