wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Die Alten und die Neuen – großer Wirbel im seniorbook-Dorf!

Die Alten und die Neuen – großer Wirbel im seniorbook-Dorf!

Christine Kammerer
15.05.2014, 09:50 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Es war ein bisschen wie auf dem Dorf. Jeder hatte so seine gewohnten Gänge und seine gepflegten Rituale. Man lief über den Marktplatz – nur vertraute Gesichter. Man schaute auf ein Bier in der Dorfwirtschaft vorbei und plauderte ein wenig mit den anderen Einheimischen. Beim zweiten Bier philosophierte man dann schon über Gott und die Welt. Man kannte sich eben. Und so ganz nebenbei wurden die Fremden beäugt, die das Stammlokal betraten. Eintagsfliegen vermutlich. Jedenfalls meistens Besucher, die wieder nach Hause gingen, wenn sie ihr Bier getrunken hatten.

Und wenn sie dann doch einmal blieben, konnte man sich so nach und nach daran gewöhnen. Man gab ihnen eine Schonfrist. Beschnupperte sich gegenseitig. Machen sie einen guten Eindruck? Sind sie freundlich und umgänglich? Integrieren sie sich in den Dorfalltag? Oder sind sie irgendwie sonderbar?

Platzhirsche und Dorfkasperle gibt es überall…

Ein paar Sonderlinge gab es natürlich schon immer im Dorf. Merkwürdige Gestalten. Menschen, die nur an einem vorbei huschen, ohne zu grüßen. Aber auch an die hat man sich längst gewöhnt. Sie sind eben da. Gehören halt auch irgendwie dazu. Jedes Dorf hat schließlich auch seine Dorfdeppen. Und natürlich auch ein paar Platzhirsche, Lästermäuler und Ratschkatheln.

Es gibt überall Menschen, die lieber für sich bleiben - in ihrem kleinen Kreis. Es gibt solche, die lieber abwarten, bevor sie Kontakte knüpfen. Und es gibt Dörfler, die von Natur aus sehr aufgeschlossen sind. Oder einfach nur neugierig. Die Mutigen fassen sich ein Herz und klopfen auch schon mal bei den Fremden an der Haustür: „Sind Sie neu hier? Also, falls Sie mal was brauchen…“ Manchmal der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…

Hoppala, Eindringlinge!

Aber was tun, wenn plötzlich eine ganze Horde neuer Bewohner ins Dorf einfällt und alles durcheinander wirbelt? Sich neugierig überall umschaut, im Dorfwirtshaus breit macht und die Dörfler aus ihren schönen, alten Gewohnheiten heraus reißt? Und natürlich ecken die Neuen bei ihren ersten Erkundungszügen durchs Dorf hier und da auch schon mal an, trampeln ein paar Gänseblümchen nieder oder verstoßen gar gegen die Regeln der Einheimischen. Meist nicht einmal aus böser Absicht, sondern einfach, weil sie die ungeschriebenen Gesetze gar nicht kennen - die Cliquen und die Grüppchen, die Wichtigen und die, die immer genau wissen, wo es lang geht. Spätestens dann gehen bei ein paar Einheimischen die Warnlampen an: "Hoppala, Eindringlinge! Die platzen hier einfach so rein – passen die denn überhaupt zu uns?"

Irgendwann sind die Neuen die Alten
Und die Neuen? Schließlich haben die ja ihre alte Heimat auch nicht ganz freiwillig aufgegeben. Sie wurden sozusagen über Nacht ausquartiert. Das alte Dorf gibt es nicht mehr. Und im neuen fühlen sie sich erst mal gar nicht so sehr willkommen. Kein Wunder also, wenn es da großen Wirbel gibt. Und gelegentlich auch mal Hickhack. Bis auch die neuen ihren Platz gefunden haben. Dann gibt es eben neue Grüppchen und neue Freundschaften. Ein paar besonders Wichtige und solche, die immer genau wissen wo es lang geht. Platzhirschen und Dorfkasperle, neue Lästermäuler und neue Ratschkatheln, aber natürlich auch jede Menge nette und interessante Leute. Und irgendwann – meist dauert es ja gar nicht so lange – sind die Neuen die Alten. Denn die Alten waren ja schließlich auch irgendwann einmal die Neuen.

