Die Dorfhochzeit, Pieter Bruegel der Ältere (16. Jh.
Die Dorfhochzeit, Pieter Bruegel der Ältere (16. Jh.Foto-Quelle: http://bar.wikipedia.org/wiki/Datei:Die_Bauernhochzeit_%28Ausschnitt_1%29.jpg

Die Alten und die Neuen – großer Wirbel im seniorbook-Dorf!

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Es war ein bisschen wie auf dem Dorf. Jeder hatte so seine gewohnten Gänge und seine gepflegten Rituale. Man lief über den Marktplatz – nur vertraute Gesichter. Man schaute auf ein Bier in der Dorfwirtschaft vorbei und plauderte ein wenig mit den anderen Einheimischen. Beim zweiten Bier philosophierte man dann schon über Gott und die Welt. Man kannte sich eben. Und so ganz nebenbei wurden die Fremden beäugt, die das Stammlokal betraten. Eintagsfliegen vermutlich. Jedenfalls meistens Besucher, die wieder nach Hause gingen, wenn sie ihr Bier getrunken hatten.

Und wenn sie dann doch einmal blieben, konnte man sich so nach und nach daran gewöhnen. Man gab ihnen eine Schonfrist. Beschnupperte sich gegenseitig. Machen sie einen guten Eindruck? Sind sie freundlich und umgänglich? Integrieren sie sich in den Dorfalltag? Oder sind sie irgendwie sonderbar?

Platzhirsche und Dorfkasperle gibt es überall…

Ein paar Sonderlinge gab es natürlich schon immer im Dorf. Merkwürdige Gestalten. Menschen, die nur an einem vorbei huschen, ohne zu grüßen. Aber auch an die hat man sich längst gewöhnt. Sie sind eben da. Gehören halt auch irgendwie dazu. Jedes Dorf hat schließlich auch seine Dorfdeppen. Und natürlich auch ein paar Platzhirsche, Lästermäuler und Ratschkatheln.

Es gibt überall Menschen, die lieber für sich bleiben - in ihrem kleinen Kreis. Es gibt solche, die lieber abwarten, bevor sie Kontakte knüpfen. Und es gibt Dörfler, die von Natur aus sehr aufgeschlossen sind. Oder einfach nur neugierig. Die Mutigen fassen sich ein Herz und klopfen auch schon mal bei den Fremden an der Haustür: „Sind Sie neu hier? Also, falls Sie mal was brauchen…“ Manchmal der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…

Hoppala, Eindringlinge!

Aber was tun, wenn plötzlich eine ganze Horde neuer Bewohner ins Dorf einfällt und alles durcheinander wirbelt? Sich neugierig überall umschaut, im Dorfwirtshaus breit macht und die Dörfler aus ihren schönen, alten Gewohnheiten heraus reißt? Und natürlich ecken die Neuen bei ihren ersten Erkundungszügen durchs Dorf hier und da auch schon mal an, trampeln ein paar Gänseblümchen nieder oder verstoßen gar gegen die Regeln der Einheimischen. Meist nicht einmal aus böser Absicht, sondern einfach, weil sie die ungeschriebenen Gesetze gar nicht kennen - die Cliquen und die Grüppchen, die Wichtigen und die, die immer genau wissen, wo es lang geht. Spätestens dann gehen bei ein paar Einheimischen die Warnlampen an: "Hoppala, Eindringlinge! Die platzen hier einfach so rein – passen die denn überhaupt zu uns?"

Irgendwann sind die Neuen die Alten
Und die Neuen? Schließlich haben die ja ihre alte Heimat auch nicht ganz freiwillig aufgegeben. Sie wurden sozusagen über Nacht ausquartiert. Das alte Dorf gibt es nicht mehr. Und im neuen fühlen sie sich erst mal gar nicht so sehr willkommen. Kein Wunder also, wenn es da großen Wirbel gibt. Und gelegentlich auch mal Hickhack. Bis auch die neuen ihren Platz gefunden haben. Dann gibt es eben neue Grüppchen und neue Freundschaften. Ein paar besonders Wichtige und solche, die immer genau wissen wo es lang geht. Platzhirschen und Dorfkasperle, neue Lästermäuler und neue Ratschkatheln, aber natürlich auch jede Menge nette und interessante Leute. Und irgendwann – meist dauert es ja gar nicht so lange – sind die Neuen die Alten. Denn die Alten waren ja schließlich auch irgendwann einmal die Neuen.

In diesem Sinne: Willkommen, ihr Neuen! Schaut euch um in unsrem Dorf und fühlt euch wie zu Hause! Und den alten Hasen erst einmal gute Nerven und viel Geduld – nehmt‘s mit Humor: Gänseblümchen wachsen wieder nach und letztlich sind neue Menschen doch immer auch eine große Bereicherung…