Die Teufelsmauer
Die Teufelsmauer

MOPPEL-4 ....im Reich der Hexen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Ja ja, meine Reifen werden noch heute weich, wenn ich an das letzte Abenteuer denke, das ja wirklich mit einem Großbrand hätte enden können. Aber dem großen Autogott sei Dank, es ging ja noch einmal gut aus. Ja und da fällt mir noch etwas ein, auf der Heimreise, Zehin saß ja auf der Hinterbank ganz alleine am Tisch. Während er das herrliche Landschaftspanorama genoss griff er, wie beim Fernsehen ganz gedankenlos in eine bereitstehende Schale mit verschiedenen Ostereiern und schob sich eins nach dem anderen unter den Schnurrbart. Da waren auch ganz kleine bunte Zucker- und Marzipaneier, welche seine Dega besonders liebte dabei. Sie bemerkte das im Rückspiegel und fauchte ihn furchtbar giftig an, dass er die einzigen Süßigkeiten die sie vertrug und essen durfte rücksichtslos vertilge. Sie war so böse, dass sie den Rest des Tages kein Wort mehr mit ihm sprach und mir tat der arme Kerl wirklich leid. Naja diese Menschenkinder !!
Zehin hatte wirklich daheim gleich dafür gesorgt, dass Topflappen von nun an zur Reiseküche gehörten. Und als ich innerlich wieder topfit und einsatzbereit gemacht wurde, sah sie die Schale in der sich dann doch noch einige Marzipaneier befanden. Sie bat ihren Zehin ganz lieb um Verzeihung und dieser konnte nicht anders und küsste sie immer wieder, denn er hatte den gestrigen Vorfall schon längst vergessen. Gerechtigkeitssinn hat sie ja, diese Drega, das muss man ihr lassen!
Nun mir blieben diesmal nur einige wenige Tage um mich zu erholen, denn die beiden hatten schon wieder einen verlängerten Wochenendausflug geplant. Alles war schnell gepackt, die nötigen Lebensmittel an Bord und auch an mich wurde gedacht, der Tank randvoll gefüllt, Reifen, Wasser und Öl geprüft und schon ging es los. Diesmal hatten sie mir nicht vorher verraten wohin die Reise gehen sollte, sondern fuhren einfach los in Richtung Harz. Aber kurz vorher bogen sie ab und ich merkte, dass sie eine Stadt namens Quedlingburg ansteuerten und auf einem Parkplatz endete vorläufig die Reise. Damit meine Batterie geschont wurde, schloss man mich an das hier befindliche Stromnetz an und so funktionierten alle elektrischen Geräte, wie Kühlschrank, Radio und Beleuchtung wieder einwandfrei. Bei den Telefongesprächen bekam ich mit, dass die zwei Sylvia, eine liebe Bekannte aus dem Internet besuchen wollten.
So stiefelten die zwei also los. Da Zehin dank seiner Krankheit in seiner Mobilität stark eingeschränkt war, hatte Drega in weiser Voraussicht hinter dem Fahrersitz einen Rollator eingepackt. Dieser war äußerst vielfältig auch als Sitzgelegenheit oder Rollstuhl verwendbar und dieses „Fahrzeug“, dessen Benutzung Zehin als unter seiner Würde ablehnte, kam auch nun doch mit auf den abendlichen Ausflug. Unterwegs wollten sie noch ein paar Blumen besorgen, aber da es bereits spät war bekam Drega in einem Supermarkt nur mehr eine einzige erbärmlich wirkende Topfrose deren einziges Plus die besonders schöne rote Farbe war. Sylvia wohnte an der alten Stadtmauer und sie mussten sich durchfragen. Aber nach einigen Irrwegen kamen sie endlich doch dort an und wurden bereits freudig erwartet.
Es war doch schon ziemlich spät als sie wieder bei mir wieder eintrudelten, dabei wollten sie doch am nächsten Tag eine kleine Rundfahrt in den Harz wagen. Ein Glück das sie den Rollator mitgenommen hatten denn der Heimweg war doch recht beschwerlich für Zehin gewesen, denn die Strassen und Gehwege bestanden hier aus verschieden großen rundlichen Steinen. Darauf konnte man nur sehr schlecht gehen, das war für Zehin viel zu anstrengend. So musste er seinen Stolz nun doch über Bord werfen und den Rollator als Rollstuhl benutzen und wurde solcherart von Drega zu mir gefahren. Ziemlich bald gingen die Lichter aus und die beiden lagen in meinem Bettchen und von außen hätte ein aufmerksamer Beobachter bemerkt, wie ich hin und her gebeutelt wurde. Was die beiden anstatt sich auszuschlafen da wohl trieben??
Es war inzwischen schon spät am Morgen als mein Motor endlich wieder gestartet wurde und wir auf den Weg in den Harz waren. Hier interessierten sich die beiden für einen mystischen Ort. Dort sollen sich früher die Hexen in den Vollmondnächten getroffen und mit dem Teufel getanzt haben. Und wenn die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte flogen sie gemeinsam auf den Brocken, dem höchsten Berg im Harz, in der Sagenwelt auch als Blocksberg bekannt. Also es muss damals da oben ziemlich toll zugegangen sein und angeblich soll es der Teufel nur mit den schönsten Hexen getrieben haben, aber sind nicht alle Hexen irgendwie schön? Dorthin wollten sie also, zumal es ja als Draufgabe noch einen wunderschönen Ausblick in das Tal der Bode geben sollte. Nun es war eine Fahrt bei der Zehin völlig aus dem Häuschen geriet, ging es doch über waldige und kurvige Bergstraßen dem Ziel entgegen. Endlich durfte er statt flachem Land wieder einmal bewaldetes Gebirge, wie er es von seiner Heimat Österreich gewohnt war, erleben.
Den Wegweisern auf verschlungenen Wegen folgend kamen wir endlich auf einem großen Parkplatz an, der auch noch gebührenpflichtig war. Dort standen bereits einige Busse und Pkws. Auch viele Buden die Fressalien, Souvenirs oder Eis anboten gab es, naja Geschmäcker sind eben verschieden. Auf mich wirkte das wie ein Jahrmarkt. Auch eine Seilbahn führte hier von Thale herauf und sogar eine sehr lange Sommerrodelbahn gab es hier.
Drega und Zehin verschwanden in der Menschentraube, sie hatten sich in einen Gastgarten, von dem sie einen wunderbaren Ausblick hatten, begeben und Zehin fotografierte und trank sein obligates Bier, er musste ja nicht fahren. Drega aber erkundete inzwischen die Umgebung. Guckte auf die Rosstrappe und überlegte ob sie den Sprung auf die andere Seite wohl geschafft hätte. Das Tal der Bode war eng und tief, die Häuser auf halber Höhe sahen aus wie aus einer Modeleisenbahnanlage, die Bode konnte man von hieraus nicht sehen, aber hören. Und von dort oben war in der Ferne auch noch eine andere skurrile Felsformation zu sehen, die sich schroff aus der sonst flachen Landschaft erhob. Sie führte im Volksmund den Namen Teufelsmauer.
Ja und so soll sie entstanden sein:
Vor Urzeiten, als Gott und Teufel die Erde unter sich aufteilten, wurde zwischen beiden vereinbart, dass dem Teufel all das Land gehören sollte, welches er in einer Nacht bis zum ersten Hahnenschrei mit einer Mauer umbauen konnte. In jener Nacht, als der Teufel sein Bauwerk begann, war nun aber eine alte Frau unterwegs, die auf dem Markt einen Hahn verkaufen wollte. In der Dunkelheit stolperte sie, und der Hahn erschrak sich dabei und begann zu krähen. Der Teufel hörte dies und dachte, dass seine Zeit schon um sei und riss vor lauter Wut die Teufelsmauer wieder ein. Die Reste stehen bis auf den heutigen Tag.

Von meinem Standplatz konnte ich fast wie in einer Loge das bunte Treiben beobachten und konnte einer kleinen Theateraufführung, einem Hexentanz, zusehen. In einem Halbkreis, den drei groteske schwarze Metallfigurenfiguren bildeten, tanzten fantasievoll bunt gekleidete weibliche Wesen beim Klang mystischer Melodien singend um ein Feuerchen. Nachdem das vorbei war, tauchte Zehin wieder auf und betrachtete die Figuren näher. Diese stellten den Teufel, eine Hexe und den Homunkulus dar. Die Hexe, na klar, wer sonst, hatte es ihm scheinbar besonders angetan. Ein weiblicher Körper der dem Betrachter sein wohlgeformtes pralles Hinterteil entgegenstreckte. Es war die schönste Hexe die versuchte einen großen Stein vorwärts zu bewegen. Lange beaugäpfelte Zehin diesen riesenhaften Po um dann mit wollüstigem Blick genießerisch darüber zu streicheln. Aber Drega bereitete dem ein Ende und so fuhren wir in die Stadt zurück, wieder auf den schon bekannten Parkplatz.
Es war bereits weit nach Mittag und die beiden besuchten noch einmal Sylvia, denn sie hatte in ihrem kleinen aber feinen Garten zum grillen eingeladen. Unter großem Geplauder und viel fröhlichem Gelächter wurden die leckeren Köstlichkeiten verzehrt und erst sehr spät verabschiedete man sich und man versprach sich in Kontakt miteinander zu bleiben. Am Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück brachen wir auf und fuhren auf einen anderen Parkplatz, der näher am Stadtzentrum lag. Nun es dauerte ziemlich lange bis die beiden all die Sehenswürdigkeiten ausgiebig bewundert hatten und zu mir zurückkehrten. Vor allem Zehin wirkte sehr erschöpft, als wir endlich zurück nach Leipzig aufbrachen. So sehr er auch diese Reisen genoss und sich darüber freute, er war immer wieder froh heim zu kommen. Hatte er doch hier endlich, nach langem Suchen, sein wahres Zuhause gefunden