wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Aloi maak, maak

Aloi maak, maak

22.04.2014, 20:09 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ein Urlaubstag

Aloi maak, maak

Nur das Knattern unseres Motorrades störte die himmlische Stille, die uns umgab.
Recht und links säumten Palmen den Weg. Ab und zu mal eine Hütte , Reklameschilder –
ja auch hier in Thailand gab es Becks-Bier und Coca- Cola. Dann ein verwittertes Schild mit einem Pfeil, dessen Richtung genau in den Dschungel führte. „Look, monkey work coconut“.
Die armen Leute hier auf dem Lande verdienen sich ein wenig Geld, indem sie Affen dressieren, die auf die Palmen klettern und die Kokosnüse abwerfen. Die Thais sind erfinderisch, wenn es ums Geldverdienen geht. Doch es sind wenige Touristen, die dieser Einladung Folge leisten. Wir waren auf dem Wege zu Kim Yam, unserer geliebten Obstverkäuferin vom Strand, die uns zu einem Essen zu sich nach Hause eingeladen hatte.
Und schon waren wir vor dem Häuschen, in dem unsere Kim wohnt. Wir hatten es einmal auf einer anderen Tour entdeckt, als wir unterwegs waren, um die Insel Ko -Samui zu erkunden. Damals hängte sie gerade vor ihrem Haus Wäsche auf.
Heute wartete sie schon, als wir knatternd auf ihr Grundstück fuhren. Sie strahlte über das ganze Gesicht, tätschelte uns die Arme und sagte immer wieder :“Bigi, Pita, hello!"
Zu viel mehr reicht ihr Wortschatz im Englischen nicht. Aber wir hatten ja unser thailändisches Wörterbuch dabei, das würde uns im Ernstfall schon irgendwie helfen.
Sie führte uns zu ihrer Sala, die nahe dem Hause gebaut war. Fast jedes Haus hat hier eine Sala, das ist eine große freistehende, auf vier Stelzen stehende, überdachte Terrasse.
Hier spielt sich das eigentliche Leben ab. Dort wird gegessen, getrunken und sich mit Freunden getroffen. In das Haus geht man nur zum Kochen oder des Nachts zum Schlafen.
Dann nötigte sie uns uns Platz zu nehmen mit den Worten: "Sit, sit!“
Es ist hier üblich vor dem Betreten der Sala die Schuhe auszuziehen und sich auf den Boden zu setzen.
Behende eilte sie zum Haus und kam mit einer großen Thermoskanne und zwei Gläsern wieder, die so aussahen, als ob es nach der Werbung im deutschen Fernsehen auch nicht mit dem Nachbarn klappen würde. Wasser ist hier knapp und heißes erst recht. Strahlend goss sie uns das Wasser in die Gläser, nickte uns zu und lief wieder ins Haus zurück.
Ja, nun saßen wir da, guckten uns an, und wussten nicht so recht, wie es nun weiter gehen sollte. Ab und zu erschien ihr Kopf am Fenster, und sie machte die Handbewegung des Trinkens. Fröhlich prosteten wir ihr zu und ihr Kopf verschwand wieder. Die Minuten vergingen. Sollte das alles gewesen sein? Unser Magen knurrte. Da hatten wir uns ja auf was Schönes eingelassen. Und unsere Freunde hatten uns so beneidet ob dieser Einladung!!!
Angefangen hatte es so, dass eine der englisch sprechenden Massagedamen vom Strand uns übersetzte, was Kim uns auf thailändisch sagen wollte. Sie hatte das Bedürfnis, uns einfach mal in ihr Haus zu einem thailändischen Essen einzuladen. Es sollte wohl ein „Dankeschön“ sein, weil wir ihr immer am Ende des Urlaubs einen Briefumschlag mit einem Obolus zusteckten für ihre Unermüdlichkeit und Freundlichkeit, mit der sie uns am Strand verwöhnte. Immer hatte sie eine Besonderheit an Obst für uns parat. Mit diesem Geld - für uns eine „Kleinigkeit“ - schickte sie ihre Tochter auf die Schule; so hatte man es uns erzählt. Was uns natürlich anspornte, den Obolus jedesmal zu erhöhen. Selbst Peters Mutter, der wir das erzählt hatten, gab uns für sie einen eigenen Umschlag mit.
