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Schuld sind immer die anderen... Wo bleibt die Selbstverantwortung?

Schuld sind immer die anderen... Wo bleibt die Selbstverantwortung?

Christine Kammerer
14.05.2014, 16:10 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Das Leben ist kein Ponyhof und dennoch gibt es erstaunlich viele Menschen, die sich in Tagträumereien verlieren. Sie haben unrealistisch hohe Ansprüche und fordern diese bei jeder Gelegenheit ein - bei den eigenen Eltern, beim Staat oder beim Partner. Und sie sind schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand, wenn irgendetwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Verantwortlich sind immer die anderen, das Schicksal oder aber widrige Umstände.

Die Flucht aus der Selbstverantwortung…
Eine Erziehung zur Selbstverantwortung ist nicht selbstverständlich. Viele Kinder werden überbehütet oder bleiben sich selbst überlassen. Sie lernen nicht, die Herausforderungen des Lebens zu meistern, sie scheitern oft schon an einfachen Aufgaben und werden dadurch immer weiter frustriert. Schließlich flüchten sie sich in eine passive Haltung, denn wer gar nichts tut, der kann auch keine Fehler machen. Man möchte sie rütteln und wachschütteln, doch sie verweigern sich. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen – nicht für sich selbst und erst recht nicht für andere.

…eine Frage der Kindheit?
Es wäre zu einfach, sich auf eine schlimme Kindheit zu berufen. Viele psychologische Studien zeigen nämlich, dass auch Kinder, die unter ungünstigen Verhältnissen herangewachsen sind, große Selbstverantwortung entwickeln. Sie stellen sich früher oder später einigen wichtigen Fragen des Lebens und finden schließlich befriedigende Antworten darauf:

  • Kenne ich meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse und nehme ich sie ernst? Nur wer sich selbst wirklich kennt, kann auch gut für sich selbst sorgen und Selbstverantwortung übernehmen. Dann sind Schuldzuweisungen nach dem Motto: „Mach du, dass es mir gut geht!“ nicht mehr notwendig. Sich selbst zu kennen ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Selbstbewusstsein.
  • Wie sehen meine eigenen Vorstellungen vom Leben aus? Die Orientierung an Werten und Zielen, die andere – Eltern, Idole aus der Popkultur etc. – vorgeben, macht auf Dauer unglücklich und unzufrieden. Je besser ich meine eigenen Vorlieben und Abneigungen, Stärken und Schwächen kenne, desto gezielter kann ich eigene Visionen entwickeln. Aber natürlich kann ich sie nur dann verwirklichen, wenn ich alle Chancen und Möglichkeiten nutze.
  • Sind meine Wünsche realistisch? Natürlich darf man träumen – Träume sind sogar eine wichtige Voraussetzung, um die eigenen Ziele im Leben schließlich konkreter fassen zu können. Doch die Wunschvorstellungen sollten auch mit der Realität kompatibel sein. Wenn ich nicht über musikalisches Talent verfüge, wird eine Karriere als Sängerin vermutlich wenig realistisch sein.
  • Welchen Vorteil bringt mir die Passivität ein? Allein die Erkenntnis, dass wir trotz besseren Wissens in einer unguten Lebenslage verharren, weil wir Vorteile daraus ziehen - zum Beispiel Zuwendung und Aufmerksamkeit, kann zu einer Änderung führen. Und nur wenn ich mich bewege, kommt auch Bewegung in meine Situation. Nur wenn ich selbst etwas ändere, ändert sich auch mein Umfeld.
  • Wer oder was könnte mir helfen, meine Probleme zu lösen? Überbehüteten Kindern fällt es schwer, andere um Unterstützung zu bitten, weil sie Hilfe immer auch als Einmischung erfahren haben. Vernachlässigte bitten gar nicht erst darum, weil Unterstützung für sie ein Fremdwort ist und sie immer alles selbst bewältigen mussten. Beide müssen lernen, dass Anspruchshaltung nicht zum Ziel führt und Unterstützung - um die man durchaus bitten darf und sollte – immer nur Hilfe zur Selbsthilfe sein kann.
  • Welche Gründe sprechen dagegen, dass ich aktiv werde – jetzt, sofort? Immer ist der erste Schritt der Schwerste und gerade die Frustrierten mauern mit einem Berg von Argumenten gegen jede Änderung. Doch die meisten dieser Scheinargumente lassen sich leicht entkräften – vor allem wenn eine Belohnung winkt. Die kann man sich natürlich auch selbst in Aussicht stellen, indem man sich auch für kleine Schritte belohnt. Und sie wird weiter verstärkt, indem jede Aktivität schon an sich als kleiner Erfolg verbucht wird und sich positiv auf das eigene Wohlbefinden auswirkt. Nur so kann Selbstvertrauen wachsen.
  • Was ist so schlimm daran, zu scheitern? Im besten Falle lernen wir daraus und korrigieren unsere Vorstellungen. Allerdings nur, wenn wir uns auch fragen: was war mein eigener Anteil daran? Wir erfahren, dass unseren Möglichkeiten Grenzen gesetzt sind, wir stecken neue Ziele und probieren neue Wege aus.

