Freundschaft

Beitrag von wize.life-Nutzer

Da gibt es ein junges Mädchen, es liegt im Krankenhaus und wird dieses wohl auch nicht mehr lebend verlassen. Seit über einen Jahr liegt sie da und das auf Isolation. Seit über einem Jahr versuchen die Ärzte ihr zu helfen. Immer wieder Rückschläge und nur Verschlechterungen.
Und immer noch hat sie Lebenswillen.
Nur noch sehen auf einem Auge und auch das ohne Farbe. Jetzt Taub und Reden ist schon lange nicht mehr. Auf lange Texte usw. kann sie sich nicht mehr konzentrieren. Also keine Bücher lesen, Fernsehen verboten und Computer nur eingeschränkt erlaubt. Zum Glück kann sie noch schreiben, mit einer Hand, und darf dieses auch. Ist auch die einzige Kommunikationsmöglichkeit für sie.
So schreiben wir uns. An manchen Tagen nur eine Begrüßung, damit ich weiß das sie noch lebt und auch nichts ins Koma gefallen ist. Und an anderen Tagen, so wie heute, schreiben wir viel.
Ich kann ihr nur schreiben, ihr „zuhören“ und sie mit meinem Alltag ablenken.
Manch mal möchte ich mehr können.Aber es geht nicht. Dann komme ich mir hilflos vor.
Und dann schreibt sie, wie sehr es ihr hilft das da jemand ist, dem sie schreiben kann, der ihr zuhört und antwortet. Wie wichtig es ihr geworden ist.
Und das ich ihr von meinem Alltag erzähle, meinen Freuden, meinen Kümmernissen, einfach allem. Das ich sie, wie eine Freundin behandle und nicht wie eine Schwerkranke, die geschont werden muss. Sie möchte das nicht, möchte so weit es geht „normal“ behandelt werden.
Mir fällt das an manchen Tagen schwer. Das sie nicht in „Watte“ packen und an manchen Tagen auch das schreiben. Wenn sie mir erzählt was wieder los war, muss ich häufig schlucken bevor ich ihr schreiben kann und bin froh das sie mich nicht sieht. Mitleid will sie nicht, dann zieht sie sich zurück. Daher muss ich an manchen Tagen aufpassen was ich schreibe.
Ich weiß irgendwann kommt keine Antwort mehr. Dann kommt die Frage was passiert ist. Ob sie in Koma gefallen ist, in dem sie vielleicht länger liegt oder schlimmeres....
Ob ich dann eine Antwort auf diese Frage bekomme weiß ich nicht.

Heute musste ich mir das einfach mal von der Seele schreiben. Ich hoffe ich kann ihr nach recht lange schreiben, denn sie hat einen so großen Lebenswillen und Kampfgeist. Und die Hoffnung, die hat sie noch nicht aufgegeben, trotz allem, trotz der Diagnose das ihr nur noch wenige Monate bleiben.