Felix alias Stanislaus
Felix alias StanislausFoto-Quelle: privat

Der Mensch ein notwendiges Übel, oder… ?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Beim Bericht über einen Tiergarten und auch einigen Anschlägen am schwarzen Brett, kam mir der Gedanke mich näher mit der Zoologie zu befassen. Ja und so sitze ich da und eine nette Geschichte fällt mir ein und die Schreibmaschine wartet schon ganz begierig auf neue Arbeit und wie ich glaube gar nicht allzu lange.

Wie wir alle wissen war unser wunderschöner blauer Planet einst, in grauer Vorzeit von ganz schrecklichen Wesen, den Sauriern, bevölkert. Sie machten sich sowohl im Wasser als auch auf dem Lande breit. Einige waren Pflanzenfresser, andere gefürchtete Räuber, wieder andere aber starteten die ersten Flugversuche. Sie verbreiteten sich sehr rasch auf dieser Erde, wie unser Planet genannt wurde.
Doch dann brach eines Tages eine schreckliche Katastrophe herein, denn aus den dunklen Tiefen des Weltraums stürzte ein riesiger Meteor auf die Erde herab. Die Folgen waren unvorstellbar und verheerend, fast alles Leben wurde ausgelöscht, die Erde war zu einer unwirtlichen Wüstenlandschaft geworden und es dauerte unvorstellbar lange bis es wieder grüne Pflanzen gab und erst dann war wieder ein normales Leben möglich. Unseren Ureltern war es irgendwie gelungen zu überleben und sich zu einer großen Familie zu entwickeln. Sie hatten sich der jeweiligen Umgebung angepasst und über die ganze Erde verbreitet. Aber sie alle waren Jäger und ernährten sich von ihrer Beute.
Ja und dann trat auf einmal ein großes Tier, wir nannten es Mensch, in unsere Welt. Seine Vorfahren hatten wohl früher auf den Bäumen gewohnt und sehr viel Krach gemacht und dieses viel Lärm machen hatte es sich bis heute nicht abgewöhnt. Damals aber hatte sich diese Affenart weiterentwickelt und Dank seines größeren Hirns, welches sie geschickt einzusetzen verstand wurde sie zu dem heutzutage als Mensch bekannten Tier. Er verschaffte sich durch eigens entwickelte Werkzeuge und Technik sehr schnell Macht und Stärke und beherrschte bald die ganze Erde. Alles hatte nur seinem Wohle oder Vergnügen zu dienen und infolge seiner Fruchtbarkeit nahm die Bevölkerung rasant zu, verbreitete sich ganz genau so schnell und weltumfassend, wie die schlechten Nachrichten. In der Folge entstanden viele riesige Städte mit sehr vielen Einwohnern. Allerdings ging und geht er in seinem Streben nach mehr immer weiter, so dass unsere Welt heute am Rand des Abgrunds steht.
Gerade wir, die kleineren unserer Familie, waren klug genug die scheinbar gewaltige Überlegenheit der Menschen anzuerkennen und für unsere Zwecke zu nutzen. Wir ließen sie Häuser für uns bauen und erlaubten ihnen dort in Untermiete zu wohnen. In ihrem Wahn errichteten sie sogar riesige Wohnanlagen und Hochhäuser. Nun, das hatte für uns jedenfalls den Vorteil, dass wir uns aussuchen konnten, wo wir wohnen wollten, in einer kleinen Wohnung hoch oben, mit Balkon oder in einem großen Haus mit Garten. Etwas konnten wir aber leider nicht verhindern, sobald wir uns nämlich auf einen engeren Kontakt mit den Menschen einließen, beraubten sie uns operativ unserer Fortpflanzungsfähigkeit. Gerade sie, die sich so rasant vermehrten dass auf dieser Erde für sie bald kein Platz mehr sein würde. Naja, das würde ich wohl kaum mehr erleben, brauchte mir also deswegen keine grauen Haare wachsen zu lassen.
Nun, ich lebe am Rand einer großen Stadt mit viel Grün, Bäumen und Sträucher vor der Haustür. Im Winter ist es hier nicht allzu kalt, viel Schnee gibt es hier auch nicht und im Sommer ist es schön warm, aber nicht zu heiß. Meine Wohnung hatte ich damals gerade aufgegeben, meine Untermieter waren entweder fortgezogen oder gar verstorben, so genau konnte ich das nicht erfahren. Jedenfalls konnte ich so schnell keinen Ersatz finden und zudem wurde ich nicht mehr standesgemäß versorgt. Ja, und das jagen nach Beute lag auch unter meiner Würde. So musste ich baldmöglichst in eine andere Wohnung ziehen für die es galt die passenden Untermieter zu finden. Ja, ja, da war ich, meinem Stand entsprechend, doch sehr anspruchsvoll.