13 Kommentare

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Ich finde es auch unsinnig, Probleme im Leben auf eine schlechte Kindheit zu schieben.
  • 16.05.2014, 06:03 Uhr
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Hallo Christine Kammerer,
wegen ihrem Artikel habe ich mit meiner Freundin Stress bekommen, weil sie denkt, das was sie schreiben, sei ein Widerspruch in sich. Ich bin nicht der Meinung, dass es so ist. Nachdem meine Freundin und ich sehr oft gleicher Meinung sind, habe ich mich gefragt, warum sie so heftig reagiert.
Mir kam dann eine Idee.....
Es gibt Menschen, die denken in Schuld und Sühne. Also wenn was passiert, dann muss irgend einer Schuld haben. So haben wir das meistens auch gelehrt bekommen.
Ich bin Behavorist und die denken bekanntlich nicht in Schuld und Sühne, sondern in Ursache und Wirkung. Also alles hat eine Ursache, aber ohne Schuld zu verteilen, sondern nur um herauszufinden, wie man das Problem lösen könnte.
Ich glaube nun, dass Sie ihren Artikel auch in diesem Sinne geschrieben haben.
Mir wird jetzt ganz klar, dass es einfach auf die Denkweise ankommt, ob man diesen Artikel anmaßend findet oder einfach nur als Erklärung sieht.
AL Doris Radmer
  • 11.05.2014, 19:48 Uhr
Christine Kammerer
Liebe Doris,
ich kann (und möchte) das ehrlich gesagt gar nicht einordnen, wie andere das verstehen und kann auch nur darauf reagieren, wenn mir jemand sagt, was genau ihm aufstößt oder warum er das widersprüchlich findet.

Aber vermutlich fassen einige es so auf, dass ich nun denen die "Schuld" in die Schuhe schiebe, die sich nicht zur Selbstverantwortung aufrappeln. Das ist natürlich nicht der Fall - mit "Schuld" hat das aus meiner Sicht gar nichts zu tun... (und letztlich weiß ich auch nicht, ob das nur meine Vermutung ist, weil die Betreffenden sich leider nicht konkret dazu äußern).

Ich finde es aber immer wieder interessant, wie missverständlich manche Dinge rüber kommen, obwohl das von mir nicht so beabsichtigt war. Aber natürlich liegt das auch an der Kürze der Texte...

