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Mein Wort zum Sonntag: Drei Dinge, an die ich mich nicht gewöhnen kann

Mein Wort zum Sonntag: Drei Dinge, an die ich mich nicht gewöhnen kann

News Team
19.04.2014, 23:58 Uhr
Beitrag von News Team

Als Senior hat man's schwer. Bei den jungen ist man unten durch, weil man "The Gossip" nicht kennt und "Queensberry" für eine Handy-Firma hält. Mit den alten will man nichts zu tun haben, das ist man ja selber. Und sich ändern und dem neuen Geschmack anpassen? Muss das sein?
Ich hab's versucht, aber bei drei wichtigen Bereichen des Lebens der Gegenwart ist es mir nicht gelungen, und ich weiß immer noch nicht, ob ich das bedauern muss oder stolz darauf sein darf.

(1) Moderne Technik

Natürlich nutze ich den Rechner mit all seinen tollen Möglichkeiten: Beim Schreiben werden Rechtschreibfehler gleich angezeigt; beim Überspielen der Fotos von der Digitalkamera kann ich die Bilder gleich aufhellen, schärfen oder retuschieren. Beim Aufnehmen und Bearbeiten von Filmen kann ich die Werbeeinlagen herausschneiden. Und durch elektronische Recherche komme ich an Dokumente, die ich sonst nie erreichen würde. Von der internationalen Kommunikation über e-mails und soziale Netzwerke ganz zu schweigen.
Und natürlich benutze ich auch ein Handy. Mit dem kann ich telefonieren und Kurznachrichten verschicken, sonst nichts. Keine Fotos, keine Filme, kein Internetzugang, kein eingebautes Navi, keine Taschenlampe, keine "Apps", die mir sagen, wo das nächste Restaurant liegt oder die nächste dringend benötigte öffentliche Toilette.
Jüngst wollten meine Kinder mir sowas schenken. Doch allein beim Ausprobieren packte mich unerwarteter Frust: Meine Hände sind zu groß, meine Finger zu grob. Eigentlich können nur dressierte Mäuse sowas bedienen, scheint mir. Kaum halte ich das Gerät in der Hand - ohne es einzuschalten! - schon hab ich aus Versehen drei unsichtbare Schalter gedrückt. Jetzt bin ich, ohne es zu wollen, im Internet, hab die Kamera aktiviert, und jeder kann sehen, wo ich mich aufhalte und was ich tue. Wenn ich dann versuche, etwas einzustellen, hilft mir das Gerät durch Sprachein- und ausgabe, und ich lande dort, wo ich keinesfalls hin wollte. Von den tausend anderen Dingen, die man damit kann, ganz zu schweigen. Nein danke, lieber nicht - und das nicht wegen der NSA, die alle meine Bewegungen überwacht. Das wäre mir egal, aber die Bildschirm-Wischerei im richtigen Tempo mit dem richtigen Druck, mit Zeigefinger, Daumen oder Nagel des kleinen Fingers (je nach Funktion), das ist mir zu kompliziert.

(2) Moderne Kunst

Als ich aufwuchs, hatten Kunstwerke noch eine Form. Romane oder Kurzgeschichten begannen am Anfang und hörten mit einem Ende auf. Gemälde zeigten etwas, das irgendwie nachvollziehbar war. Popmusik besaß Rhythmus und Struktur. Das ist alles verschwunden. Literatur wurde beliebig, Musik austauschbar, Kunstwerke ähneln Müllhalden, Tanzakte ahmen Bewegungen mittelalterlicher Veitstänzer nach. Das ist natürlich alles Kunst, aber es spricht mich nicht an. Beliebigkeit, Austauschbarkeit, Strukturlosigkeit, Chaos - wozu brauche ich da Kunst? Lieber als Banause dastehen als sich langweilen!

