Am HAFEN      ....una lacrima sul viso
Am HAFEN ....una lacrima sul viso

Am HAFEN ....una lacrima sul viso

Beitrag von wize.life-Nutzer

Werner stand an der Reling, lauschte den Schreien der Möwen, hörte die Rufe der Matrosen, die das Schiff zum Anlegen bereitmachten, sah dem Sonnenschein zu, der auf den Wellen der See seinen bunten Tanz aufführte und den Passagieren, die sich bereit machten an Land zu gehen. Werner aber stand nur da und sog begierig die Hafenluft ein und träumte, wie so oft nur einfach vor sich hin. Die Erinnerung hatte ihn gefangen.

Er war genau vor einem Jahr schon einmal in dieses malerische Hafenstädtchen gekommen.
Er hatte erfahren, dass es hier eine gute Küche mit ausgezeichneten Fischgerichten gäbe und dass eine nahe Flussmündung reichlich Gelegenheit bot, die äußerst vielfältige Vogelwelt zu fotografieren.
Damals war er nach der Ankunft gleich einmal in ein nahes Kaffee mit einer großen Terrasse und weiten Rundblick gegangen um sich umzusehen und erste Eindrücke zu sammeln. Neugierig, wie er nun mal war, kam er sehr schnell mit einer Frau am Nachbartisch in ein eifriges Gespräch. Brigitte, so hieß diese Dame, fragte als sie seine Ausrüstung sah, ob er Fotograf sei und vielleicht gar schon etwas über diese großartige Ornis hier erfahren habe. Sie selber liebe auch Vögel und studiere besonders ihre Stimmen und Gesänge. Sie empfahl ihm eine sehr liebe, kleine Pension, in der sie übrigens selber logierte. Er folgte ihrem Rat und nachdem er sich eingerichtet hatte, klopfte er an ihrem Zimmer an und bat sie, ihm die Gegend hier zu zeigen. Nun in dem kleinen Städtchen gab es ja nicht gerade sehr viel zu sehen. So wanderten sie ziemlich bald zur nahen Flussmündung und die bunte Vielfalt an Pflanzen und verschiedensten Vögeln überwältigte ihn. Als er gerade einen Reiher beobachtete, welcher sich gerade einen Fisch schnappte, bückte er sich in seinem Übereifer ein wenig zu weit vor und fiel der Länge nach ins Wasser. Der Reiher flog natürlich sofort auf und davon, allerdings vergaß er dabei nicht seine kostbare Beute. Brigitte konnte sich das Lachen kaum verbeißen, wie Werner so dalag, pitschnass mit verdutztem Gesicht und hilflos wie ein Maikäfer am Rücken liegend. Aber dann setzten sie sich gemeinsam auf einem großen von der Sonne erwärmten Stein nieder um sich zu erholen und damit Werners Kleidung wieder trockne, doch dann nahm er Brigitte zart in seine Arme und ihre Lippen fanden ganz wie zufällig zusammen. Eine tiefe warme Welle erfasste sie und trug sie miteinander fort.
Sie gingen heim in die Pension, die ja wirklich ausgezeichnet war, auch lagen ihre beiden Zimmer rein zufällig nebeneinander. Werner wechselte schnell seine Kleidung und holte Brigitte ab um mit ihr zum Abendessen in einem guten Fischlokal zu gehen. Anschließend besuchten sie noch eine Tanzbar, aus der heiße Rhythmen zum Tanzen einluden. Nun die beiden hatten sich ja auf Anhieb gut verstanden und wie sich ihre Körper zu den Melodien dieser exotischen Musik an einander fügten, war einfach wunderbar. Eine ganze Woche verbrachten sie gemeinsam. Und sie beschlossen sich wieder zu sehen, und in dem einem Jahr, das inzwischen vergangen war, trafen sie sich immer wieder hier. Würde sie wieder da sein?

Werner stand noch an der Reling, ganz versunken in seine schönen Erinnerungen. Ein Matrose musste ihn mit leichtem freundlichem Schulterklopfen in die Realität zurückholen und so verließ er als letzter Fahrgast das Schiff.
Er begab sich nun doch auf dem Weg, scheinbar einem uralten Ritual folgend, machte er es sich auf der Terrasse des Kaffee bequem und trank genussvoll ein eisgekühltes Bier. Werner hörte fasziniert dem Gezeter der Möwen zu, die sich wieder einmal um die besten Bissen stritten. So saß er da als ihn plötzlich wer von hinten anstupste. Er brauchte sich nicht umzusehen, sondern wusste gleich, dass es nur seine Brigitte sein konnte.
Nachdem sie sich liebevoll und ausgiebig begrüßt hatten, quartierte er sich in der Pension ein und dann gingen sie auf einen kleinen Imbiss.
Sie waren beide froh und glücklich wieder eine schöne Zeit zusammen verbringen zu können, doch Werner wollte den Abend besonders feiern, war es doch Ihr Jahrestag und für ihn bedeutete Brigitte sehr sehr viel. Aber er machte einen entscheidenden Fehler Brigitte nichts von seinen Absichten zu verraten. Er verschwand einfach nach dem Mittagessen ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Das war eigentlich ungewöhnlich, weil sie sonst immer ihre gesamte Zeit miteinander verbracht hatten, wenn sie sich trafen. Nachdem Werner sie nicht wie gewöhnlich auf ihrem Zimmer besuchte um sie abzuholen für gemeinsame Unternehmungen und es auch sonst keinerlei Hinweise über seinen Verbleib gab, suchte sie in nach ihm, aber niemand wusste etwas von Werner und dann fand sie auch noch seinen Stock und benötigte Medikamente in seinem Zimmer. Und sein Handy war auch ausgeschaltet. Jetzt war sie ganz außer sich vor Sorge um ihn, wusste sie doch, dass er nur kurze Strecken ohne seinen Stock gehen konnte und auf seine Medikamente angewiesen war. Sie geriet in Panik und suchte ihn an den Orten, die sie häufig mit ihm besucht hatte und bei denen sie wusste, sie waren ohne Stock für ihn zu erreichen. Erst am späten Nachmittag meldete er sich telefonisch und bat Brigitte etwas verworren, auf den besonderen Platz am Fluss zu kommen, an dem sie sich zum erstem mal umarmt hatten. Brigitte war fassungslos und zornig, dass er sich nicht früher gemeldet hatte und sie so in Sorge zurückgelassen hatte. Sie fauchte Werner an, er möge zurückkommen, sie hole ihn nicht ab, Schluss basta.
Werners Gedanken gingen im Kreis, dass er Brigitte vor seinem Unternehmen anrufen hätte sollen, nein auf diesen Gedanken war er nicht gekommen. Es sollte doch eine Überraschung sein.
Nach einer Zeit, die ihm selber wie eine Ewigkeit vorkam, war der Weg ohne Stock doch sehr lang und beschwerlich, kam er endlich in der Pension an. Er hatte sich vorgestellt Brigitte wie damals wieder in seine Arme zu nehmen, darum hatte er den Stock daheim gelassen und sich über den weiten Weg entlang gequält. Dass sie über sein plötzliches Verschwinden in Sorge geraten könnte, hatte er nicht bedacht.
Und endlich fand er sie. Sie lag angekleidet auf ihrem Bett, ihre kleinen Händchen zu Fäusten geballt und ihre Tränen flossen endlos während tiefes Schluchzen ihren Körper beutelte.
Ja, die Tränen flossen und flossen, als wollten sie nie wieder aufhören zu weinen.