In derselben Wohnanlage wollte ich allerdings schon bleiben, hier hatte es mir ausnehmend gut gefallen. Die Sträucher und Bäume auf die man so schön klettern konnte, die vielen Vögel mit ihrem fröhlichen Gezwitscher, welches allerdings verstummte sobald sie meiner ansichtig wurden. Das alles hatte ich hier und wollte es auf keinen Fall vermissen und die Zufahrtsstrasse war auch nicht viel befahren, also brauchte ich auch keine Angst vor wild gewordenen Autos haben. Das Haus selber hatte zwar fünf Stockwerke, für mich kam aber nur das Erdgeschoss infrage, denn ich wollte ja nicht Stiegen rauf und runter laufen und schon gar nicht den ganzen Tag in einem kleinem, engen Zimmer verbringen. Natürlich sollte unbedingt auch ein Balkon vorhanden sein, so ein erhöhter Aussichtspunkt ist schon doch recht angenehm und so konnte ich ja auch jederzeit kommen und gehen.
Nun ja, da war ja eine geeignete Wohnung in der Nähe, und die Frau, welche ich mir als Untermieterin ausgesucht hatte, schien mir auch sehr passend. Jedenfalls lag sie auf meiner Wellenlänge und sie versuchte mich auch nicht einzufangen oder sonst zu bedrängen, vielmehr stellte sie mir köstliche Nahrung, ganz nach meinem Geschmack, vor die Nase. Obwohl ich einen verdammten Hunger hatte, tat ich doch so als wäre es eine große Ehre für sie, mir einen gut gefüllten Teller voll mit herrlich duftenden Fleisch hinstellen zu dürfen.
Das ging ein paar Tage so fort, und ich kostete anfangs, wenn ich mich beobachtet fühlte, nur ein wenig und ließ den Rest stehen. Etwas später kam ich, wenn ich Lust und Hunger hatte auch zweimal am Tag vorbei. Nachdem ich das Kleingedruckte ganz genau und sorgfältig durchstudiert hatte und auch keine versteckten Klauseln oder Fallen gefunden hatte, blieb ich auch schon öfters auf dem Balkon liegen und genoss die Sonne. Auch mich zu streicheln erlaubte ich der Frau, es tat mir sehr gut und ich fühlte mich wohl, denn sie hatte sehr zartfühlige Hände. Wieder nach einiger Zeit durchschritt ich die Balkontür um mich umzuschauen, ob meine neue Wohnung auch anständig möbliert und sauber ist. Sogar ein komfortables Klo fand ich nach einiger Zeit vor. Nachdem ich nichts auszusetzen fand, beschloss ich hier zu bleiben. Zwei, drei Lieblingsplätze waren auch schnell gefunden, wobei mir die Frau den im Bett erst unter starken Protest überließ. Aber ich konnte sie doch überzeugen, dass mein Wille Gesetz ist. Einmal kam ich nach einer wilden Rauferei verletzt nach Hause, ich konnte es nicht ertragen wenn ein Rivale an meiner Autorität zweifelte. Schleunigst wurde ich zu einem Arzt transportiert und meine bösen Verletzungen richtig behandelt, ich humpelte nämlich und mein Ohr hatte auch einen Treffer abbekommen. Drega, so hieß die Frau, und ich waren von da an ein Herz und eine Seele. Sie gab mir auch einen schönen Namen, nämlich Felix und ich beschloss darauf zu hören.
So fing mein neues Leben als Felix an, ich hatte einen riesigen Glückstreffer mit dieser Frau gelandet, sie war sehr lieb zu mir, lernte sehr schnell meine Sprache und kam jeder meiner Forderungen umgehend nach. Einmal noch gab es eine heftige Überraschung, als ich von einem meiner Ausflüge zurückkam bemerkte ich einen Hund in der Wohnung. Er gab leise Töne des Willkommens von sich und wedelte auch freundlich mit seinem buschigen Schweif. Nein, das war mir zu viel, mit so einem Zeitgenossen, sei er noch so lieb, konnte ich niemals unter einem Dach wohnen. Ich fauchte heftig. Aber Drega beruhigte mich und sagte das sei nur ein Gasthund, er würde noch heute abgeholt und somit war diese Episode schnell vergessen. Ich wurde gut ernährt und bekam jederzeit, über Aufforderung, die mir gebührenden Liebkosungen und Streicheleinheiten. Allerdings musste ich mich noch einer eher unangenehmen Behandlung gegen äußerliche und innere Mitbewohner unterziehen, aber da ich sehr schnell eine Besserung spürte, ließ ich es geschehen. Nur etwas verstand ich nicht. Drega zerkugelte sich vor Lachen, wenn ich um meinen Durst zu löschen, ins Badezimmer ging und aus der sehr sauberen Klomuschel trank. Wieso ich mir das angewöhnt hatte, obwohl in der Küche immer frisches Wasser bereitstand, konnte ich nicht mehr sagen. Es war eben so und das seit ich mich erinnern konnte.
Nun Jeder weiß jetzt wo ich wohne, wie ich heiße, darum wird es Zeit, dass ihr mich näher kennen lernt. Ich bin ein fescher kleiner schwarzer Kater, naja eigentlich schau ich nur schwarz aus, aber wer genauer hinschaut wird schnell bemerken, dass ich eigentlich braun bin. Auf meine weißen Stiefelchen und den gleichfarbigen Latz bin ich besonders stolz und für meine elf Jahre sehe ich verdammt gut aus. Zwei Fangzähne waren mir abhanden gekommen. Ich weiß nicht mehr, ob bei einer meiner Raufereien oder damals, als mich ein Auto ziemlich heftig streifte. Ich flog in hohen Bogen durch die Luft und glaubte schon mein letztes Stündchen hat geschlagen. Heute bin ich ruhiger und vorsichtiger, naja man wird eben schließlich älter. Eine Fähigkeit hatte ich erst jetzt entdeckt. Als ich mich nämlich an Dregas Mutter schmiegte und liegen blieb, wurde die an Alzheimer Leidende ruhig, ihre Augen fingen an zu strahlen und sie lächelte glücklich, ja streichelte mich sogar. Nachdem ich so festgestellt hatte, dass ich den Menschen auf diese Weise helfen konnte, kuschelte ich mich öfter mal an Drega, sie war nämlich auch gar nicht gesund und meist verschwanden dann ihre Schmerzen.
Es kam hin und ab vor, dass Drega für ein, höchstens zwei Tage wegblieb und dann schloss sie mich mit ausreichend Futter in der Wohnung ein. Nun das machte mir nicht viel aus, ich brauchte nicht zu hungern und konnte ungestört einer meiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Schlafen und Träumen, nachgehen.
Doch eines Tages geschah etwas, was mein Leben nachhaltig verändern sollte. Drega saß in den letzten Tagen oft stundenlang vor ihrem Blechtrottel und tratschte mit einem fremden Mann, der allerdings auf dem Bildschirm sehr gut aussah und zudem auch eine angenehme Stimme hatte. Ja und dann an diesem denkwürdigen Abend wirkte sie sehr aufgeregt, machte sich sorgfältig vor dem Spiegel zurecht und überlegte dauernd ob sie auch attraktiv genug sei. Endlich schien es recht zu sein, sie stürmte zu ihrem Auto um zu einem McDonald zu fahren und dort diesen Mann zu treffen, das erzählte sie mir jedenfalls immer wieder. Ja und Stunden später rumpelte es vor meiner Tür, als sie aufgemacht wurde, schob sich erst einmal ein großer immens schwerer Koffer herein und drängte mich zur Seite. Und dann war er da, Zehin war sein Name, das wusste ich bereits von den Computergesprächen und er war mir sofort sympathisch, denn er strahlte so viel Ruhe und Vertrauen aus. Er sollte hier zehn Tage verbringen und wir wurden dicke Freunde und auch Drega ging es auf einmal viel besser, sie wirkte sehr entspannt und glücklich.