(3) Moderne Kommunikation

Ich will nicht das Lob der guten alten Familie singen, denn die war oftmals Brutstätte übler Unterdrückung. Dennoch kann ich mich manchmal nur wundern, wenn ich eine Familie sehe, beim Spaziergang, im Biergarten, oder bei der häuslichen Weihnachtsfeier, wo jeder in das eigene Handy starrt und, wenn man Glück hat, lautlos mit irgendjemand kommuniziert oder die Tageszeitung liest, während sich die anderen miteinander unterhalten - über Handy. Am schlimmsten stößt mir das beim Tanzen auf. Da herrscht eigentlich die Übereinkunft, dass die Damen da sitzen und die Blicke der Männer einfangen, um dann mit ihnen, so ein Blickkontakt zustande kam, die nächsten Tänze zu zelebrieren. Doch die Damen starren in ihre Handys, und mit Blickkontakt ist nix, mit klassischer Aufforderung (sich vor die Dame stellen, "Darf ich bitten?" sagen) auch nicht, denn die so Beschäftiget hört und sieht nichts.
Zugegeben, soziale Netzwerke sind toll. Auf Facebook durfte ich mit Millionen anderen mal miterleben, wie ein Bekannter seine Klotür strich. Jeden Tag zeigte er stolz seinen Fortschritt, und wir durften mit wachsender Faszination zusehen, wie die nackte Tür sich langsam in ein Kunstwerk verwandelte. Ob er's fertig gekriegt hat, weiß ich bis heute nicht, denn plötzlich riss der Bilderstrom ab. Tja, spannend, da muss ich doch was versäumt haben.

5 Kommentare

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Also, ich nehme die Probleme nicht so schwer. Ich brauche meinen Sohn für jeden Schmarrn am Computer und er hat immer nur ein müdes Lächeln für mich übrig, wenn ich ihn was frage. Dann sagt er vielleicht: "Mama, das hab ich dir schon mal erklärt ...." Ja, vor ein paar Monaten und seither hab ich nichts mehr damit zu tun gehabt....ist mir eigentlich egal, obwohl ich natürlich gern sattelfester sein würde. Die Handy-Geschichten sind einfach bescheuert. Die sind sicher längst abhängig geworden von diesem Gerät. Noch nie ist so viel Stumpfsinn in ein Telefon gequasselt worden wie heute. Man sollte nicht glauben worauf der Mensch alles süchtig werden kann ....Ich nehme mich davon nicht aus.
  • 29.04.2014, 14:19 Uhr
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Was die heutige Technik, insbesondere Smartphones betrifft, habe ich auch bei meinen Schwiegereltern die Erfahrung machen müssen, allerdings spielten da Berührungsängste (...wenn ich falsch drücke ist es dann kaputt...) die größere Rolle. Eine gesunde Neugier war schon da. Aber die Berührungsangst war halt größer. Sicher ist die heutige Technik kompliziert und man muss sich damit auseinandersetzten (können und wollen - oder umgekehrt) , um sie zu verstehen.
Maßgebend sollte jedoch immer bleiben, was will ich damit machen.
Was die heutige Kunst (ob Musik oder Anderes) betrifft, wird immer eine persönliche Geschmacksfrage sein. Ich musste mal, als noch nicht ganz Pubertierender, in die Oper "Cosi fan Tutte", für manche auch heute noch ein möglicher Genuss. Für mich war das total unverständlich, auch heute habe ich keiner "Draht" zur Oper, erklären kann ich das nicht. Dafür bin ich ein absoluter Musical-Fan.
  • 22.04.2014, 23:17 Uhr
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Ich nutze auch Facebook, weil viele meiner Freunde und Verwandte im Ausland leben, da ist es die ideale Plattform. Sicher, auch da kann man sich "verlieren" und von einem Thema zum nächsten, weitere internationale Portale aufsuchen etc. etc.
Doch ich gehöre auch zu den Menschen, die das "echte Gespräch von Mensch zu Mensch" vorziehen, als in virtuellen Scheinwelten unterwegs zu sein...
Wenn viele Leute - ob in der S-Bahn, in Lokalen, gehend auf der Straße ständig auf ihr Handy oder Smartphone schauen - erscheint es mir wie eine Art kollektive Trance.
  • 22.04.2014, 21:52 Uhr
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Peter ich bin begeistert von deinen Zeilen .Das genau gleiche erlebe ich auch .ich bin stolz, das ich das kann, was ich kann . aber mit dem Wischhandy will ich nichts mehr zu tun haben. kann gerade noch Fotos vom Handy abladen , aber dass ist schon alles. LG gertrude
  • 20.04.2014, 10:16 Uhr
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Ja, manchmal ist älterwerden gar nicht so leicht, wie man sich das vorstellt. Nicht nur, dass man das Neue nicht immer versteht und mitgehen kann, auch muss man auf vieles Alte nach und nach verzichten.
Trotzdem kann das Leben schön sein
  • 20.04.2014, 10:07 Uhr
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