Ein Wagen der Zahnradbahn/Nußdorf
Ein Wagen der Zahnradbahn/Nußdorf

MOPPEL-2..........weit ist der Weg

Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Fahrt nach und durch Österreich hatten wir ja jetzt gut überstanden. Der Campingplatz war wirklich schön und wir konnten uns dort alle von der doch anstrengenden Fahrt sehr gut erholen. Und wir hatten es ja auch eilig gehabt, Zehin musste zu einer Kontrolluntersuchung ins Spital. Es war für mich sozusagen die Feuertaufe gewesen und ich hatte sie gut bestanden. Ja ja, immer dieser Termindruck. Aber die Untersuchung im Spital war für Zehin doch sehr wichtig. Nächstes mal wollten wir eine so große Strecke in Etappen zurücklegen.
Die Fahrt durch Wien war nicht immer gerade einfach für mich gewesen. Schließlich bin ich breit und behäbig, eben ein alter Herr. Zehin kannte ja als vormaliger Taxler Wien sehr gut und wollte Drega so viel wie möglich davon zeigen. So fuhren wir über den Ring mit all seinen Prachtbauten, welche da hintereinander aufgefädelt standen. Da ist die Staatsoper, die nicht nur musikalisch weltbekannt ist, sondern auch durch den Wiener Opernball, der jährlich die Spitzen aus Politik, Wirtschaft, sowie bekannte Künstler in die Stadt bringt. Und schon geht es weiter und die Hofburg wird sichtbar. Hier war ehedem der Sitz der Kaiser der Donaumonarchie, zuletzt der von Kaiser Franz-Josef und Maria Theresia als die bekanntesten. Dort gibt es auch die Schatzkammer und am Heldenplatz davor befindet sich auch noch die Nationalbibliothek und gegenüber auf der anderen Seite vom Ring die beiden großen Museen, das Kunsthistorische- und das Naturhistorische Museum. Weiter ging’s zum Parlament und dann zum Rathaus mit seinem schönen Park davor und gegenüber gleich das Burgtheater als die bedeutendste Sprechbühne des deutschen Sprachraumes. Natürlich lernte ich auch den Prater kennen, da ja Zehin direkt nebenan gewohnt hatte. Zehin wollte seinem Schatzi möglichst viel zeigen und seine Ortskenntnisse beweisen und ließ Drega den allerkürzesten Weg fahren, wobei er aber nicht bedachte, dass ich etwas breiter und schwerer bin. So musste ich mich durch enge Gassen und über diese neuartigen Schwellen, die das Tempo drosseln sollten, quälen. Auch zu einem unliebsamen Zwischenfall kam es, als ein anderes Auto in einer Kurve meine Breite unterschätzte und mich streifte, mir eine seitliche Zierleiste demontierte, sich selber den Rückspiegel abriss und eine schöne Schramme als Trophäe mit heim nahm. Meine Fahrtauglichkeit war aber dadurch nicht eingeschränkt. Aber ich überstand auch das unbeschadet. Besser man legt sich nicht mit mir an.
Ein Tagesausflug nach Sopron fand mit dem Auto eines Freundes statt, da Zehin zu Recht befürchtete, dass es dort für mich Parkschwierigkeiten geben würde. Aber dafür fuhren wir nach Hinterbrühl. einem kleinen Ort im Wienerwald, bekannt durch sein SOS-Kinderdorf und vor allem durch seine Seegrotte. Dies ist ein ehemaliges Gipsbergwerk und dort ist Europas größter unterirdischer See. Durch einen Wassereinbruch war der Stollen vollgelaufen und stillgelegt worden. Nur während des „dritten Reiches“ wurde er wieder trockengelegt und als Flugzeugfabrik missbraucht. Jetzt sind die Stollen wieder mit Wasser gefüllt, aber so dass man sie teilweise begehen und sogar mit einem Boot befahren kann. Sogar einen unterirdischen Festsaal gibt es und interessantes über Bergbau kann man auch erfahren. Und einen Film haben die da unten auch gedreht, aber die Kulissen von damals haben sie immer noch nicht wieder weggeräumt. Die warten bestimmt auf den nächsten Einsatz. Sind bestimmt auch bald ein Oldtimer.
Ja und dann wurde es auch schon Zeit für die Heimreise.
Die beiden hatten nun alles Wichtige erledigt, ihre Freunde getroffen und schöne Stunden verbracht und Drega hatte sehr viel Neues gesehen und erlebt. Nachdem die zwei noch mal fürstlich gespeist hatten und alles zusammen gepackt und verstaut war, zahlten sie die Rechnung, die für zehn Tage ganz erträglich war und fuhren auf die nahe Höhenstraße. Diese Straße steht dank ihres Alters und der Anlage, welche für die damalige Zeit einmalig war unter Denkmalschutz. Sie führt von Hütteldorf, entlang der Wiener Stadtgrenze durch den Wienerwald nach Grinzing, einem sehr bekannten Wiener Heurigenort. Auf der ganzen Strecke gab es einige Plätze, welche früher als Ziel für einen Sonntagsausflug sehr beliebt waren. Damals galt noch nicht das Motto „immer noch weiter“ und auch das Geld war wohl etwas knapper.
Also wir landeten erst mal auf dem Kahlenberg und ich genoss den herrlichen Ausblick und das Gefühl, dass die Stadt die ich hier gänzlich überblickt, mir gehört. Ja früher hatte sogar eine Zahnradbahn dort hinauf geführt. Einer der Wagen steht ja noch unten in Nußdorf, und er ist viel älter als ich. Nachdem alle diesen herrlichen Genuss so richtig ausgekostet hatten, fuhren wir hinunter nach Grinzing und über die Nordbrücke aufs andere Donauufer, und dann immer an der Donau entlang. So ging es erst mal über Tulln nach Krems. Bis dahin war die Strecke eher eintönig, aber in Krems, einer lieblichen Kleinstadt, beginnt die Wachau. Ja, von Krems bis Melk, das ist der schönste Abschnitt der Donau in Österreich. Hier hatte sich die Donau durch den Granit des Waldviertels und des Dunkelsteinerwalds ihr Bett gefräst. Das hier äußerst günstige Kleinklima und der fruchtbaren Boden macht diese Gegend für den Obst- und Weinbau sehr attraktiv. Und auch landschaftlich bietet sich hier ein wunderschöner Anblick und wir waren gerade zur Zeit der Marillenblüte angekommen! Herrlich diese zarten rosa Blüten. In Melk am Ende der Wachau, wachte ein prächtiges Kloster, hoch über der Donau. Oder ist das der Anfang? Ach was weiß ich, wir mussten weiter. Wir fuhren weiter die Donau entlang über Ybbs-Persenbeug, dem ersten Laufkraftwerk an der Donau in Österreich, nach Linz, der Landeshauptstadt von Oberösterreich. Nun es wurde so langsam Abend, so fuhren wir besser zur Autobahn Richtung Passau um schneller weiter zu kommen. Ja es war inzwischen schon ziemlich spät geworden und wir wollten nicht mitten in der Nacht daheim ankommen. Nun wir übernachteten auf einem Autobahnparkplatz der überraschenderweise sehr geräuscharm war. Es war Nachtfrost angesagt worden, also setzte Drega meine Truma-Heizung in Gang. Diese gesonderte gasbetriebene Heizung machte den Schlafraum mollig warm, ein wenig Luxus muss schon sein. Und gut ausgeschlafen setzten wir nach einem leckeren Frühstück unsere Reise fort. Kurz nach Mittag kamen wir dann daheim an, wo wir aufs freudigste von unserem Kater begrüßt wurden.