Dann waren die zehn Tage vorbei und die Bahn brachte Zehin wieder zurück nach Wien. Würde ich ihn jemals wieder sehen? Das dürfte sich auch mein Frauchen, das sich offensichtlich unsterblich in ihn verliebt hatte, fragen. Ja jetzt kehrte der übliche Alltag wieder zurück nur „skypten“ die beiden jetzt wieder täglich und noch viel länger, denn auch bei Zehin schien es jetzt ganz heftig gefunkt zu haben. Doch es sollte noch ein schwarzer Tag kommen, Dregas Mutter war gestorben und das traf sie ganz schwer, obwohl das auf Grund des Alters und der Krankheit jederzeit zu erwarten gewesen war. Ich versuchte Drega zu trösten so gut es ging und auch das Verständnis und die Liebe, die ihr Zehin entgegenbrachte, halfen ihr diese Zeit zu überstehen.
Und dann kam der Herbst. Es wurde wieder einmal zunehmend nasskalt und windig und Drega machte seltsame Handlungen. Sie beschäftigte sich zunehmend mit einem ziemlich großen Auto, eingerichtet wie so manche Wohnung. Ich fürchtete schon, dass meine Untermieterin ausziehen wollte. Und dann verschwand sie, aber es kam jeden Tag jemand der mir Futter und frisches Wasser hinstellte und auch mein Klo sauber hielt. Das war ja in den vergangenen Jahren, seit Drega bei mir wohnte öfter mal geschehen, meist kam sie nach zwei, höchstens drei Wochen wieder, hatte gute Laune und war schön braun gebrannt. Diesmal jedoch war es schon Herbst. Was soll’s, mein Futter hatte ich ja und dieser Ersatzmensch war ja auch ganz nett. Und pünktlich nach einer Woche war sie ja auch zurück, hatte es ja gewusst. Doch da brachte sie auch noch diesen Kerl wieder mit, diesmal nicht nur mit einem großen Koffer, nein gleich mehrere Kisten wurden in meiner Wohnung verteilt. Das sah ja aus, als hätte ich da noch einen zweiten Untermieter bekommen. Sympathisch war er mir ja, das hatte ich ja schon im Frühjahr bemerkt, und gehorsam war er auch, ich brauchte mich nur zu rühren, er stand auf und öffnete mir die Balkontür und ließ mich ins Freie. Und sobald ich von meinen Ausflügen wieder auf dem Balkon auftauche, kommt er sofort und lässt mich wieder rein. Bloß Futter bringen, das ist nach wie vor Dregas Aufgabe, eine Rangfolge muss schon sein, nicht wahr. Ein paar Kleinigkeiten mussten auch noch geklärt werden, schlief doch der lange Kerl jetzt immer in meinem Bett und kuschelte sich auch noch ständig an Drega, wo das doch meine Aufgabe ist! Aber gut machte er es offensichtlich, denn Drega schlief seitdem viel ruhiger, damit war ich etwas entlastet.
Ja und dann war noch etwas, was mein Leben verändern sollte. Meine beiden Untermieter waren immer gut aufgelegt und zu Scherzen allzeit bereit. Zehin sang seiner Drega ein Lied vom schwarzen Kater Stanislaus vor und sie lachten beide, aber dann meinte er der Name passe gut zu mir. Ich konnte machen was ich wollte, der Name blieb mir und auch die anfänglichen Proteste Dregas verhallten ungehört. Na gut das Wichtigste für mich war, dass ich alles bekam, was ich brauchte und wollte und so arrangierte ich mich, ich kam zu Drega, wenn sie Felix rief und zu Zehin, wenn nach dem Stanislaus gerufen wurde.
So mit der Zeit gewöhnte ich mich an meinen neuen Untermieter und weil er immer so dienstbereit ist, durfte er mich auch öfter mal streicheln. Schlief er noch, wenn ich aufstehen wollte, weckte ich ihn auch besonders sanft, als Auszeichnung für seine Bereitwilligkeit leckte ich ihn auch mal das Gesicht oder die Hand. Das mochte er offenbar besonders gern, denn er wurde sofort wach und machte was ich wollte. Drega war da nicht so zuverlässig, sie musste ich manchmal an den Haaren ziehen, damit sie sich bewegte. Ja, dieser neue Untermieter hatte sich bewährt, er durfte bleiben und das mit dem Bett, nun ja wir hatten uns arrangiert. Und wenn Drega zu unruhig schlief, kuschelte ich mich eben bei Zehin an, das Bett hat ja Platz für uns drei.
Ja so ist das also wenn man sich mit diesen Menschen anfreundet. Er hat sich zwar stark ausgebreitet und die Natur weitgehend zerstört, aber für uns ist er wohl das kleinere Übel um überleben zu können.