Jetzt erschien auf einmal der Ehemann von Kim, er kam um die Häuserecke, in den Armen eine große Melone, die er vor uns absetzte. Wir hatten ihn schon einmal am Strand kennen gelernt, als er seine Frau abholte. Er reichte Peter die Hand. Ich bekam nur den freundlichen Thaigruss, den Wai. (Männer sollten fremde Frauen niemals berühren.) Dafür werden die aneinander gelegten Handflächen vor die Brust geführt und der Kopf gesenkt. Bei höher gestellten Persönlichkeiten kann der Wai schon bis zur Nasenspitze gehen - beim König, der hier übrigens sehr verehrt wird, in Augenhöhe. Für mich reichte er immerhin bis zum Kinn.
Wir atmeten auf. Na Gott sei Dank brauchten wir nicht zu verhungern.
Mit einer Machete hieb er die Melone durch und zerteilte sie sorgsam in kleine Stücke.
Kims Kopf erschien wieder lachend am Fenster und ihr Mund formte die Worte :“Good?“
Was wir natürlich durch eifriges Kopfnicken bejahten. Es ist fantastisch, welches Aroma die hiesigen Früchte haben, und wir beschlossen schon, uns daran satt zu essen. Wer weiß, ob es noch was geben würde? Doch da erschien plötzlich Kim mit einem Topf und zwei Schüsseln. Nun waren wir gespannt, was sie uns vorsetzen würde. Mit einer Kelle schöpfte sie uns die Schüsseln voll. Was war das???
Eine kalte fettige, völlig ungewürzte Hühnerbrühe. Wir schluckten. Na gut, Augen zu und durch! Nun setzte sie sich an meine Seite und fütterte mich auch noch. Das Gleiche machte der Mann bei Peter. „ALOI?“ fragte sie mit erwartungsvollem Blick. Das heisst „Gut?“ und wir beeilten uns, ihr zu versichern: „ALOI MAAK, MAAK." Was so viel heißt wie „Sehr gut“. Es war so ziemlich eklig und nach drei Löffeln wehrten wir uns einfach, weiter zu essen. Lachend brachte sie den Topf ins Haus und kam mit einer Platte kalten Hühnerfleisches zurück. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so einen alten zähen Gockel gegessen. Wir kauten und kauten und er wollte sich einfach nicht zerkleinern lassen. „ALOI?“ fragte Kim erneut. Und wir im Gleichklang: „ALOI MAAK, MAAK!“ Verzweifelt suchte ich nach einem Ausweg. Ich schaute Peter hilfesuchend an: „Kannst du nicht mal nachgucken, was satt heißt?“, flüsterte ich ihm zu. Er griff nach seinem Wörterbuch und fing an zu suchen.
Ungeachtet dessen nahm Kim die Hühnerreste und brachte sie ins Haus. Und schon kam sie zurück mit einer Schale mit Reis in der Hand, in dem die blauen Zacken vom Tintenfisch heraus ragten. Mein Magen fing an zu rebellieren. DAS konnte ich auf keinen Fall essen! „ALOI!" sagte Kim. Flehend schaute ich Peter an. Der hatte inzwischen das Wort gefunden und kam mir zur Hilfe. „IHM“ war das Zauberwort, das soviel wie "satt" heißt, und so sagte er „BIGI IHM!“, und dann noch „PITA IHM!“. Enttäuschung machte sich auf ihren Gesichtern breit.
Oh, BIGI IHM! Oh PITA IHM! Sie versuchten uns wenigstens zu einem Löffelchen zu überreden. „ALOI!“ hörten wir immer wieder. Doch wir weigerten uns hartnäckig, hielten unsere Bäuche und stöhnten nur noch „IHM“. Zum Glück kam gerade eine Nachbarin der beiden um die Ecke, der wir natürlich sofort voller Stolz vorgestellt wurden.
Langes Palaver und Gelächter. Ab und zu konnten wir noch das Wort FARANG verstehen, was so viel wie „Fremder“ bedeutet. Bald darauf verabschiedete diese sich; das nahmen wir sofort zum Anlass, das Gleiche zu tun. „KOP KUN KAH“ (Danke) versicherten wir immer wieder mit einem tiefen Wai, was sehr wohlwollend aufgenommen wurde.
Ein Briefumschlag wechselte mal wieder den Besitzer, und alle waren glücklich.
Wir vor allem, dass wir endlich in einer der netten kleinen Restaurants unseren Hunger stillen konnten. Dort warteten schon unsere Freunde. Sie waren ganz begierig auf unseren Bericht, wie der Abend verlaufen und was wir für thailändische Kostbarkeiten genossen hatten.

