wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Der Schall des Bösen
Der Schall des BösenFoto-Quelle: ©Angela Parszyk / www.pixelio.de

Der Schall des Bösen

Von wize.life-Nutzer - Montag, 21.07.2014 - 22:05 Uhr

Nur eine Straße führte durch das fast verlassene Dorf. Die meisten Fensterläden waren geschlossen. Ein Karren, der von zwei Ackergäulen gezogen wurde, schleifte mühsam voran. Die Räder kamen immer näher und die Mücken, die über den Pfützen kreisten, flüchteten. Niemand wusste wohin. Das gackernde Federvieh flatterte erschreckt von der Straße, dem Hahn blieb das Kikeriki im Halse stecken, Gänse trotteten unbekümmert den Wegesrand entlang und marschierten an der alten Frau vorbei, die mit gekrümmten Rücken ganz in Schwarz am Straßenrand wie eine einsame Vogelscheuche vor sich hinstarrte. Ihr war es egal, was um sie geschah. Der Karren fuhr vorüber und verschwand irgendwo am Ende der Straße, wenn es überhaupt ein Ende gab. Für nur kurze Zeit war die feuchte Spur des Fuhrwerks noch zu sehen, bis auch sie wie die Regenpfützen in der sengenden Sonne verdampfte. So war es immer. Es regnete kräftig und wenig später war nichts mehr davon zu sehen

Der alten Frau rang der Schweiß über Stirn und Rücken. Tief in Gedanken stand sie dort. Ihr Mann war letzte Nacht verstorben und niemand verstand, wie er in den Brunnen fallen konnte. Seit Menschen Gedenken stand der Brunnen am Eingang des Ortes. Auch wenn er meistens leer war, gingen die Frauen täglich mit Eimern hierher und hofften auf frisches Wasser. Im Dorf wären sie alle schon längst verdurstet, wenn nicht jede Woche ein Pferdekarren aus Temeschburg gekommen wäre, um den Menschen hier sauberes Wasser zu bringen. Heute in der Früh lief Mara zum Brunnen. Sie schaute in den Schacht und schrie ganz fürchterlich. Da unten lag eine Leiche.

Es geschah in der letzten Nacht. George flüsterte: „Hast du das gehört?“ Sie wachte auf auf erschrak. „Was soll denn sein?“, und George verstand nicht, warum sie nicht das Flüstern hörte, dass ihm befahl auf die Straße zu gehen. Er zitterte am ganzen Leib. Bis auf die Knochen spürte er, wie die Stimmen Besitz von ihm ergriffen. Der Vollmond zwängte sich durch die Gardinen. Als ob er Schreien wollte, riss der Mann sein grässliches Maul auf und seine Frau sah zwei Reißzähne heraushängen. Nur das grässliche Flüstern hielt ihn ab, seiner Frau das Blut auszusaugen

„Ich muss raus“, raunte er. Seine Stimme klang wie aus einer anderen Welt. Er fletschte die Zähne und ging zum Fenster. Hinter der Gardine flatterten Schatten. Ein grässliches Heulen drang ins Schlafzimmer. Das Fenster klirrte und George stand auf der Straße. Er lechzte das Mondlicht an. Glassplitter waren in seine Haut gedrungen. Er leckte am eigenen Saft. „Sauge dich leer!“, heulte der Chor und er glaubte, es seien die Fledermäuse. Das Heulen wurde immer lauter und fraß sich durch alle Winkel seiner Seele, bis die letzten Spur seines Menschseins vertilgt war. Er schlürfte seine Blutgefäße leer und schleppte sich mühsam vorwärts wie ein Ackergaul vor einem Karren. Gierig brannte er darauf noch mehr Blut zu trinken, sein bleiches Gesicht aber, als es sich über dem Brunnenrand neigte, in ein gähnendes Nichts schaute. Das Heulen fegte wir ein Orkan durch das Dorf und riss den Mann in die Tiefe.

Als am nächsten Tag die Leiche mit Metallhaken ans Tageslicht gezogen wurde, zerbröselte der Leichnam vor aller Augen zu Staub. Die Leute holten nicht die Polizei aus aus der Stadt. Den Ärger konnten sie sich sparen und jetzt stand die Witwe am Straßenrand und wusste nicht, wie sie ihren Mann beerdigen sollte. Sie machte kehrt, schloss hinter sich zu und betete für die Seele ihres Mannes. In der Nacht begann es wieder zu flüstern.

©MartinStauder

17 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Eine schaurig-schöne Geschichte! Gänsehaut garantiert - super, eine echte Parallelwelt. Rumänien ist ja das Land der Vampire und Du hast es gut geschildert. Mehr davon!
Vielen Dank. Inga.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Klasse Martin, spannende Geschichte.....toll geschildert
Vielen Dank, Helge
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Gruselgeschichten sind eigentlich nicht mein Ding (ich hatte schon als Kind Schiss davor *g*), aber mit deinem Vampir konnte ich "leben"
Besonders gut hast du das Szenenbild beschrieben, finde ich.
Danke Robert
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Hallo Martin, es gibt SIE also doch in Rumänien! Schön unheimlich geschrieben. Mir stellt sich die Frage, wann wurde denn der alte Mann gebissen?
Martin es sind ein paar kleine Flüchtigkeitsfehler im Text, aber wahrscheinlich hast Du die schon selbst entdeckt, ansonsten gerne mehr Gruselgeschichten.
LG Ursula
Hallo Ursula, das Böse überkam ihm im Bett, habe es bloß nicht detailiiert schreiben wollen, wein ich das sog. Böse mehr oder weniger nur angedeutet habe.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Gruselig. Mit dem Zerfallen zu Staub und danach die Frage der Beerdigung? Da habe ich ein Problem. Aber sonst eine gute Geschichte. L G Eva
Hallo Eva, ein Vampir vertragt kein Sonnenlicht, darum zerfällt er zu Staub, darum die Witwe ihn auch nicht beerdigen konnte.
Ach, ich stand auf der Leitung, na klar LG Eva
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Gruselig Martin.......... was mich irritiert ist die brütende Hitze und die heruntergelassenen Fensterläden. Und dann Pfützen?
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
maddin,fein gruselig.schön geschrieben
danke Barbara.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Oh wie gruselig, ich habe Gänsehaut. Doch eine kleine Anmerkung, ich würde schreiben, es seien Fledermausschreie oder wie man sonst so dazu sagt. Denn Fledermäuse, die in seine Ohren drangen, hört sich irgendwie komisch an. Sonst super !
Danke für deine Anregung, Brigitte.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren