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Eine kleine Geschichte für einen verregneten Tag

Eine kleine Geschichte für einen verregneten Tag

09.05.2014, 09:48 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Technik hat ja die letzten fünzig Jahre eine enorme Entwicklung durchgemacht und uns das Leben doch sehr erleichtert, manchmal sogar zu sehr.
Zur Zeit gibt es ja große Debatten über die Stromerzeugnisse und die Preise, die auf uns zukommen. Doch Hand aufs Herz, könnt ihr euch ein Leben ohne Strom überhaupt noch vorstellen?
Der kleine Tim in meiner Geschichte wollte es mal ausprobieren.

Ein Tag ohne Strom

„Doch keiner glaubte das garstige Gerücht!“ diktierte der Lehrer. Tim schloss aufatmend das Heft und reichte es Lukas, der die Diktate einsammelte. Die nächste Stunde hatten sie bei Frau Streit. Tim mochte sie, denn sie machte aus dem langweiligsten Thema eine spannende Sache. Zur Zeit nahmen sie den Strom durch. Es war schon interessant, dass der deutsche Mechaniker Heinrich Goebel bereits 1854 mit einer Bambusfaser- Glühbirne seine Werkstatt erleuchtete. Leider gab es damals noch keine zuverlässige Stromquelle, um dies zu vermarkten.
Auch war nicht Edison der absolute Erfinder der Glühbirne, denn 1878, zehn Monate vorher, brachte der Engländer Josef Swan die erste brauchbare Glühbirne heraus. Warum Edison trotzdem als Erfinder der Glühbirne galt, lag wohl an seinem Durchsetzungsvermögen und Geschäftssinn. Nachdem sich Swan und Edison jahrelang bekriegt hatten, arrangierten sie sich und gründeten die Edison & Swan Electric Light Company und die Deutsche Edison Gesellschaft, die spätere AEG. Wie wichtig der Strom heute überhaupt war und aus unserem täglichen Leben gar nicht mehr wegzudenken wäre, erklärte ihnen Frau Streit und erzählte von dem größten Stromausfall, der 1977 für 25 Stunden New York lahm legte.
Tausende mussten aus Aufzügen gerettet werden. Flughäfen und Bahnhöfe waren lahm gelegt Laternen, Ampeln und Klimaanlagen funktionierten nicht mehr. Die Menschen verkrochen sich in ihren Häusern Über 16oo Geschäfte wurden geplündert, der Schaden ging in die Milliarden.
Im Bellevue Hospital funktionierten nicht einmal die Notstromaggregate mehr und das Personal betätige die Beatmungsgeräte mit der Hand, um die Patienten am Leben zu erhalten.
Am Schluss forderte Frau Streit die Kinder auf, sich einmal zu überlegen, was zuhause alles vom Strom abhängig war.
Tim grübelte auf dem Nachhauseweg darüber nach und dann hatte er eine Idee. Als die Familie dann alle gemeinsam beim Abendessen saßen, machten er ihnen den Vorschlag morgen doch einmal ohne Strom zu leben. Sein Vater war sofort begeistert, er liebte Experimente, doch die Mutter und seine Schwester Lena wollten nicht und sein kleiner Bruder Ricky maulte: „ Martin hat mir sein neues Playstationspiel ausgeliehen, das wollte ich ausprobieren.“
„Das kannst du auch am Sonntag noch, nun kommt, das macht bestimmt Spaß, einen Tag ohne Strom.“
Endlich waren alle einverstanden und Herr Brandl und Tim besiegelten dies mit einem Hand abklatschen.
Als Frau Brandl am nächsten Tag in die Küche kam stand ihr Mann am Herd und füllte heißes Wasser in den uralten Kaffeefilter, der noch von ihrer Mutter war. Der köstliche Duft des Kaffees weckte ihre Lebensgeister.
„Komm setz dich Mama, heute machen Papa und ich das Frühstück,“ forderte sie Tim auf.
Alex Brandl strahlte seine Frau an. „ Und das ganz ohne Strom, ich habe den alten Spirituskocher, den wir immer beim Campen dabei hatten aus dem Keller geholt. Es gibt sogar Frühstückseier.“
Ein Poltern ist auf der Treppe zu hören und Lena stürzte in die Küche mit nassen Haaren. „Warum ist das Wasser in der Dusche kalt!“ Ihr Vater grinste: „ Weil ich im ganzen Haus die Sicherungen ausgedreht habe, außer in der Küche und das nur wegen dem Kühlschrank.“ Lena ließ sich auf den Stuhl fallen und stöhnte: „Richtig heute ist ja der bescheuerte „ein Tag ohne Strom“ !“ „Nun maule nicht, das wird bestimmt Spaß machen.“ Ricky kam in die Küche noch halb verschlafen und krabbelte auf seinen Stuhl.
Das nur auf einem Spirituskocher zubereitet Frühstück war nicht schlecht.
Der mit der Hand zubereitete Kaffee entfaltete sein duftendes Aroma. Die Eier waren wie sie sein sollten, und Tee und Kakao waren auch warm.
Nur gab es Vollkornbrot, da weder Brötchen noch Toast ohne elektrischen Strom zubereitet werden konnten.
Zufrieden lehnte sich Herr Brandl zurück. „ Das war doch mal ein guter Anfang.“ Listig sah er seine Frau an: „Übrigens Helga, wenn du vor hast heute zu bügeln, ich glaube auf dem Dachboden liegt noch ein altes Eisen von meiner Oma.“ „Ach und wo nimmst du das Feuer her,“ grinste Helga. „Wir könnten ja ein Lagerfeuer machen!“ rief Tim und alle lachten.
Nun aber grinste Helga ihrerseits ihren geliebten Ehegatten an. „Weißt du Liebling, wenn du heute Rasen mähen möchtest, ich glaube, dass Bauer Meier noch eine Sense in seinem Stall hat.“ In das fröhliche Gelächter rief Lena „ und Papa wie willst du dich denn heute rasieren!“
Dieser fuhr mit der Hand über die Stoppeln an seinem Kinn. „Gar nicht, sehe doch so ganz sexy aus, oder Helga?“ Er beugt sich vor und gibt ihr einen Kuss. Genervt verdrehen die Geschwister die Augen.
Ihre Eltern waren wirklich manchmal peinlich. Sie waren doch schon sooooo alt und knutschten immer noch wie Teenager herum.
Nachdem das Frühstück beendet war, gingen Helga und Lena zum Einkaufen und Alexander und seine Söhne mussten das Geschirr waschen. „Dass ihr mir ja nicht die Spülmaschine benutzt!“ drohte Frau Brandl. „Nein, nein wir mogeln nicht!“ Es war beschlossen worden, dass sie an den, einige Kilometer, entfernten See wanderten und dort ein Picknick machten.
Am Abend spielten sie dann bei Kerzenschein Monopoly. Als sie zu Bett gingen, wobei die Eltern voran gingen und den Weg mit der Kerze beleuchteten, waren sie sich alle einige, dass es ein gelungener Tag war.
Aber so schnell wollten sie diesen Tag aber auch nicht mehr wiederholen.
Mit Strom lebte es sich wesentlich bequemer.

© Lore Platz

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1 Kommentar

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Liebe Lore
Heute habe ich einige Deiner Geschichten hier in Seniorenbook gelesen. um einen Kommentar zu schreiben musste ich mich anmelden.
Denke doch dass ich hier richtig auf Deiner Seite bin.
Mal sehen wie es hier so läuft
, vielleicht schreibe ich auch mal etwas.
Das Bild ist mein jüngster Urenkel
Nächste Woche sende ich wieder ein paar Gedichte.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend Joachim
  • 11.05.2014, 16:42 Uhr
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