Übrigens ist es für mich völlig ok, wenn wir uns hier duzen - ich werde hier sowieso von allen geduzt und sieze auch nur Leute, die mich ausdrücklich siezen...
  • 12.05.2014, 09:07 Uhr
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Hallo Christine Kammerer,
ich habe deinen Beitrag gelesen und ich finde ihn rundherum schon richtig.
Er ist vielleicht etwas zu ausführlich geschrieben, weil man in manches etwas hinein interpretieren könnte, was sie wahrscheinlich so nicht gemeint haben.
Ich bin auch der Meinung, man ist schon für sich selbst verantwortlich, viele erkennen aber die Tragweiter der Selbstverantwortung nicht; und ich glaube, das haben sie auch gemeint.
Aber ich merke, das denke ich zumindest, dass in den letzten Jahren sehr wohl ein Umdenken stattfindet und dass Menschen einfach mehr Selbstverantwortung übernehmen. Schon dadurch, dass man im Internet relativ viel erfahren kann, sind die Menschen insgesamt aufgeklärter. Keiner kann Ihnen mehr erzählen, dass Beispielsweise Franzosen Hörner haben, so wie man das noch meinen Urgroßeltern erzählt hat. Heute kann man weltweit chatten und ganz viele tun das auch. Trotzdem ein sehr interessanter Beitrag von Ihnen.
Alles Liebe Doris
  • 09.05.2014, 12:15 Uhr
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werte Frau Kammerer
ich bin neu hier und glaube auf dem falschen Portal
Ihr Artikel ist ein widerspruch insich
  • 09.05.2014, 09:47 Uhr
Christine Kammerer
werter Herr Gonschorek, ob Sie auf dem falschen Portal sind kann ich nicht beurteilen, aber mich würde natürlich schon interessieren, wo Sie den Widerspruch im Beitrag sehen...
  • 09.05.2014, 09:55 Uhr
mich würde das auch interessieren...
  • 11.05.2014, 09:50 Uhr
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Zu diesem Thema "Selbstverantwortung" muss auch die wachsende Gleichgültigkeit gerechnet werden. Viele kümmern sich doch nur noch darum, dass sie selbst Vorteile haben. Die Nachteile der Anderen werden immer mehr verdrängt. Diese Verantwortung wollen doch viele nicht mehr übernehmen. Gut, in der eigenen Familie mag das noch etwas anderes sein. Da ist doch der Satz "Mein Haus - mein Auto - mein Konto" nicht treffender.
  • 09.05.2014, 09:08 Uhr
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Guten Morgen Birgit und alle anderen hier,
ich bin mit Dir einer Meinung in Bezug auf junge Menschen, wir sollten sie besser fördern und ihre Leistung auch anerkennen. Dies wird sehr wohl zum Teil gemacht, siehe z.B. Jugend forscht...
Ich kann nur wieder einmal einen meiner Lieblingssätze anbringen: Wir Menschen sind besser als unser Ruf...
Diese schwachsinnigen Sendungen im TV sind zum Glück nur ein kleiner Ausschnitt vom großen Ganzen, der halt auch aus anderen Ländern zu uns übergeschwappt ist.
Grüße und noch einen schönen Tag
Conny
  • 09.05.2014, 09:05 Uhr
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  • 09.05.2014, 08:54 Uhr
Danke Christine!
  • 09.05.2014, 09:44 Uhr
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Rundum große Zustimmung meinerseits für diesen Artikel! Nur bei Punkt 2 mit den Idolen möchte ich eine Einschränkung machen. Wenn eine Persönlichkeit, die irgendetwas geschafft hat im Leben, sei es, dass sie Komponist war, oder Autor oder Lehrer, oder Maler, was auch immer, das zum Vorbild wird, ist es völlig in Ordnung. Es muss keine sher bekannte Person sein, aber es ist gut, z.B. Biographien zu lesen oder sich mit wie auch immer gartet erfolgreichen Menschen zu beschäftigen. Beim Erfolg meine ich nicht das Erreichen von Reichtum, sondern das meistern des Lebens, die positive Einstellung dazu usw. Das Aufstehen, nachdem man gefallen ist, das Sehen des Lichts am Ende des Tunnels.

All das, was Du aufgezählt hast, gilt nicht nur für junge oder erst 'mittelalterliche' Menschen. Das gilt auch für uns 'Alte'. Nicht mehr aufstehen, nicht mehr sich mit der Zeit, den Veränderungen bewegen wollen, heißt Resignation. Schade, wenn ein Leben so endet.
  • 08.05.2014, 19:11 Uhr
Renate, so sehe ich es auch und hätte es nicht besser schreiben können.
  • 09.05.2014, 08:56 Uhr
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