EIN ABEND IM SPIELSALON
EIN ABEND IM SPIELSALON

EIN ABEND IM SPIELSALON

Beitrag von wize.life-Nutzer

Jetzt sitze ich wieder einmal vor diesem großen Bildschirm voll bunter Symbole und bin auf der Suche nach dem Glück, welches mir der Apparat mit leiser Musik und mit lockenden Bildern verspricht. Unter dem Display ist ein Bedienfeld mit einigen Tasten für die verschiedensten Aktionen angebracht. So wird hier das Spiel ausgesucht und gestartet so wie der Einsatz festgelegt. Hier werden auch die „paylines“ zu deutsch Gewinnlinien, bis zu fünfundzwanzig gültige Kombinationen gibt es je nach Apparat und Spiel und auf dem so genannten „paytable“ lässt sich der mögliche Gewinn ablesen. Auch lässt sich einstellen, ob man sich einen kleinen Gewinn auszahlen lässt oder sammelt, um weiter zu spielen. Sonst lässt sich bei eventuellen Problemen auch noch über Knopfdruck, wobei eine Lampe aufleuchtet, eine Saalaufsicht herbei rufen. Vor jedem der Apparate, es werden hier so an die sechzig sein, steht ein ziemlich hoher Hocker auf den man aufsteigen muss. Naja das wird wohl seinen Sinn haben, aber richtig bequem ist das nicht, na gut, soll wohl so sein.
Früher funktionierten diese Automaten rein mechanisch. Durch Herunterziehen eines Hebels wurden meist drei, vier oder fünf Walzen, oder auch Scheiben in Bewegung gesetzt. Diese werden als „reels“ bezeichnet, aus dem Englischen, weil Ende des 19. Jahrhunderts diese Automaten zuerst in Amerika gebaut und betrieben wurden. Auf den Walzen oder Scheiben waren verschiedene Zahlen, Früchte oder auch andere Symbole aufgemalt. In rotierende Bewegung versetzt bleiben sie endlich nach dem Zufallsprinzip stehen und in einem Fenster, in meist drei waagrechten Zeilen, erscheinen die verschiedensten Bildfolgen. Bei drei gleichen Symbolen in einer dieser Zeilen hatte man einen Gewinn.
Aber die Zeichen waren nur gültig von links nach rechts gelesen. Von der Bedienung mit dem Hebel und weil er bares Geld forderte kommt auch der Name, einarmiger Bandit.
Nun die Automaten vor denen ich jetzt sitze, gehören schon der neuesten Generation an. Sie sind voll elektronisch und computergesteuert. Sie sind auch schneller und bunter, zudem hat man noch die Auswahl unter fünf bis sechs interessanten Spielen. Zusätzlich gibt es auch noch Bonusrunden, welche die Gewinnchancen stark erhöhen. Und da ein Spiel gegenüber früher im Durchschnitt rascher vor sich geht und somit vielen schneller als von ihnen gewünscht das Geld ausgeht, wechseln die Spieler häufiger, so dass jeder Automat noch viel besser, im Sinn des Aufstellers, ausgenutzt wird. Auch sind diese Apparate leichter zu warten und Manipulationen werden sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Man findet deshalb solche Geräte häufig auch in Gaststätten. Die Apparate sind gut gesichert und alarmgeschützt, einen solchen Automaten gewaltsam zu knacken, um an die Geldkasse heran zukommen, ist praktisch unmöglich.
Mit der starken, weltweiten Verbreitung des Internet ist es nun sogar möglich vom gemütlichen Wohnzimmer aus am Computer an einem solchen virtuellen Automaten zu spielen. Da gibt es mittlerweile bereits eine größere Anzahl von Anbietern. Selber habe ich das noch nicht ausprobiert, weil mir diese besondere Atmosphäre der zumeist größeren Spielhallen fehlt. Dort bringt, falls gewünscht, geschultes Personal diskret Getränke und kleine Imbisse. Das Summen dieser Automaten, das Anzeigen eines Gewinnes durch diverse Melodien und das Geraune der verschiedensten Besucher, nur unterbrochen durch einen kurzen Jubelruf bei einem größeren Gewinn, bildet einen sehr angenehmen Klangteppich. Dazu kommt noch eine gedämpfte Beleuchtung, die einem die Zeit völlig vergessen lässt. So bin ich einmal nach einer Abendvorstellung im Kino noch ins Casino gegangen und als ich mich endlich entschloss zu gehen strahlte mich die Sonne des nächsten Tages voll an und es war gerade die richtige Zeit zum Mittagessen.
Naja, ob echt oder virtuell auf dem Computer, der Ablauf des Spieles, die Regeln sind die gleichen, die Strategie ist einfach. Da die Stellung der einzelnen Symbole oder Bilder pro Rolle vom Zufall abhängt und man auf die Endstellung keinen Einfluss hat, kann man nur jedes Mal neu hoffen ob es klappt. Es gibt zwar einen Start-, aber keinen Stopp- Knopf, somit ist man nach dem Start dem Apparat voll ausgeliefert.

Jetzt hoffe ich die Stimmung in diesem Saal einigermaßen treffend beschrieben zu haben und wechsle den Automaten. Ich schwinge mich auf einen der Hocker vor einen der bunten Apparate der den Moment frei geworden ist. Mein Vorgänger scheint hier vergebens sein Glück versucht zu haben und sein Spielkapital ging zu Ende oder aber er verlor dank fehlender Erfolge das Interesse an eben diesem Apparat. Da hier für den Anderen das Glück ausgeblieben war, glaubte und hoffte ich, dass jetzt mir die gebratenen Tauben in den Mund fliegen würden. Der Apparat musste voller Geld sein und wenn ich einen Joker oder Jackpot erwischen sollte, bekam ich alles aus diesem Automaten. Es lohnt sich also, immer im Blick zu haben, wie lange ein Spieler erfolglos gespielt hat und weggeht, um sein Spiel zu übernehmen. Aber diese Theorie ist ziemlich vage, weil es reine Zufall sein soll, ob man gewinnt oder nicht. Natürlich ist die Chance bei Spielen größer, bei dem es mehr paylines gibt, aber die Gewinne sind auch kleiner.
Zuerst zückte ich einmal meine Geldbörse und ein Blick hinein zeigt mir, dass noch genügend Geld vorhanden ist um selbst bei Verlust doch noch einige Zeit spielen zu können. Dann warf ich einen Blick auf die Liste der hier vorhandenen Spiele. Solche mit Zahlen oder Obst interessierten mich nicht, also blieben nur mehr zwei Spiele übrig. Azteca hieß das von mir gewählte, die lustigen Bilder und ein Blick auf den „paytable“ mit hier sehr großen Gewinnen bestärkten mich in meiner Wahl. Dazu kam noch, dass es hier noch einen „Joker“ gab, der mir verhelfen würde ein paar Zusatzspiele zu erlangen und so meine Gewinnchancen erhöhen würde. Nun warf ich eine Münze ein, drückte auf den Startknopf und schon flimmerte der Bildschirm, die Bilder und Symbole rollten und blieben mit einem leichtem Ruck stehen, Zeigten sie eine gültige Anordnung („paylines") hatte ich gewonnen, waren sie nicht diesen Regeln entsprechend, hatte ich verloren. Mit jedem Druck auf den Startknopf, das gleiche flimmern und die Frage, wird diesmal die Anordnung richtig und ein Gewinn erreicht sein? Jedes mal wenn die erste Figur richtig ist, die hoffnungsvolle Erwartung, dass diese auch stimmt, was sich zunehmend steigert, aber auch nach einer Serie von Flops ist die Enttäuschung spürbar. Ich hatte Glück, gleich bei dem ersten der fünf Spiele, die mir mein Einsatz ermöglichte, gab es auch sofort drei gleiche Bilder in einer gültigen Reihe, somit einen kleinen Gewinn, dann verlor ich wieder und so ging es eine Weile hin und her. Die Musik sowie die sonstigen Geräusche bei Erfolg waren irgendwie besonders faszinierend. Ich warf immer neue Münzen ein, schließlich holte ich eine Banknote hervor und erhöhte damit meinen Einsatz, was auch meine Gewinne vergrößern sollte. Und ich drückte auch nicht mehr den Knopf für das einzelne Spiel, sondern den für Dauerspiel auf der anderen Seite. Nun hatte ich Pause und beobachtete fasziniert das Farbenspiel, die Gewinnchancen bleiben bei Einzelspiel und bei Dauerspiel gleich. Mein Einsatz hatte sich inzwischen verdreifacht, das heißt, ich hatte tatsächlich mehr gewonnen als ausgegeben.
Aber irgendwie verlor ich das Interesse an „Azteca“, und durch die Nutzung der Dauerspieltaste könnte man ja jetzt auch an zwei Apparaten gleichzeitig spielen, was ich selber aber nicht tat. Ein kurzer Seitenblick zeigte mir, dass der Apparat neben mir gerade frei geworden war und so wechselte ich hinüber. Dort suchte ich mir ein Spiel mit Fischen, Delphinen, Krebsen und weiteren Meeresgetier aus, ebenfalls mit Bonusspielen. So konnte ich mit drei Muscheln, welche Perlen enthielten eine größere Anzahl Freispiele erreichen, und so zusätzliche Gewinnmöglichkeiten erwerben. Bei diesem Spiel war es sogar möglich, mit drei Perlmuscheln wiederum extra Freispiele zu bekommen. Auch hier ging es mir sehr gut, aber langsam bekam ich Hunger und so begab ich mich ins Kaffee auf die Galerie um eine kleine Mahlzeit einzunehmen.
Beim Bezahlen bekam ich als Rechnung eine Gutschrift, mit der ich nachher auch weiterspielen konnte, was ich dann auch noch tat um schließlich mit einem schönen Plus nach Hause zu gehen. Nun diesmal hatte ich einen richtigen Glückstag, aber das war nicht immer so, ich hab auch schon manchmal beim Verlassen der Spielhalle nicht einmal mehr eine Münze in der Tasche gehabt.
Es sollte einem klar sein, dass der Automatenbetreiber verdienen will, dass Personal gezahlt werden muss und auch Vater Staat seinen Anteil fordert. Um dem Spieler auch eine gewisse Chance zu geben, ist gesetzlich eine Gewinnausschüttung vorgeschrieben, die in Deutschland 57 Prozent beträgt, in Amerika bedeutend höher und Online am Höchsten ist. Das bedeutet aber nicht, dass ich höchstens 43 Prozent von meinem Spielkapital verlieren kann, denn diese Vorschrift bezieht sich immer auf sämtliche Automaten des entsprechenden Betriebes und nicht für das einzelne Spiel. Es ist auch zu bedenken, dass sich ein Heer von Psychologen den Kopf zerbrochen hat, welche Automatengestaltung den größten Anreiz bieten, wie Musik, Klänge und das Geschehen auf dem Bildschirm den Spieler anlocken und faszinieren sollen. Außerdem sollen Licht und dämpfende Teppiche und eine entsprechende Geräuschkulisse den Alltag vergessen lassen. Aber es soll auch an den Automaten kein Leerlauf auftreten, sondern sie sollen dauernd besetzt sein. Da sich wie bereits gesagt, viele Psychologen den Kopf zerbrochen haben, wie man den Spieler an den Automaten zieht und ihm Illusionen vom Geldfluss und Glück vorgaukelt kann es auch sein, dass labile Menschen der Spielsucht verfallen. Dann droht Verarmung und Vereinsamung, hier hilft nur mehr ärztliche Behandlung.
Selber setze ich mich nur an einen solchen Apparat, wenn ich weiß, der Betrag den ich womöglich verspiele, tut mir nicht weh. So habe ich zwar die Hoffnung „reicher“ heim zu gehen andererseits habe ich, trotz etwaigen Verluste, eine angenehme und entspannende Zeit hinter mir gehabt.