In diesem Sinne: Willkommen, ihr Neuen! Schaut euch um in unsrem Dorf und fühlt euch wie zu Hause! Und den alten Hasen erst einmal gute Nerven und viel Geduld – nehmt‘s mit Humor: Gänseblümchen wachsen wieder nach und letztlich sind neue Menschen doch immer auch eine große Bereicherung…

27 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Die Dorfgemeinschaft eines Bayerwalddorfes wurde eindrucksvoll beschrieben.
Eine vergleichbare Invasion von Fremden fand mit dem Zuzug der Flüchtlinge in Westdeutschland nach dem Kriegsende 1945 statt.

Bunt gemischt, vom Bankdirektor über den General bis zum Makrelenfischer; aus der Batschka, aus Berlin und Kiew überschwemmten sie das Dörfchen.

Es bildeten sich zielorientierte Notgemeinschaften.
Solche, die bleiben wollten, Auswanderungswillige und Chancenlose.

Nach 3 Jahren hatte das Chaos an Energie verloren. Die Dorfgemeinschaft nahm wieder stabile Form an.

Die Haltung war allerdings nicht mehr die ursprüngliche.
Die CSU-Mehrheit war der SPD-Mehrheit gewichen.
Der Dorfdepp blieb zwar noch der gleiche,
aber die Meinungsführer von früher fielen in die Minderheit und starben aus.
Es hatte sich ein gänzlich neues Dorfbewusstsein gebildet.

Ähnlich sehe ich die Entwicklung bei SB.

Sobald sich die Dynamik, die sich in verbalen Tic-Entladungen äußert, beruhigt hat,
  • 24.07.2014, 16:52 Uhr
wird SB als neuer Kristall erstrahlen zu unser aller Vergnügen.
  • 24.07.2014, 16:54 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Habe leider auch erst heute den tollen Beitrag gelesen und bin begeistert. Genauso ist es.
  • 24.07.2014, 12:09 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
so ist es liebe Christine, lese den Beitrag erst jetzt, doch es ist gekommen,wie Du sagst, alles easy. Ich jedenfalls habe bis auf eine unüberlegte Meinung einer 19 Jährigen ! die
  • 24.07.2014, 10:49 Uhr
Zeit wie immer hier verbracht und habe " Freude" und neue " Freunde" iim SB-Dorf gefunden
  • 24.07.2014, 10:53 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sehr schön fornmuliert
und vielen Dank für den netten Willkommensgruß
  • 30.06.2014, 19:57 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das hast Du jetzt aber gut ausgedrückt. Bin auch eine Neue und halte es mit der Höflichkeit einer Neuen: Blumen mitbringen, Lächeln und später, wenn das Eis etwas getaut ist, Witze reißen. Dann klappt es auch mit dem Nachbarn
Wer natürlich hereinstolpert und darauflos"rotzt", muss sich nicht wundern, wenn Gegenwind aufkommt
In diesem Sinne: Auf ein fröhliches und ehrenvolles Miteinander!
  • 22.05.2014, 16:19 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Christine, vielen Dank für den lesenswerten Beitrag. Er erinnert mich an die Erzählung meiner Eltern und Großeltern die nach den Krieg vom Sudetenland nach Deutschland kamen. Sie wurden auch beschimpft, gemobbt und mußten den Mund halten. Zwanzig Jahre später hat keiner mehr danach gefragt: wo kommst her und was willst hier. Und unser Garten glich eher einer aus Einheimischen und Heimatvertriebenen zusammengewürfelten Festgesellschaft, als einer ignorierten Außenseitergesellschaft.
  • 22.05.2014, 11:30 Uhr
Ein toller lesenswerter Beitrag, der Mut macht.
Bin auch eine WKW-Heimatvertriebene und würde mich freuen, wenn ich hier gut aufgenommen werde und neue Freunde finde.
  • 05.06.2014, 23:09 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Wie wunderbar passen der Vergleich!
Mir ist hier schon oft aufgefallen dass es hier sehr vertraute Grüppchen gibt bei denen man sich schon ein bissele störend vorkommt. Aber ich finde das verständlich.
So schau ich überall mal rein und misch mich nur ganz selten und sehr vorsichtig ein. Lieber erzähl ich selbst etwas und warte, wer mir so alles zuhört.
Es war eben eine heftige und geballte Welle, die über SB zusammen schlug!
  • 21.05.2014, 18:03 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Den Nagel auf dem Kopf getroffen
toll + lustig aber passend geschrieben
schööööööööööööön gehöre auch zu den Eindringlingen hab aber noch keine Gänseblümchen zertreten mag die !!!!!
  • 19.05.2014, 23:42 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Genial , ganz toll geschrieben
  • 16.05.2014, 08:06 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Super, das finde ich Klasse.
  • 16.05.2014, 05:55 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren