Tor zum Kloster Schwarzach
Tor zum Kloster Schwarzach

Kunigunde kehrt heim

Beitrag von wize.life-Nutzer

Zum Andenken an meine Ahnen

Kunigunde kehrt heim

Alles begann im Jahr 1799.

Es war noch dunkel, als im Schatten der riesigen Klosterabtei Schwarzach bei Bühl, Martin Klöpfer und seine Familie die Heimat verließ, um im Banat, dem damaligen (Österreich)-Ungarn, ein besseres Leben zu finden.
Kunigunde, 8 Jahre alt, fiel der Abschied sichtlich schwer. Als Älteste von drei Geschwistern musste sie den Handkarren ziehen helfen worauf das ganze Hab und Gut der Familie war, welches ihnen noch blieb, nachdem sie sich aus der Leibeigenschaft losgekauft hatten. Ihr kleiner Bruder Johannes schlummerte friedlich in seinem Kissen, nichtsahnend, dass er irgendwo, weit weg erst aufwachen wird. Die Mutter war wieder guter Hoffnung und mit der kleinen Schwester Rufina an der Hand schritten sie hinter dem Wagen her.
„Komm Kunigunde“, ermahnte der Vater sie, denn der Weg war lang und in drei Tagen mussten sie in Ulm sein, von wo sie mit dem Boot, die sogenannte „Ulmer Schachtel“, die Donau hinab ins ferne Ungarnland, genauer gesagt ins Banat, fahren wollten.
Es musste auch geklappt haben, denn im Familienbuch von Darowa im Banat, im heutigen Rumänien, wird laut Kircheneintrag im Jahre 1815 der Tod von Anna Maria, die Klepferin angezeigt und ein Jahr später stirbt auch Martin Klepfer (Klöpfer).

Kunigunde, deren Name Kunni (die Sippe) und Gund(der Kampf) schon andeutet, dass sie die Sippe zusammenhält, hat nach dem Tod ihrer Eltern die noch kleineren Geschwister betreut.
Sie starb mit 41 Jahren, ledig.
1820 ist die Heirat von Georg Klepper im Kirchenbuch vermerkt. Der Familienname hatte sich von Klepfer in Klepper geändert.
Nach der ersten Zeit der Not konnten die nachfolgenden Generationen Johannes, Georg und Simon Klepper als Bauern überleben.
Mein Großvater Josef Klepper, der Sohn von Simon, verlässt Darowa und heiratet Gillot E. aus Kübeckhausen.
Das Ende des Ersten Weltkrieges und damit die Teilung des Banats, hat der Entwicklung der Geschichte eine neue Wende gegeben. Ein Teil der Familie Klepper lebte nun nicht mehr in Ungarn sondern in Rumänien. Ihr neues Zuhause ist das Städtchen Lugosch.
Der Zweite Weltkrieg hat das Land der Banater Schwaben, in dem Lugosch liegt, mit in den Abgrund gezogen. Zu sehr hatten sie sich von den Versprechungen des Führers des Dritten Deutschen Reiches verblenden lassen, und mussten am Ende des Krieges ihren Blutzoll bezahlen.
Im März 1943 kam ich im Haus von Michel und Katharina Klepper, als sechstes Kind zur Welt. Man gab mir den Namen Kunigunde.


1979 Flughafen, Bukarest

„Beeilt euch Kinder, der Flieger wartet nicht“ ermahnte ich meine Söhne Peter und Heinz, acht und neun Jahre alt, welche ihre Stoffelefanten fest im Arm haltend, voller Erstaunen auf die riesigen Flugzeuge schauten. Ich habe mit meiner Familie, wie Tausende andere Deutsche auch, die Ausreise aus dem inzwischen kommunistischen Land Rumänien beantragt, um nun im Land unserer Ahnen ebenfalls eine bessere Zukunft für unsere Kinder gestalten zu können. Durch Fleiß und Durchsetzungsvermögen haben wir das Ziel erreicht.
Die Zeit verging und unsere Söhne wurden flügge. Nun hatten sie die Freiheit, an ihrer Zukunft selber zu arbeiten. Während Peter seinen Platz in unserer Nähe fand, zog es Heinz nach Amerika, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

2003, seit ich in Rente bin, kann ich mein Hobby, die Ahnenforschung, dank Internet mit mehr Erfolg ausüben. All meine Suche nach Martin Klepper war lange Zeit vergeblich, doch als das Familienbuch von Darowa erschien und ich erfuhr, dass ich nach Klepfer suchen musste, war die Suche spannend, aber auch erfolgreich.
Aus Seelbuch der Pfarrei Vimbuch, Familie Martin Klöpfer aus Moos

Nummer 7336 Klepfer
Martin*1764, Moos. Eltern: Jakob Klepfer und Salome Fessler
Heiratet 1787 Knebel Maria Anna. Eltern: Josef Knebel und Maria Anna Spitzmesser
Kinder
1.Rosina*1788 Moos +1793 Moos
2.Kunigunde*1791 Moos
3.Rufina *1793 Moos
4.Lorenz*1794 Moos+1796 Kloster Schwarzach
5.Johannes*1997 Moos
Stadtgeschichtliches Institut, Bühl

Damit war das Geheimnis gelüftet. Im Jahre 1800 muss irgendwo auf dem Weg der Sohn Georg geboren worden sein; Rufina muss verstorben sein, denn sie wird in der Familie nicht mehr erwähnt.
Natürlich war ich bestrebt den Ort, von wo unsere Ahnen einst weggezogen sind zu besuchen.
September 2012 war es soweit.
Ergriffen las ich den Willkommensgruß der Gemeinde Moos und durschritt danach das Originaltor des Klosters Schwarzach durch das einst meine Namensverwandte Kunigunde ihre Heimat verließ.

Landshut, September 2012
Hexa-Kunigunde Kirch, geborene Klepper

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