Das Tagebuch

Beitrag von wize.life-Nutzer

eine Erinnerung aus der Kindheit, besser gesagt die Erzählungen meines Großvaters, haben mir die Idee zu diesem Gedicht gegeben
Titel: Das Tagebuch


Als Junge, ich gern spielte
Auf’m Dachboden, wo ich dann wühlte
In allen Ecken, dunklen Stellen,
Alte Sachen ich gefunden, in vielen Fällen.

So suchte ich mal wieder alleine,
Ein altes Kästchen ich fand, in aller Eile.
Nachdem ich den Staub abwischte,
Ein Tagebuch ich raus fischte.

Die Blätter gelb nach all den Jahren,
Was wohl dem Jenigen wiederfahren ?
Die Schrift war gotisch und gut lesbar,
Nur manche Träne hat zerstört, was dort los war.

Neugierig ich anfing zu lesen
Und staunte, das ist doch Opa gewesen ?!
Es fing an im Juni 1942, als er war,
SS-Soldat in der Ukraina, Moskau so nah.

Er dachte wohl als er das schrieb
Das niemand jemals wird lesen, was er trieb,
Er dachte wohl in der Hölle wird er sterben,
Die Wahrheit, im Tagebuch, nimmt’ mit ins Verderben.

So schrieb er wie die Häuser brannten,
Mütter schrien, als ihre Baby’s verbrannten,
Man warf sie wie ein Stück Holz ins Feuer,
Den Frauen raubte man den Stolz, in ihrer Trauer.

Die Alten mussten graben ihr Grab,
Erschossen fielen sie danach hinab,
Die Kinder klammernd an Mutti’s Leib
Der leider schon verblutet, in soviel Leid.

Mein Herz pochte, hab ich gut gelesen ?
Mein guter Opa, soll dort gewesen ?
Weiter lesen konnte ich nicht,
Sah plötzlich Opa, mit n’em anderen Gesicht!!

Wie er mich all die Jahr’ verwöhnte
Kein Wort vom Gleichen, er erwähnte,
Er sagte nur im Krieg er war,
Als Schreibkraft, kein Gewehr er sah.

Darf ich ihn fragen, jetzt in alten Tagen
Warum er mir verschwiegen, all seine Taten ?
Warum er mordete, so grausam war,
Nur ein Befehl befolgend, ist das wahr ?

Sind wohl die vielen Tränen die er vergoss
Ein Zeichen doch, das er beschloss
Im Inneren zu trauern, über die vielen Toten,
Deren Leben er nahm, wohl befohlen ??

Das Tagebuch dem Ende geht
Von Reue jetzt, erst steht,
Nach soviel Jahren Krieg, er doch erkannt,
Die Propaganda ihm geraubt den Verstand.


Franz Eisele / Heidelberg