(c) Brigitte Homann

Ich bitte um konstruktive Kritik jeder Art

Visselhöveder Str. 8, 28329 Bremen auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen

30 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
ha - da gibt es kein Pardon, da muss man durch -
bei diesen stets lächelnden und freundlichen
Gastgebern. Aber gezählt hat doch eigentlich
die Bereitschaft, Dir ihr Heim zu zeigen.
Das habe ich auf meinen Reisen am meisten
geliebt, Land und Leute kennenzulernen, und
ich habe auch die Küche als besonders
schmackhaft in Erinnerung.
Danke liebe Brigitte für dieses Erinnern
Bele
  • 15.06.2014, 13:42 Uhr
Liebe Bele, nun muss ich mich erst einmal entschuldigen, dass ich dir den falschen Titel genannt habe. Den hattest du ja schon gelesen. Ja, ja das Alte ! Aber du warst ja so clever, die richtige Geschichte zu finden. Danke !
  • 15.06.2014, 15:20 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Hallo Brigitte, du hast einen sehr schönen Erzählstil. An einer Stelle würde ich das "schon" weglassen, weil es sich sonst kurz hintereinander dreimal wiederholt: "Wir hatten es (schon) einmal auf einer anderen Tour entdeckt,..."
  • 03.05.2014, 14:04 Uhr
Danke lieber Martin, ich habe es verbessert. Du hast wirklich recht. Danke für den Hinweis.
  • 06.05.2014, 16:38 Uhr
bitteschön
  • 06.05.2014, 16:40 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Liebe Gitte, ich glaube, ich will nie nach Thailand, Aber schön, mit dir dort gewesen zu sein, denn so habe ich es empfunden. Konnte richtig deinen Kampf sehen. Warte nur, ich mach dir schnell was anderes zum Essen und schicke es auf Reisen.....Quatsch, aber war schön, dass du noch eine Geschichte zu Kim geschrieben hast. Immer wieder gerne bin ich bei dir.
  • 24.04.2014, 18:52 Uhr
Danke liebe Gila für dein besonders gutes Essen. Das habe ich wirklich genossen.
  • 24.04.2014, 21:07 Uhr
Warte nur, wenn wir zusammen kochen, na dann erst.
  • 25.04.2014, 21:15 Uhr
Da freue ich mich auch schon drauf.
  • 25.04.2014, 22:17 Uhr
Yähhhhhhhh, ich mich erst. Und dann machen wir einen laaaaaaaaaaaaaangen Plausch. Aber zwischen den Blumen auf deinem Balkon.
  • 25.04.2014, 22:19 Uhr
Jaaaaaaaaaa und mit einem Sekt !!!
  • 25.04.2014, 22:21 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
die Schilderung war sehr ansprechend, beim Essen hätte ich ebenfalls meinen Hunger nur mit der Melone gestillt
  • 23.04.2014, 11:51 Uhr
Ja, aber das konnten wir dann ja nicht mehr machen, als die anderen Sachen kamen. Das wäre aufgefallen und wir hätten unser Gesicht verloren. Und das ist in Thailand fatal. Danke liebe Kunigunde für deinen Besuch.
  • 23.04.2014, 11:54 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Brigitte, Du schilderst das Ganze so realistisch. Ich leide beim Essen mit Dir und immer dabei laecheln, dabei haben sie doch eine so gute Kueche. Die Frau konnte eben einfach nicht kochen. Passiert hier ja auch.
  • 23.04.2014, 11:46 Uhr
Ja, das habe ich mich auch gefragt. Denn die Küche dort ist sonst fantastisch. Danke dir dass du hier warst. Was meinst du , kann eine der Geschichten , diese oder Kim Yan in die Schreibwerkstatt reingestellt werden ? Titel war ja "Ein Urlaubstag" !
  • 23.04.2014, 11:50 Uhr
Brigitte, ja auf jeden Fall, musst noch bis zum 26. warten. Habe schon geschaut, ob Du nicht zu frueh bist, weil das gerade das Thema war.
  • 23.04.2014, 12:52 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ein wunderschöner Urlaub, von dem Du uns da berichtest, liebe Brigitte.
Mir ist, als wär ich dabei gewesen. So realistisch kannst Du erzählen.
liebe Grüße
  • 23.04.2014, 10:38 Uhr
Ich freue mich immer, wenn du Spaß daran hast liebe Rosi und danke dir für deinen Besuch bei mir.
  • 23.04.2014, 10:42 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
andere länder,andre sitten.herrlich brigitte.
  • 23.04.2014, 10:32 Uhr
Danke meine Süße. Ja lang, lang ists her. Heute mache ich solch lange Reisen nicht mehr.
  • 23.04.2014, 10:33 Uhr
beneide dich.ich krieg immer heimweh,ganz dolle.
  • 23.04.2014, 10:41 Uhr
Wonach Heimweh Süße ?
  • 23.04.2014, 10:42 Uhr
dem wald und der ruhe,liebes.das grab gibts ja nun nicht mehr.aber einen baum.
  • 23.04.2014, 12:06 Uhr
  • 23.04.2014, 12:11 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es ist ja nicht so, dass ich dir das nicht gönne *g*
Vielleicht sollte ich mal für dich kochen.
Du würdest dich zurücksehnen
  • 23.04.2014, 10:26 Uhr
Dann lassen wir das mal lieber Robertchen ! Ich müsste vor allem damit rechnen, dass du mich vergiften möchtest ! Und ich lebe doch soo gerne ! Aber schön, daß du mich besucht hast. Du weißt , dich zu sehen ist für mich immer ein highligh.
  • 23.04.2014, 10:30 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Oh BIGI,
ich kann mich gar nicht IHM lesen an Deinen Geschichten.
KOP KUN KAH, Georg
  • 22.04.2014, 22:18 Uhr
Super , du kannst ja schon thailändisch Georg ! Da freu ich mich doch ganz besonders. Einen tollen Abend für dich Brigitte
  • 22.04.2014, 22:43 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Liebe Brigitte, habe heute alle deine Geschichten gelesen......
  • 22.04.2014, 21:42 Uhr
Wie schön, ich danke dir ganz herzlich . Einen schönen Abend dir.
  • 22.04.2014, 22:09 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren