MOPPEL-3  ... ein gefährliches Abenteuer
MOPPEL-3 ... ein gefährliches Abenteuer

MOPPEL-3 ... ein gefährliches Abenteuer

Beitrag von wize.life-Nutzer

Jetzt hatte ich wieder einmal ein paar Tage Ruhe und stand still vor mich hin, direkt vor dem Balkon meiner Familie. Direkt neben mir stand Kangoo, auf den ich so eifersüchtig gewesen war, doch das ist längst vorbei. Ich sehe heute ein, dass er im Stadtverkehr durch seine Wendigkeit und wegen seiner geringeren Größe stark im Vorteil ist. Dazu kommt noch, dass er für einen Tagesausflug dank seiner höheren Geschwindigkeit nützlicher ist. Drega und Zehin bewiesen mir aber ihre Zuneigung, in dem sie mein Inneres und auch Äußeres immer wieder verschönerten und verbesserten.
Doch schön langsam wurde es mir zu ruhig und mich hungerte nach neuen Taten, bin ich ja nicht zum stehen erschaffen worden. Aber das gerade ich nun in ein brandgefährliches Abenteuer rutschen sollte, dabei fing alles ganz harmlos an.
Es war gerade Ostern und Drega hatte den grandiosen Einfall einen größeren Ausflug zu machen, damit Zehin auch noch ihre restlichen Verwandten kennen lernte. So ging es auf zur nächsten billigen Tankstelle um den Tiger in den Tank zu lassen und Öl, Wasser und Luft zu überprüfen. Ja da waren die beiden sehr penibel, das musste ihnen der Neid überlassen.
Der Weg auf die Autobahn war nicht sehr weit und schon bald spulte ich zufrieden brummend Kilometer um Kilometer ab. Zehin war sehr übermutig und sang immer wieder „wie schön zu reisen und im Moppelchen zu schlafen“. Und das ging fast die ganze Zeit so, immer wieder von vorn und furchtbar laut und falsch, erst gefiel es mir, dass Zehin das reisen mit mir so freute, doch langsam wurde es fad. Aber Drega schien es zu gefallen und so machte ich gute Miene zum bösen Spiel.
Es ging auf die Autobahn Richtung Berlin. Wir überquerten einen der Teile des unvollendeten Elster-Saale-Kanals, die Luppe, die Neue Luppe, die Weisse Elster und die Mulde. Eigentlich eine schöne Landschaft aber Zehin beklagte sich über das flache Land hier. Es gäbe hier nicht einmal nennenswerte Hügel zu sehen, nur Auenlandschaft und Kulturland. Zehin kam nämlich aus Österreich und das bietet ein äußerst abwechslungsreiches Landschaftsbild mit vielen Bergen in allen Größen. Den Wörlitzer Park und Dessau streiften wir nur und kamen schließlich über die Elbe in den Hohen Fläming. Hier wurde es sehr wohl hügelig und wir fuhren durch dichte Kieferwälder, die schier endlos schienen. Nach einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, fuhren wir endlich in Niemegk ein.
Dieser Ort war schon älteren Datums und hatte einen gewissen Charme und beharrte stur und eigensinnig darauf eine Stadt zu sein. Obwohl, ich brauchte keine 10 Minuten durch den Ort. Wir fuhren bis fast an den Stadtrand wo sich mitten in einem Waldstück eine Anlage mit Wochenendhäusern befand. Ein Kusin hatte hier einen Garten mit einem kleinen Bungalow und hatte zum Grillfest geladen.
Das mit dem Grillen ist überhaupt so eine komische Sache. Besonders in der warmen Jahreszeit und bei schönem Wetter kitzelt einem von jedem Garten, sogar von Balkonen der Rauch in die Nase. Es scheint fast als wolle der Mensch wieder in die Zeit zurückkehren, als er wie die Indianer seinen erlegten Büffel am offenen Feuer briet und mit viel Palaver in Gesellschaft verzehrte.
Wir mussten bis zur Schule und dann, die Straße weiter war nur mehr eine Schotterstraße und die letzten 100 Meter waren gar nur mehr ein Feldweg, weil wir ja zum Hintertürchen des Gartens mussten. Da war genügend Platz für mich und niemand fühlte sich durch meine, hmm nun ja, Breite gestört. Wir wurden mit großem Hallo empfangen, wie wir da so lustig angeschaukelt kamen, als wollten wir einen neuen Tanz ausprobieren. Nachdem Drega den Motor abgestellt hatte und meine Trittstufen ausgefahren hatte, sprangen die Beiden auf die Erde, wo sie alsbald von den Anwesenden stürmisch umarmt und freudig begrüßt wurden und auch Zehin wurde sofort willkommen geheißen und in die Gemeinschaft vollkommen integriert. Dann ging es an die reichlich gedeckten Tische und unter munterem Geplauder und Austausch der Neuigkeiten genossen alle die äußerst leckeren Köstlichkeiten.
Später, nachdem auch das letzte Stück Kuchen verspeist war, begannen sich diese Menschen hier sich auch für mich zu interessieren. Ich wurde von allen Seiten begutachtet, mein Inneres staunend bewundert und einige begaben sich sogar ins Wageninnere um dieses Wohn- Fahrgefühl zu erleben, bzw. nachfühlen zu können. Nun auch wieder so ein geträumtes Indianererlebnis, ein mobiles Wigwam. Am frühen Abend verabschiedete sich die ganze Verwandtschaft so nach und nach, sie mussten ja wieder nach Hause. Nur wir blieben hier, schließlich hab ich ja richtige Betten, Tisch und Bank mit. Drega und Zehin genossen die Nacht hier mitten im Wald und doch geborgen wie in einem Haus.
Am Morgen wollte Drega Zehin noch ein paar Orte aus ihrer Jugend zeigen, er aber meinte man solle doch Tante Grete mitnehmen. Nun das war ja auch Dregas Lieblingstante und Zehin fand sie einfach doll, aber sie hatte scheinbar auch an ihm einen Narren gefressen. Nachdem man sich also verständigt hatte, wurde die Tante abgeholt und Zehin überließ ihr sogar den Beifahrersitz, damit sie das Fahrerlebnis voll genießen konnte, während er im Fond auf einer Sitzbank am Tisch saß. Ob er wohl bedauerte dort alleine zu sitzen und mangels Partner keinen zünftigen Skat klopfen zu können? Nun auf jeden Fall genoss er es von mir gemütlich durch die Gegend geschaukelt zu werden. Die Gegend war nicht nur Landschaftlich schön sie war auch wegen ihres äußerst wohlschmeckenden Spargels und da die Zeit gerade reif war, erblickte man überall Schilder, die für den ganz frischen Spargel warben. Ich musste ja wieder einmal über Landstraßen fahren, damit die Herrschaften mehr von der Gegend sahen und da gab es nicht gerade wenig zu sehen wie zum Beispiel einen kleinen Bahnhof, der einer Modelleisenbahn entsprungen schien. Zehin geriet total aus dem Häuschen als er eine Windmühle entdeckte, so was gab es nämlich bei ihm daheim nicht. Aber wir waren bereits daran vorbei und die beiden vorne hatten nichts bemerkt, doch Zehin war es noch gelungen ein Foto zu schießen. Gegen Mittag legten wir auf einem Parkplatz bei einem Badesee eine Pause ein und Tantchen spazierte durch die Gegend, während Drega ein Essen zubereiten wollte. Bald brutzelte und duftete es ganz herrlich, aber die Pfanne am Gasherd wurde ihr zu heiß und sie griff zu einem Papiertaschentuch um sich nicht zu verbrennen, aber das ging total in die Hose. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, fing das Taschentuch Feuer.
Um Himmels Willen, was sollte das noch werden, mir standen sämtliche Zylinder zu Berge und mein Motor glänzte vom Öl. Zum Glück behielt Zehin den Überblick, er war aber zu weit vom Herd entfernt und so rief er nur lautstark Feuer und das machte Drega auf die Gefahr aufmerksam, sie aber machte in ihrer momentanen Panik einen neuen Fehler. Sie warf nämlich das brennende Papiertuch aus der offenen Wagentür. Es hatte tagelang nicht mehr geregnet und das Laub und Reisig am Boden war staubtrocken. Ich betete zu all den guten Autogöttern und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Das sollte also das Ende sein, als geröstetes Wohnmobil sollte ich also mein kurzes Leben beenden?
Diesmal aber reagierte Drega schnell und richtig, sie sprang auf die Erde und trat das Flämmchen, das sich bereits zu einem kleinen Feuer entwickeln wollte restlos aus. Ich war inzwischen vor lauter Angst, was da alles geschehen hätte können ohnmächtig geworden. Nah das ist ja noch mal gut gegangen und Zehin wurde beauftragt, mit daran zu denken, das auch Topflappen zu meinem Inventar gehören müssen. Ja wirklich, ich hab doch schließlich eine richtige Küche mit, nicht nur so einen Campingkocher!